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Mit dem Minijob gegen die Altersarmut

„Arbeit und Bildung“: Jobbörse für Rentner Mit dem Minijob gegen die Altersarmut

Das Rentenniveau sinkt – immer mehr Rentner 
müssen sich etwas hinzuverdienen. Aus diesem Grund installiert „Arbeit und Bildung“ nun eine Minijob-Börse für Rentner.

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Wenn die Rente im Alter nicht reicht, können sich Rentner mit Minijobs etwas hinzuverdienen. „Arbeit und Bildung“ bietet daher nun eine Minijob-Börse an.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Marburg. „Die Rentner im Landkreis sind nahezu die ärmsten in Hessen“, sagt Rainer Dolle, Geschäftsführer von „Arbeit und Bildung“. Er bezieht sich mit der Zahl auf eine Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Finanzwirtschaft. Und Dolle weiß: „Vom Grundsatz her ist das Thema ,arme Rentner‘ immens wichtig, es wird uns in Zukunft noch stärker beschäftigen.“

Aus diesem Grund arbeitete „Arbeit und Bildung“ in den vergangenen Monaten am Aufbau einer Minijob-Börse für Rentner, die nun vor dem Start steht: Unter www.rentnerjob-­marburg.de können ab sofort Inserenten ihre Minijob-Angebote veröffentlichen. Der zweite Schritt erfolgt dann am 1. ­Januar: Ab dann können sich auch Rentner registrieren und so bei den angebotenen Arbeitsgelegenheiten „zuschlagen“.

Die zeitliche Staffelung erklärt Rainer Dolle: „Wir wollen zunächst ein Angebot schaffen.“ „Arbeit und Bildung“ sei mit rund 2600 Unternehmen im Landkreis vernetzt, diesen wolle man nun zunächst die Möglichkeit geben, bis Ende des Jahres kostenlos Inserate zu schalten. „Später wird für Angebote eine Gebühr von 40 Euro fällig – das sollten Unternehmen leisten können“, sagt der Geschäftsführer.

Ziel: Lebensstandard 
der Rentner erhöhen

Doch nicht nur Firmen sollen ihre Jobs anbieten – auch Privatleute können dies tun. „Wer etwa auf Minijob-Basis eine Haushaltshilfe sucht, Hilfe bei der Gartenarbeit benötigt oder was auch immer – in der Börse kann er sein Angebot einstellen“, verdeutlicht Dolle. Auch für Privatleute sei das Inserieren bis Jahresende kostenlos, danach fallen 25 Euro je Inserat an.

Wichtig seien zwei Dinge: Der Minijobber werde als solcher bei der Minijob-Zentrale registriert und somit auch versichert. „Denn das Angebot soll nicht für Schwarzarbeit genutzt werden“, erläutert Dolle. Und: Es wird mindestens der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro gezahlt. Dolle verdeutlicht: „Wir brauchen keine Börse für Menschen, die 3000 Euro im Monat hinzuverdienen wollen, dafür ist ,Arbeit und Bildung‘ nicht da. Sondern wir brauchen etwas, um den Standard jeden Rentners anzuheben.“

Bevor der Verein die Minijob-Börse aus der Taufe gehoben hat, ging einiges an Recherche ins Land. Und auch mit den entsprechenden Stellen habe man gesprochen: „Sowohl die Arbeitsagentur als auch das Kreisjobcenter befürworten die Idee – und auch beim VdK, den Leitstellen für Altenhilfeplanung der Stadt und des Landkreises, der Deutschen Rentenversicherung und dem Seniorenbeirat sind wir auf offene Ohren gestoßen. Alle halten die Börse für eine gute Idee“, sagt Dolle. Eine Zusage zur Anschubfinanzierung gab es vonseiten der Stadt über 5000 Euro und von Spiel 77 mit 25.000 Euro. „Der Landkreis hat leider abgesagt“, so Dolle.

Persönliche Beratung flankiert das Angebot

Dass es mit dem reinen Online-Angebot jedoch nicht getan ist, weiß auch Dolle. „Wenn ich wirklich den armen Rentner im Auge habe, der dann auch noch vereinsamt ist und der Idee zugeführt werden muss, habe ich es mit Menschen zu tun, die gar nicht online-affin sind.“ Daher werde man das Angebot mit einer regelmäßigen Sprechstunde personalisieren.

Berater ist Charles Guillaume, der in der Biegenstraße 44 donnerstags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr in persönlichen Gesprächen rund um das Angebot informieren wird. Angedockt ist das Büro an den Integrationsfachdienst. „Es werden bestimmt auch Menschen zur Beratung kommen, die sich dort eine mehrstündige Beratung erhoffen – nicht, weil sie einen Minijob suchen, sondern weil sie vereinsamt sind“, erläutert Dolle. Daher werde man das Angebot ab etwa April um eine Sozialberatungsstelle erweitern.

„Sobald also Guillaume erkennt, dass es mit der Beratung rund um den Minijob nicht getan ist, kann er die Person direkt an die Sozialberatung verweisen“, sagt Rainer Dolle.

Vonseiten der potenziellen Arbeitgeber gebe es bereits die ersten Rückfragen. „Wir haben in einem ersten Schritt 800 Betriebe angeschrieben, nun kommen auch die ersten Rückmeldungen“, sagt Charles Guillaume. Ziel sei es, im Januar, wenn sich die Rentner registrieren können, einen großen Pool an Angeboten zu haben.

von Andreas Schmidt

 
 
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