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Mitarbeiter greift mehrfach in die Kasse

Aus dem Amtsgericht Mitarbeiter greift mehrfach in die Kasse

Wegen Untreue ist ein 28-Jähriger vom Marburger Amtsgericht zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte gestanden, etwa 22.000 Euro veruntreut zu haben.

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Unter anderem in Spielhallen verzockte der Angeklagte das unterschlagene Geld – vor Gericht war er geständig, was ihm eine milde Strafe einbrachte.

Quelle: Soeren Stache / dpa

Marburg. Der Mann war stellvertretender Leiter eines Lebensmittelmarkts in Marburg. Laut Anklage hatte der Mann im Mai und Juni 2013 in fünf Fällen größere Mengen Geldscheine aus dem Tresor für sich genommen, die eigentlich für die Beschaffung von Wechselgeld bestimmt waren.

Im November des gleichen Jahres hat er, so die Anklage, an fünf aufeinander folgenden Tagen die Tageseinnahmen nicht wie aufgetragen zur Bank gebracht. Zuletzt soll er mehr als 1000 Euro, die er von einer Filiale in die andere bringen sollte, veruntreut haben.

Diese Vorwürfe gab der Mann alle sofort zu. Eingestellt wurde ein Fall, in dem er 150 Euro, die für ein neues Telefon bestimmt waren, behalten haben soll. Daran könne er sich nicht erinnern, so der Angeklagte. Nach Auffassung von Strafrichterin Dr. Antonia Wetzer und der weiteren Prozessbeteiligten hätte sich dieser Vorwurf bei der Strafe auch nur minimal ausgewirkt.

Spiel- und Drogensucht

Der Geschäftsführer des Marktes und seine Ehefrau sprachen von einem besonderen Verhältnis zu dem Angeklagten, der neun Jahre bei ihnen gearbeitet hatte. „Er hat bei uns gelernt und immer unser vollstes Vertrauen gehabt, er war immer zuverlässig und fleißig, deshalb waren wir sehr enttäuscht.“ Der Angeklagte betonte, dass es ihm gerade deshalb besonders leid tue: „Ihr wart wie Eltern für mich.“

Grund für die Straftaten sei seine Spielsucht gewesen, hinzu sei Drogenmissbrauch gekommen, so der Marburger. „Ich habe das gemacht, aber immer mit der Absicht, es mit einem Gewinn ausgleichen zu können, ein Irrglaube, wie ich heute weiß.“

Bereits nach den ersten fünf Fällen sei er mit in Verdacht geraten, habe aber alles abgestritten, zudem noch andere Mitarbeiter Zugang zum Tresor gehabt hätten. Im November sei er dann in ein ganz großes Loch gefallen, weil seine Familie ihn verlassen habe. „Vielleicht war es am Ende so, dass ich wollte, dass es auffliegt“, erklärte der Mann und gab zu, innerhalb von nur sechs Tagen fast 10.000 Euro an sich genommen zu haben.

Günstige Sozialprogrose

Als das Wechselgeld nicht in der Filiale ankam, suchte der Geschäftsführer laut eigener Aussage seinen Mitarbeiter in einer Spielhalle und fand ihn auch. Da habe der Angeklagte sofort alles gestanden, so der Zeuge. Dass die Polizei im Auto des Mannes noch alle leeren Geldbeutel fand, sprich die Beweismittel völlig offen dalagen, wertete Richterin Wetzer als „geringe kriminelle Energie“, die ebenso wie die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist, und das Geständnis zugunsten des Angeklagten berücksichtigt werden müssten.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht dem Antrag der Verteidigung. Bewährung sei wegen der günstigen Sozialprognose möglich. Der 28-Jährige berichtete, er habe wieder Arbeit, seine Sucht mittels Therapie völlig im Griff – „das ist das Beste, was mir je passiert ist“ – und deshalb sei auch seine Familie zu ihm zurückgekehrt. Die Bewährungszeit setzte Wetzer auf drei Jahre fest. Als Auflage muss der Mann in dieser Zeit monatlich 100 Euro Wiedergutmachung an die Geschädigten zahlen.

Staatsanwalt Reinhardt Hormel hatte ein Jahr und fünf Monate beantragt. Er wollte eine vierjährige Bewährungszeit erreichen, in der monatlich 250 Euro zu zahlen seien. Diese Summe könne sein Mandant nicht leisten, ein Scheitern der Bewährung sei somit vorprogrammiert, gab Verteidiger Arik Bredendiek zu bedenken. Aber alle Ansprüche der Kläger würden anerkannt und natürlich, wenn auch in kleinen Schritten, von seinem Mandanten beglichen.

von Heiko Krause

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