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Mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg

OP-Ausbildungsserie Mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg

Medientechnologen der Druckverarbeitung treten in Aktion, sobald die Drucker die Farbe aufs Papier gebracht haben. Die Berufsfelder haben sich an die technologische Entwicklung angepasst.

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Auf der Falzmaschine werden die hauchdünnen Packungsbeilagen mit hoher Geschwindigkeit in Form gebracht. Die Auszubildenden Emin Dogu (links) und Steffen Kraft kontrollieren immer wieder die sensiblen Produktionsanlagen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. So, wie der Medientechnologe Druck aus dem ehemaligen Beruf des Druckers entstand, ging der Medientechnologe Druckverarbeitung aus dem Industrie-Buchbinder hervor. Trotz verstärktem Einsatz von Maschinen erfordert der Arbeitsbereich weiterhin starken manuellen Einsatz.

„Die Medientechnologen Druck bringen Farbe aufs Papier - alles, was danach passiert, übernehmen die Medientechnologen Druckverarbeitung“, fasst Lars Dresmann, Leiter Fertigung Werk I der Marburger Eukerdruck GmbH, zusammen. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Etiketten, Mini-Broschüren und Packungsbeilagen insbesondere für die Pharma-Industrie spezialisiert. In den beiden Marburger Werken arbeiten beide Berufsvertreter Halle an Halle.

Die Druckverarbeitung übernimmt alle Fertigungsschritte, „die aus Papier ein Produkt machen“. In mehreren Produktionsprozessen stellen die Fachkräfte Druckerzeugnisse fertig, sind für alle Arbeitsschritte zwischen Druckerei und Versand zuständig. Sie prüfen die Druckerzeugnisse, wählen geeignete Verarbeitungstechnologien aus und richten Anlagen und Systeme ein. Stetige Kontrollen, Auffüllen von Papier, Warten der Maschinen und schlussendlich das Verpacken der fertigen Gebrauchsanweisungen gehören zum Arbeitsalltag der Auszubildenden Steffen Kraft und Emin Dogu. Die Berufsschüler befinden sich im zweiten Ausbildungsjahr zum Medientechnologen Druckverarbeitung. Einsatzgebiete in diesem Beruf finden sich unter anderem in industriellen Betrieben der Zeitungs-, Akzidenz- und Buchproduktion oder in Verlagen.

Die Anpassung des Berufsbilds an die moderne Technologie brachte auch eine Reform der Ausbildung mit sich. „Die Inhalte sind an den modernen Maschinenstand angepasst worden, die Prüfungen deutlich anspruchsvoller“, lobt Dresmann.

Medientechnologen bringen das Papier in Form

Am Anfang der dreijährigen Ausbildung büffeln die Lehrlinge, woraus Papier grundsätzlich besteht und worauf im Umgang mit dem anfälligen Werkstoff zu achten ist. Während ihrer Lehrzeit durchlaufen sie jede einzelne Produktionsstation. „Man lernt Schritt für Schritt, die Arbeit beginnt beim Schneiden und endet beim Verpacken“, erklärt Azubi Emin, der seinen Wunschberuf spontan auf einer Ausbildungsmesse fand.

An den verschiedenen Anlagen schneiden, falzen oder stanzen die beiden die bedruckten Papierbögen und bringen sie in Form. Während der Verarbeitung prüfen sie etwa Einsteck-, Verteil- oder Abtransportsysteme und kontrollieren spezielle Verschlussmethoden, wie winzige Klebepunkte auf dem Papier. Vor allem sorgen sie für einen reibungslosen Produktionsablauf, sind für Wartung und Instandhaltung der Maschinen zuständig und greifen bei Störungen ein.

Technisches Verständnis ist eine Voraussetzung für den Beruf. Doch auch wenn Computer einen Teil der maschinellen Verarbeitung steuern - der Großteil der Arbeitsschritte, „etwa 80 Prozent“, erfolgt nach wie vor von Hand. „In diesem Beruf braucht man Fingerspitzengefühl, das meiste wird noch manuell eingestellt, nicht elektronisch“, sagt Steffen, drückt diverse Schalter an den zahl­reichen Falztaschen, checkt kurz den Monitor und legt eine neue Papierbahn auf.

Eine geschickte Hand ist besonders im Umgang mit den nur 35 bis 60 Gramm pro Quadratmeter dünnen Papierschichten notwendig. Diese müssen bis zu 15 mal gefalzt werden. Vorsichtiges Arbeiten mit dem empfindlichen Werkstoff und eine stete Überwachung der sensiblen Maschinen sind daher besonders wichtig - Druckfehler, falsche Knicke oder Risse in den Packungsbeilagen sind ein „no go“ für die Kunden. „Es ist ein lebendiger Werkstoff. Das dünne Papier faltenfrei durch die Maschinen zu bekommen, ist die Herausforderung in beiden Berufen“, weiß der Werksleiter.

Vielfalt an Formaten ist stetige Herausforderung

Weiteres Problem: In der Pharmaindustrie gibt es keine standardisierten Verpackungsgrößen und damit keine Normen der Beipackzettel. Darauf müssen sich Druck und Verarbeitung stets aufs Neue einstellen. „Wir produzieren hunderte verschiedene Formate“, erklärt Steffen. Neben einer gewissen Lärmresistenz sind vor allem „Freude an Technik und daran, eigenhändig auch mal anzupacken“ bestens für diesen Beruf geeignet.

Interessenten, die generell noch Bewerber oder einen Ausbildungsplatz für dieses Jahr suchen, können beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur nachfragen. Kontakt unter Telefon 06421/605212 oder per E-Mail an marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

von Ina Tannert

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