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Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

Cölber Traditions-Unternehmen BTF Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

Der Betriebsrat des Elektrogroßhandels BTF in Cölbe schlägt Alarm: Die Belegschaft soll dramatisch schrumpfen. Die Geschäftsführung der Sonepar Deutschland, die BTF übernommen hat, dementiert dies.

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Der Stammsitz des Elektrogroßhandels BTF in Cölbe: Laut Betriebsrat will der neue Inhaber dort mehr als 40 Arbeitsplätze abbauen. Die Firmenleitung dementiert.

Quelle: Thorsten Richter

Cölbe. Das Unternehmen BTF in Cölbe kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Bereits 1945 wurde es von Heinrich Bonn und Werner Tatje gegründet. Seither war „Bonn & Tatje“ als Elektrogroßhandel ein Begriff in der Region.

Und selbst, als das Unternehmen 1988 mit dem Betrieb Fackiner aus Gießen fusionierte und in der Folge als „BTF Bonn Tatje Fackiner“ firmierte, blieb der Name „Bonn & Tatje“ im Sprachgebrauch der heimischen Handwerker – selbst heute noch, obwohl das Unternehmen seit 2014 nicht mehr eigenständig ist.

Denn die BTF-Gruppe mit ihren sieben Niederlassungen in Nordhessen und Thüringen, die HEG mit Sitz in Marburg und die Firma Bähr in Mannheim wurden im vergangenen Juli von der Sonepar Deutschland GmbH übernommen. Sonepar ist nach eigenen Angaben „unangefochtener Marktführer im deutschen Elektrogroßhandel“, beschäftige rund 5000 Mitarbeiter und erziele einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro. Das Kartellamt hatte im Juni vergangenen Jahres der Fusion zugestimmt.

Betriebsrat schlägt Alarm

Mit dieser Akquisition stärke die Sonepar-Deutschland-Gruppe ihre Marktpräsenz in der Mitte Deutschlands. „Es ist erfreulich, dass sich ein so namhaftes und traditionsreiches Unternehmen wie die BTF-Gruppe zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit uns entschlossen hat“, teilte Dr. Stefan Stegemann, Sprecher der Geschäftsführung von Sonepar Deutschland, nach der Zustimmung mit.

BTF werde es dem Unternehmen ermöglichen, „das Angebot an unsere Kunden im Rhein-Main-Gebiet deutlich zu verbessern und diese vielversprechende Wachstumsregion noch intensiver zu bedienen“. Doch nun schlägt der Betriebsrat in Cölbe Alarm: Der Elektrogroßhandel BTF werde mit der Sonepar Deutschland Region West verschmolzen – folglich gingen alle Arbeitsplätze der BTF per Betriebsübergang zu Sonepar über.

Laut Rainer Marquardt vom Betriebsrat der BTF sei geplant, dass in Cölbe nur noch der Vertrieb sowie der Schaltanlagenbau verblieben – mit etwa 20 Arbeitsplätzen. „Aber mehr als 40 Arbeitsplätze aus den Abteilungen EDV, Buchhaltung, Einkauf und Logistik werden 200 Kilometer weiter in die Zentrale nach Holzwickede verlegt und die Auslieferung wird an einen Spediteur übertragen“, so Marquardt.

Sonepar: ein paar strukturelle Anpassungen vorgesehen

Dies bedeute, dass die betroffenen Kollegen „hier ihren Arbeitsplatz verlieren. Umso tragischer ist es, dass die meisten Kollegen zwischen 20 und 40 Jahren bei uns beschäftigt waren“, so Marquardt. Auch sei nicht nur der Standort Cölbe von den Umstrukturierungsplänen betroffen – sondern auch die Betriebsstätten in Marburg, Gießen, Fulda, Korbach, Mannheim, Frankfurt und Hoechst.

„Wir in Cölbe haben bis heute immer ordentliche Ergebnisse erzielt“, so Marquardt. Derzeit stehe der Betriebsrat mit der Geschäftsführung in Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan.

Oliver Spänhoff, Leiter der Rechtsabteilung von Sonepar Deutschland und verantwortlich für die strategische Personalentwicklung, dementiert die Entlassungspläne allerdings. „Es sind zwar ein paar strukturelle Anpassungen in der Zukunft vorgesehen“, sagt er auf Anfrage der OP. „Aber wie die aussehen, das wissen wir jetzt noch gar nicht.“

Es ließe sich derzeit „noch nichts Konkretes“ sagen. Man stecke seit geraumer Zeit in Gesprächen mit dem Betriebsrat, „haben von ihm aber immer noch keine Nachricht bekommen. Wir können überhaupt nichts sagen, weil nichts da ist“, so Spänhoff.

Pläne „sind noch alles andere als spruchreif“

Es gebe durchaus Überlegungen, was mit dem Standort in Cölbe geschehen solle, doch auch diese seien noch alles andere als spruchreif. „Aus diesen Überlegungen werden sicherlich irgendwann auch Planungen werden. Aber die müssen sich erst einmal manifestieren – und das kann erst stattfinden, wenn wir etwas vom Betriebsrat gehört haben“, sagt Spänhoff.

Auch zu einer etwaigen Verlegung der Arbeitsplätze aus Cölbe weg nach Holzwickede könne er derzeit nichts sagen, da es „nichts Spruchreifes“ gebe. Er dementierte auch, an allen Standorten der BTF dieselben Umstrukturierungen zu planen, denn der Standort Cölbe spiele „eine besondere Rolle, da kann man nicht alles über einen Kamm scheren“.

Der Leiter der Rechtsabteilung bekräftigte im Gespräch mit der OP allerdings, dass kein Standort geschlossen werden solle. „Wir wollen wachsen, die Region ist für uns absolut vielversprechend“ sagt Spänhoff. „Wir haben die BTF im vergangenen Sommer erworben, weil wir die Struktur und das Vertriebsgebiet erhalten wollten.“ Außerdem halte man den Vertrieb bei BTF für „äußerst vielversprechend, wir wollen dort etwas aufbauen, und am liebsten – wie an anderen Standorten – wollen wir schnell Leute einstellen“.

von Andreas Schmidt

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