Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Mit Geheimfach zum Landessieg

Wettbewerb „Gute Form“ Mit Geheimfach zum Landessieg

Anfangs arbeitete Tischler Maurice Jannermann an einem Werkstück, „das eher einem Marterpfahl glich“, sagt sein Chef Fritz Wolf. Mit seinem Hochschrank wurde er dann Hessensieger des Wettbewerbs „Gute Form“.

Voriger Artikel
Abfindung statt Arbeitsvertrag
Nächster Artikel
Friseurmeisterin feiert Jubiläum

Maurice Jannermann arbeitet bei der Firma Rabe Innenausbau mit den unterschiedlichsten Materialien – neben Holz auch beispielsweise mit Filz oder mit Beleuchtungselementen.

Quelle: Andreas Schmidt

Münchhausen. „Dass sein Schrank gut ist, das wussten wir, denn Maurice wurde damit bereits Innungssieger“, sagt Fritz Wolf. Er und seine Frau Silke Rabe haben den Bottendorfer in ihrem Unternehmen Rabe Innenausbau ausgebildet. „Dass er aber gewinnt, das war schon toll“, sagt Wolf.

Natürlich gehöre neben der soliden, handwerklichen Arbeit „auch etwas Glück dazu. Denn es ist ja immer auch eine Frage des Geschmacks: Man weiß vorher nie, ob man den Zeitgeist trifft, der in der Jury vorherrscht“, konkretisiert Wolf.

Den Zeitgeist, den hat Maurice Jannermann offensichtlich getroffen, als er Mitte Oktober in Bad Wildungen zum Landesentscheid eintraf. Stunde um Stunde hatte er in der Firma an seinem Gesellenstück gearbeitet – einem Hochtisch aus Eiche-Altholz mit einer Ablageplatte aus Stein. Hinter der Front verbirgt sich eine Schublade. Wird die Steinplatte verschoben, kommt ein „Geheimfach“ zum Vorschein. Und im oberen Teil, der mit Filz ausgekleidet ist, verbirgt sich auch eine Auflademöglichkeit für Handy und Co.

„Mit dem Sieg habe 
ich nicht gerechnet“

Auf das Altholz sei er durch einen Kundenauftrag gekommen – „das Material fand ich spannend“, sagt der Gewinner. Die Steinplatte sollte den Alterungsprozess unterstreichen. „Und dann sollte es noch etwas Geheimnisvolles haben“, sagt Jannermann – so sei die Idee mit dem Geheimfach letztendlich entstanden.

Gegen 17 Mitbewerber hat sich der Bottendorfer letztlich durchgesetzt. Dass er gewinnt, damit hatte er nicht gerechnet. „Als nach und nach die Namen aufgerufen wurden, dachte ich, ich müsste so langsam dabei sein“, sagt er lachend. „Und als der zweite Platz verkündet wurde und ich es immer noch nicht war, fingen die Leute an, mir zu gratulieren. Aber das konnte ich erst mal gar nicht verarbeiten“, sagt der Gewinner.

Silke Rabe hat ebenfalls Jury-Erfahrung – sie war schon häufiger Jurorin beim Marburger Wettbewerb „Gute Form“. Aber helfen konnte sie ihrem Azubi nicht. „Natürlich hätte ich ihm die Richtung weisen können“, sagt sie. Doch das sei nicht entscheidend bei einem solchen Werkstück. Denn Rabe weiß: „Der Mensch, der dahintersteht, ist immer entscheidend. Er bringt seine Ideen und auch seine Persönlichkeit in das Möbelstück ein“, weiß sie.

Preisgeld in Höhe von 500 Euro

Das hielten die beiden auch bei der Ausbildung so: „Wir holen junge Menschen in unseren Betrieb, die am Ende in ihren beruflichen Qualifikationen auch ein eigenes Standing haben – die Rückgrat haben und sich selbst einbringen können.“ Die persönliche Entwicklung sei wichtig.

(c) privat

Die Jury begründete ihre Entscheidung für den Telefonschrank „Alt trifft Neu“ mit den Worten: „Die spannende Ausstrahlung des Stückes wird durch die rustikale Holzauswahl erreicht. Das Spiel mit den zwei Hauptfarben und der klar gegliederte Aufbau des Turms verbinden sich zu einem Möbel mit hoher Ästhetik. Überrascht wird der Nutzer durch eine verschiebbare Steinplatte, die linksseitig verschoben eine Mulde zur weiteren Nutzung preisgibt.“ Maurice Jannermann konnte sich auch über ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro freuen.

„Das ist doch in dem Geheimfach bestens aufgehoben“, scherzt Silke Rabe. Die freut sich darüber, dass der Ex-Azubi, der mittlerweile als Geselle im Unternehmen arbeitet, Anfang kommenden Jahres das Land Hessen beim Bundesentscheid in München vertreten wird. „Das sind ja dann nur noch 15 Konkurrenten – kein Problem“, scherzt sie.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr