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Minute für Minute: 12000 Scheiben Wurst

Weber Maschinenbau Minute für Minute: 12000 Scheiben Wurst

Die Unternehmensgruppe Weber mit Hauptsitz in Breidenbach ist Weltmarktführer bei der Produktion von Maschinen für das Schneiden und die Portionierung von Lebensmitteln.

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Einheitlich geschnitten, angerichtet und sauber verpackt: Alles eine Frage der Technik.

Quelle: Thorsten Richter

Breidenbach. Die gigantische Maschine ist so groß wie ein Lkw, wird von Plexiglasscheiben abgedeckt und glänzt innen vor lauter Edelstahl: Der „Slicer“ ist eine Höchstleistung-Schneidemaschine. Sein von Weber selbst entwickeltes und -produziertes „Durablade“-Edelstahlmesser rotiert bis zu 2 000-mal pro Minute - bei sechs Produkten im Schneidschacht, die gleichzeitig geschnitten werden, macht das 12 000 Scheiben Wurst oder Käse, die die Anlage Minute für Minute herstellen kann.

Weber Breidenbach - Christian Baumeister legt eine Wurst in die Schneidemaschine. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Mengen, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegen. Und um auf die Leistung zu sprechen zu kommen: Eine Düsenturbine dreht sich zwar schneller als das Durablade-Messer von Weber - „aber die muss sich auch nur drehen; unsere Anlagen schneiden und portionieren dabei noch“, sagt Geschäftsführer Mathias Dülfer. Von Breidenbach aus vertreibt Weber Maschinenbau solcherlei Maschinen in der ganzen Welt: Die günstigsten sind schon zu einem Stückpreis von 50 000 Euro zu haben, die teuersten Anlagen können mehrere Millionen Euro kosten. Qualität ist ihren Preis wert - und dass das Unternehmen Qualität liefert, davon ist Geschäftsführer Dülfer überzeugt: „Wir liefern höchsten Standard - was Präzision, Dynamik, Hygiene, aber auch Beratung und Service angeht.“

Weltweit 900 Mitarbeiter hat der Maschinenbauer, 450 davon arbeiten allein am Standort Breidenbach. „Wir produzieren ausschließlich in Deutschland“, sagt Dülfer. Daneben hat das Unternehmen Vertriebs- und Servicegesellschaften in den USA, in Frankreich, Benelux, Polen, Tschechien, Rumänien und Russland gegründet.

Maschinen zu bauen, die Wurst und Käse schneiden: das hört sich zunächst banal an, aber es ist alles andere als das. Die Herausforderung beginnt für den fleischverarbeitenden Betrieb zum Beispiel damit, dass er gerne Schinken in Portionen zu jeweils 100 Gramm schneiden und verpacken möchte. Genau 100 Gramm, keine 98 Gramm und auch keine 102 Gramm. Ist die Portion zu groß, geht das auf Kosten der Rentabilität - ist sie zu klein, geht sie zulasten des Endverbrauchers.

Dem „Slicer“ vorgeschaltete Scanner von Weber tasten den rohen Schinken - unregelmäßig geformt, wie er ist - vor dem Schneiden per Laser ab und berechnen, wie er geschnitten werden muss, damit genau 100 Gramm auf dem Portionstellerchen liegen. Präzision wird dabei großgeschrieben, die Messer können Scheiben bis auf den Bruchteil von Millimetern genau abschneiden.

Beim Schneiden geht es um die Wurst

Was Otto Normalverbraucher so gar nicht klar ist: Das Portionieren und Verpacken ist ein für das Lebensmittel sensibler Vorgang: Zwischen dem Zeitpunkt, da Wurst aus der Pelle in die Maschine kommt, bis zum Abschluss der luftdichten Verpackung ist es potenziell Mikroorganismen oder anderen Krankheitserregern ausgesetzt - deswegen legt Weber besonderen Wert auf hygienische Gestaltung und optimale Reinigbarkeit. „Weltweit führend“ sei man auch in diesem Aspekt, betont Dülfer, der sich besonders darüber freut, dass nicht nur große Industriebetriebe, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen zu seinen Kunden zählen.

Und Weber wächst immer weiter. Auf der IFFA, der wichtigsten Messe der fleischverarbeitenden Branche in Deutschland, konnten die Hinterländer ihre Kundenkontakte im Frühjahr verdoppeln, berichtet Dülfer zufrieden.

Ein bis zwei Maschinen stellt Weber jeden Tag fertig - „aber der Einsatz innovativer Maschinen bringt noch keine wirtschaftliche Produktion“. So Dülfer. Je besser das gesamte System von der Anwendungstechnik über den Service bis hin zur Schulung der Kunden ineinander greift, desto effizienter und sicherer sei die Produktion.

11 Azubis und und vier dual studierende kommen im Sommer

Weber bildet deswegen nicht nur Elektroniker und Maschinenbauer aus, sondern auch Industriemechaniker, technische Zeichner und Zerspanungsmechaniker, um nur einige Berufe zu nennen. Im Sommer werden elf Auszubildende und vier duale Studenten am Standort Breidenbach beginnen.

Zurück zur Maschine, die inzwischen die Cervelatwurst ringförmig angeordnet verpackt hat (auch das eine Funktion, die der Kunde sich wünschen darf): In einer schicken Präsentationshalle stehend, ist sie einer der „Stars“ im Breidenbacher Werk. Dahinter stehen, funktionell die Produktionshallen, in der die einzelnen Fertigungsteile hergestellt werden: Da wird zerspant und gedreht, gefräst, gelasert und geschweißt - insgesamt, so berichtet Dülfer, verarbeitet Weber 1200 Tonnen Edelstahl jedes Jahr.

Und jedes einzelne Fertigungsteil kann individuell angepasst hergestellt werden. Der Edelstahlgigant hat seine Arbeit inzwischen getan und ruht wieder an seinem Platz - es wirkt ein wenig einsam: Seine Artgenossen befinden sich zur gleichen Zeit in der Montagehalle im Aufbau, denn Weber produziert ausschließlich auf Bestellung, Lagerkosten für die fertigen Maschinen entstehen so nicht. Wohl aber für die einzelnen Fertigungsteile und für die Rohprodukte; die Pläne für eine neue Produktionshalle liegen schon in der Schublade, dabei sollen auch die Wege zwischen Lager und Produktion kürzer werden.

von Till Conrad

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