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Minijobs: DGB fordert Neuregelung

Gewerkschaft wendet sich gegen „Dequalifizierung“ Minijobs: DGB fordert Neuregelung

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) sind Minijobs eine Sackgasse für qualifizierte Arbeitskräfte. Daher fordert er, die Arbeitsplätze in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umzuwandeln.

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Eine Frau putzt ein Fenster: Vier von fünf Minijobbern sind in Deutschland Frauen – ihnen droht, wie vielen geringfügig Beschäftigten, die Altersarmut.

Quelle: Franziska Kraufmann

Marburg. Laut Pit Metz (Linke), dem Kreisvorsitzenden des DGB Mittelhessen, offenbare sich durch die Minijobs „das ganze Elend der Hartz-Reformen, das zu einer Erosion des Arbeitsmarkts beiträgt“.

Im gleichen Atemzug erteilte Metz Forderungen aus der Wirtschaft, für die Beschäftigung von Flüchtlingen den Mindestlohn auszusetzen, eine scharfe Absage: „Das ist ein Missbrauch der Flüchtlingssituation und ökonomisch absoluter Unsinn: Warum sollte ein Flüchtling weniger verdienen als ein anderer Mensch?“, fragt er. „Arbeit soll ordentlich bezahlt werden – das ist DGB-Grundsatzposition“, verdeutlicht Metz.

Sollte sich die Position der Wirtschaft in diesem Fall durchsetzen, so käme es zu einem großen Maß an Sozialneid. „Diesen Missbrauch gilt es, im Keim zu ersticken“, sagt Metz.

Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt sagte zum Thema Minijobs, dass diese „die Niedriglohnfalle Nummer eins“ seien. „80 Prozent derjenigen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, sind Minijobber“, konkretisiert er an Zahlen des DGB.

Gerade bei den geringfügig Beschäftigten gebe es eine „massive Unterlaufung von tariflichen und arbeitsrechtlichen Standards“, wie eine Studie der Arbeitsagentur verdeutliche. Das Ergebnis: „Einem Drittel aller Minijobber wird das Urlaubsgeld vorenthalten, obwohl es ihnen rechtlich zusteht. Und 46 Prozent bekommen kein Entgelt im Krankheitsfall“, stellt Immelt dar.

„Niedriglöhner“ sind 
häufig qualifizierte Kräfte

Deutschlandweit gebe es rund 7,4 Millionen Minijobber – davon hätten 5 Millionen den Minijob als einzige Einnahmequelle. In der Gruppe der Arbeitnehmer von 25 bis 65 Jahren seien 3,1 Millionen Menschen geringfügig beschäftigt.

„Und von denen wissen wir, dass 51 Prozent zumindest einen Berufs- oder sogar einen akademischen Abschluss haben – nur 13 Prozent haben keinen Abschluss“, verdeutlicht Immelt. Von den qualifizierten Minijobbern hätten bundesweit rund 850.000 Menschen lediglich eine Helfertätigkeit.

Im Landkreis gebe es 23.800 geringfügig Beschäftigte, davon hätten 16.700 lediglich einen Minijob. „Wenn man die bundesweiten Zahlen zugrunde legt, haben davon rund 7000 Menschen einen akademischen Abschluss oder eine Berufsausbildung – das ist ein gewaltiges Potenzial für den heimischen Arbeitsmarkt – und das in Zeiten des Fachkräftebedarfs“, sagt Immelt.

Doch die Minijobs hätten – neben der schlechten Bezahlung – auch weitere negative Folgen: So würde eine „Dequalifizierung“ stattfinden, weil die Arbeiter ihre gelernten Tätigkeiten nicht mehr ausführen würden. Dadurch gingen diese zwangsweise auf Sicht verloren.

Minijobs verschärfen das Problem der Altersarmut

„Es muss eine Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geben“, fordert Immelt. Der Bedarf sei vonseiten der Wirtschaft ja offensichtlich da. Zudem müssten die Minijobber ohne Ausbildung fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden – „es muss eine Qualifizierungsoffensive her“, sagt Immelt. Zwar gebe es bereits Programme für Langzeitarbeitslose, die in der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit liegen. „Aber es muss solche Programme auch für Menschen im SGB-II-Bezug geben.“

Die zentrale Forderung des DGB sei aber eine Neuregelung bei den Minijobs. „Eigentlich gehören sie weg“, sagt Immelt. „Aber wir brauchen zumindest einen Sozialversicherungsschutz ab dem ersten Euro.“
Pit Metz zeigt zwei weitere Aspekte auf: „Drei von vier Minijobbern sind Frauen. Sie gehen aus verschiedensten Gründen in die Minijobs“, sagt er. „Und damit einher geht auch das Problem der Altersarmut.

Auch diese ist vornehmend weiblich – und Minijobs verschärfen das Problem“, sagt er. Würden die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in „reguläre Beschäftigung umgewandelt, dann könnten auch diese Folgen stark abgemildert werden“, so Metz.

von Andreas Schmidt

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