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Mit dem Kolter geht‘s um den Titel

Christoph Seipp steht im Gründerpreis-Finale Mit dem Kolter geht‘s um den Titel

Es wäre die vorläufige Krönung einer Erfolgsgeschichte: 2013 gründete der Gießener Christoph Seipp die Firma „Kolter“, nun will er den Hessischen Gründerpreis gewinnen.

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Christoph Seipp mit seinem neuesten Werk: einem Kolter im Tatort-Design. Der Gießener steht im Finale des Hessischen Gründerpreises.

Quelle: Andreas Schmidt

Gießen. Den Gießener Christoph Seipp hat ein wenig der Ehrgeiz gepackt. Denn er hatte sich schon einmal um den Gründerpreis beworben. „Das war 2014, kurz nach der Firmengründung ein Jahr zuvor“, erinnert er sich.

„Damals bin ich im Halbfinale rausgeflogen – wahrscheinlich, weil ich noch nicht so viele Erfolgszahlen zeigen konnte“, sagt er. Die Idee sei schon damals bei der Jury gut angekommen, „aber es war noch zu wenig Fleisch am Knochen“.

Das hat sich längst geändert. So hat der Gießener mittlerweile mehr als 60 verschiedene „Städte-Kolter“ im Programm, zum Beispiel auch einen „Marburg-Kolter“ oder einen „Hinterland-Kolter“. Hinzu kommen weitere gut 40 Modelle sowie Kissen und Schals. Daher hat er sich in diesem Jahr erneut beworben und steht nun in der Kategorie „Mutige Gründung“ im Finale. „Und jetzt würde ich auch gerne gewinnen“, sagt der 31-Jährige.

Insgesamt sind neun Unternehmen nominiert ( die OP berichtete ), in seiner Kategorie hat es Seipp mit zwei Konkurrenten zu tun: Mit Eva Schönherr aus Fulda, die die Maßschneiderei „Der schöne Herr“ in Fulda gegründet hat, und mit dem Industriekletterer Andreas Uhlmann aus Schlüchtern, der das Unternehmen „High Solutions“ gründete. Ob es klappt, entscheidet sich am 10. November: Dann findet die Preisverleihung in Bad Homburg statt.

Kolter soll Erinnerungen 
am Leben halten

Kernstück des Geschäfts von Christoph Seipp sind individuell gestaltete Wolldecken – eben Kolter, wie sie im Hessischen Sprachgebrauch heißen. Und zwar der oder die Kolter – je nach Region. „Aber immer aus Wolle und komplett in Deutschland produziert“, sagt Seipp. Die verkauft er auf seiner Plattform mykolter.de .

Auf die Idee kam Seipp aus nostalgischen Gründen. „Schon meine Oma hat mich immer in einen Kolter gewickelt, mit Koltern haben wir als Kinder Höhlen über Stühlen gebaut oder im Garten gelegen. Mit die frühesten Erinnerungen hängen am Kolter.“ Und die will er retten.

Vor allem die Städte-Kolter kommen bei den Kunden bestens an, „und Marburg ist der Zweitbeste, es sind schon so um die 500 Stück verkauft“, sagt Seipp. Sie würden regelmäßig nachproduziert werden. Weiter vorne liegt lediglich Gießen mit etwa 800 Koltern. Doch wie entstehen die Stadt-Designs? „Indem wir in den Städten fragen, wofür sie stehen und uns dann ans Design machen.“ So zeigt der Marburg-Kolter Elisabethkirche, Alte Uni, Spiegelslustturm, Rathaus und Schloss, in Frankfurt fanden Römer, Alte Oper, Bembel, Geripptes und Goethe Einzug ins Design. Mehr Infos zur Marburg-Kolter erhalten Sie hier .

„Wenn die Elemente festgelegt sind, fertigt eine Künstlerin Zeichnungen an – bei Marburg war es Lea Weber aus Solms“, erklärt Seipp. Die Zeichnungen werden noch einmal durchgesprochen, dann gehen sie an die Weberei. „Dort entsteht eine Simulation am Computer und es folgt ein Webmuster. Erst, wenn das allen gefällt, gibt es eine Freigabe – und der Kolter geht in Produktion.“

Bei eigenen Designs lässt sich Seipp indes inspirieren – von Zeitschriften oder aus dem Internet. „Aber ich habe nur einen Kopf. Von daher wäre es schön, nächstes Jahr weitere Designer an Bord zu holen.“

Denn der Gießener weiß, dass er sich mit seinen Koltern in einem gesättigten Markt befindet, in dem auch viel Billigware verkauft wird. „Daher muss ich Nischen besetzen“, sagt er. So sei etwa eine Idee, Motive für das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig zu entwerfen, „das weltgrößte Festival dieser Art. Und auch Goths müssen kuscheln“, sagt er lachend.

Und auch auf Trends setzt Christoph Seipp ( Foto: Schmidt). So steht in drei Wochen der 1000. Tatort auf dem Sendeplan. „Krimi, Couch und eine Decke – das gehört einfach zusammen. Also habe ich seit kurzem einen Tatort-Kolter im Programm. Denn mehrere Millionen Menschen schauen sonntags Tatort – da macht der Kolter einfach Sinn.“ Der Weg zur Lizenzierung war jedoch nicht einfach, doch letztendlich hat Seipp es geschafft.

Das Geschäft läuft, „leben kann ich davon seit 2015, als wir gut 6000 Kolter verkauft haben“, sagt Seipp. Dennoch hält er an seinem Berater-Job, den er hat, noch fest. Dennoch stellt Seipp demnächst seinen ersten festen Mitarbeiter ein, denn: Auch dieses Jahr laufe sehr gut. „Natürlich weiß man das immer erst am Ende des Jahres. Dann wird sich zeigen, ob ich an Silvester mit Aldi-Sekt oder Champagner anstoße“, sagt er lachend. Und der Gründerpreis „wäre noch das Tüpfelchen auf dem i“.

von Andreas Schmidt

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