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Mitarbeiter wollen Wagner Solar retten

Genossenschaft als Zukunftsmodell Mitarbeiter wollen Wagner Solar retten

Die Nachricht von der drohenden Pleite hat nicht nur die Belegschaft in Aufruhr versetzt: Auch Kunden und Bürger wollen die Solarpioniere unterstützen und planen die Gründung eines neuen genossenschaftlich organisierten Unternehmens.

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Ein Bild aus der erfolgreichen Vergangenheit des Unternehmens: Mitarbeiter und Angehörige der Firma Wagner Solar stellen sich für ein Gruppenbild auf. Der Zusammenhalt ist jetzt noch da, sagen Beschäftigte, die die Firma vor der Insolvenz retten wollen.

Marburg. Nachdem die Firma Wagner & Co Solartechnik beim Amtsgericht Insolvenz angemeldet hat, gibt es in der Belegschaft nicht nur Frust und Trauer, sondern auch Aktionismus: Mitarbeiter haben sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Kunden und engagierten Bürgern das Unternehmen zu retten.

Eine Genossenschaft soll gegründet werden, die die Arbeit von Wagner Solar fortführen würde. Im Prinzip ist also die Gründung eines neues Unternehmens geplant. Derzeit werden Konzepte entwickelt, erklärt Christof Geiger, ein langjähriger Mitarbeiter. Kollegen, Handwerkspartner, aber auch interessierte Bürger sollen sich an Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Solaranlagen finanziell beteiligen können.

Demonstration in Berlin

Die Produktionseinrichtungen und bestehenden Arbeitsplätze in Kirchhain und Cölbe sollen erhalten bleiben. Das Unternehmen hatte bereits Ende 2013 viele Stellen abgebaut, um die drohende Pleite abzuwenden. Derzeit arbeiten nur noch rund 100 Personen in der Firma, die zu Spitzenzeiten 400 Mitarbeiter hatte. Die Geschäftsführung, die über das Vermögen nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Jan Markus Plathner bestimmen kann, habe mit der Mitarbeiterinitiative nichts zu tun, betont Geiger. Die Firma Wagner, die seit 1979 besteht, hatte stark auf die Selbstversorgung mit Sonnenenergie gesetzt. Darauf setzen Geiger und die Mitstreiter auch weiterhin: Solare Wärme könne einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Doch die Große Koalition sowie die Atom- und Kohlelobby wolle den Zubau der Erneuerbaren Energien ausbremsen. Dass ausgerechnet Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der noch im Wahlkampf die Firma Wagner besucht und gelobt hatte, die „Sonnensteuer“ einführen wolle, ärgert die Mitarbeiter. Gabriel will auch den für den Eigenbedarf produzierten Strom mit der Umlage nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz belegen. „Die von Gabriel vorgeschlagene Einführung einer Sonnensteuer führt dazu, dass viele Solarunternehmen vom Markt verschwinden und Arbeitsplätze abgebaut werden“, kritisiert Geiger. Wagner-Mitarbeiter beteiligten sich vergangene Woche an einer Energie-Wende-Demonstration in Berlin und protestierten gegen die Pläne der Bundesregierung.

"Viele Kunden zeigen sich solidarisch"

Trotz der schwierigen Ausgangslage glauben die Mitarbeiter weiterhin an eine dezentrale Energiewende in Bürgerhand. „Wir haben hervorragende Produkte, 35 Jahre Erfahrung und ein stabiles Vertriebsnetz. Daher sehen wir gute Chancen für eine erfolgreiche Weiterführung“, so Geiger. Er verweist auch darauf, dass der Geschäftsbetrieb derzeit in vollem Umfang fortgeführt wird - und dies ziemlich gut sogar. „Viele Kunden zeigen sich solidarisch“, erklärt er. Die Firma und das Personal erhalte Unterstützung aus dem gesamten Bundesgebiet und suchen nun nach weiteren Mitstreitern.

von Anna Ntemiris

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