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„Der Konjunkturmotor brummt“

Unternehmer-Umfrage „Der Konjunkturmotor brummt“

In der heimischen Metall- und Elektro-Industrie läuft es rund, wie die jährliche Konjunkturumfrage belegt: 58 Prozent der 
Betriebe berichten von mindestens guten Zahlen.

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Der Großteil der heimischen Betriebe in der Metall- und Elektro-Industrie blickt optimistisch in die Zukunft.

Quelle: Jan Woitas / dpa

Wetzlar. Das Ergebnis der ­Konjunkturumfrage der Hessen-
Metall-Bezirksgruppe Mittelhessen bei ihren Mitgliedsbetrieben hat selbst den Bezirks­vorstand laut dem kommis­sarischen Vorsitzenden ­Oliver ­Barta „wirklich sehr positiv überrascht“. Die Zahlen schrieben die Gesamtentwicklung der letzten Jahre weiter fort. „Der Konjunkturmotor in den meisten Metall- und Elektro­betrieben brummt“, so Barta.

Er stellte die Zahlen der ­aktuellen ­Konjunkturumfrage gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Wolfram Kuhn ­(Geschäftsführer der Herborner Pumpentechnik), Tobias Selzer (Selzer Fertigungstechnik, Driedorf), Fritz Georg Rincker (Rincker Glocken- und Kunstgießerei, Sinn) und Verbandsgeschäftsführer Dr. Dirk Hohn (Wetzlar) vor.
58 Prozent der Betriebe berichten demnach von guten Zahlen, weitere 39 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Lage als befriedigend. Diese Werte überträfen die des Vorjahres deutlich.

Gutes Drittel der Betriebe gibt hohes Investitionsniveau an

Auf die Dauer des kommenden halben Jahres stabilisieren sich die Zahlen bei 77 Prozent der befragten Betriebe, weitere 17 Prozent erwarten eine nochmalige Verbesserung. Zukunftsindikator sind laut Barta die Auftragseingänge. Mit 54 Prozent der Befragten, die von ausreichenden, und weiteren 37 Prozent, die von verhältnismäßig großen Auftragszahlen ausgehen, seien neun von zehn Betrieben gut ausgelastet. Barta hofft auf dringend benötigte Fachkräfte, um die Aufträge auch termingerecht bearbeiten zu können. Insgesamt hofft der mittelhessische M+E-Arbeitgebervorstand, dass sich der positive Trend auch in der zweiten Jahreshälfte 2018 fortsetzen werde.

Hintergrund

An der ­Konjunkturumfrage beteiligten sich laut Arbeitgeberverband 61 der insgesamt 128 Mitgliedsbetriebe des M+E-Bezirksverbandes Mittelhessen. Diese 61 Betriebe stehen für 22.100 von insgesamt 29.000 Beschäftigten, womit das Umfrageergebnis laut Oliver Barta als repräsentativ gelten könne.

Fritz Georg Rincker berichtete von einer positiven Entwicklung bei Umsätzen und Erträgen, auch wenn letztere die sehr positiven Zahlen bei den Umsätzen „auf einem doch signifikant niedrigeren Niveau nachvollziehen“. In diesem Zusammenhang erwarte der Vorstand bezüglich der laufenden Tarifgespräche mit der IG Metall „angemessene“ Abschlüsse, um weiter auf Erfolgskurs bleiben zu können. Denn gute konjunkturelle Prognosen seien kein Selbstläufer. Deshalb sei es erforderlich, Faktoren wie Lohn- und Energiekosten auf einem Niveau zu verankern – das ermögliche den heimischen Betrieben eine internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer.

Der positive Gesamttrend wirke sich auch auf die Investitionen aus. Laut Wolfram Kuhn bezeichnen 36,5 Prozent der Betriebe ihr derzeitiges Investitionsniveau als hoch, weitere 54 Prozent sprechen von ausreichenden Investitionen. Der Schwerpunkt liegt mit einem Drittel nicht nur bei den klassischen Ersatzinvestitionen, sondern mit 28 Prozent auch in der Produktinvestitionen. Aller­dings werde im Blick auf die Auslandsinvestitionen – von 7,5 Prozent im Vorjahr auf nun 17,6 Prozent – deutlich, dass die heimischen Unternehmen auch in andere Standorte in Europa, Nordamerika und Asien investierten. Womit die Exportquote in den Fokus rückt, die bei gut 48 Prozent liegt.

Laut Dr. Dirk Hohn sei die Mitarbeiterzahl stabil geblieben, die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank auf 2,9 Prozent der Gesamtbelegschaft. Allerdings werde aus der Umfrage deutlich, dass die Betriebe bei Einstellungen „ein wenig abwartend“ reagierten – wegen der laufenden Tarifrunde.

Forderung nach „zukunftsfähigem Arbeitsrecht“

„Die Digitalisierung ist ein Megathema für die Metall- und Elektroindustrie“, machte Tobias Selzer deutlich – und forderte die Politik auf, für die geeigneten Rahmenbedingungen zu sorgen. Ein Großteil der bei der Konjunkturumfrage involvierten Unternehmen ­beschäftige sich bereits intensiv mit dem Thema, 45 Prozent verfügten schon über eine eigene Digitalisierungsstrategie. Aktuell liege der Digitalisierungsgrad bei der Herstellung der Produkte bei 28 Prozent. Nur 18 Prozent der Befragten können derzeit noch keinen Einfluss der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell feststellen.

Bei der Frage nach den wichtigen oder sehr wichtigen Rahmenbedingungen, die seitens der Politik mit dem Ziel einer erfolgreichen Gestaltung der Digitalisierung geschaffen werden müssen, gaben 96 Prozent ein „zukunftsfähiges Arbeitsrecht“ und 94 Prozent den Ausbau der Breitbandnetze an. „Am Ende muss in jedem Fall verhindert werden, dass gesetzliche Vorgaben oder fehlende Infrastruktur die Unternehmen beim erfolgreichen Start in die digitale Welt behindern“, so Selzer.

von Franz Ewert

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