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„Mindestlohn ist nur der erste Schritt“

Deutscher Gewerkschaftsbund „Mindestlohn ist nur der erste Schritt“

Unter dem Motto „Für gute Arbeit und ein gutes Leben“ wirbt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelhessen bei seiner Sommertour für gerechte Lohn- und Beschäftigungsverhältnisse.

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Anna Leona Gerhardt mit einem Block zur Arbeitszeiterfassung.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Am Donnerstag machten die Gewerkschafter zunächst in Gladenbach Station, danach diskutierten sie in Marburg neben dem Cineplex mit Passanten. Auffälligster Blickfang: Ein großes Transparent auf dem Boden, auf dem 15 Schilder, neben denen Fußabdrücke aufgemalt sind, die Schritte hin zur guten Arbeit und dem guten Leben führen.

Jedes Schild steht demnach für Forderungen der Gewerkschaft, denn, wie DGB-Organisationssekretär Dr. Ulf Immelt betont: „Der Mindestlohn war bereits ein Schritt in die richtige Richtung – aber eben nur ein erster Schritt auf einem langen Weg.“

Ziel der Kampagne sei es, darauf hinzuweisen, dass es noch vieler weiterer Schritte bedürfe, bis die in den vergangenen 20 Jahren vernachlässigten gerechten Arbeitsbedingungen hergestellt seien.

So fordert der DGB beispielsweise, dass die Ausnahmeregelungen beim Mindestlohn entfallen. Betroffen davon seien vor allem Jugendliche unter 18 Jahren, sagt DGB-Jugendbildungsreferentin Anna Leona Gerhardt. „Es kann nicht sein, dass eine Altersgruppe kategorisch vom Mindestlohn ausgeschlossen wird – das sehen wir als Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“, sagt sie.

Es gebe Arbeitgeber, die argumentierten, dass Jugendliche sich nicht mehr ausbilden ließen, wenn man ihnen mehr bezahle, „aber das ist natürlich quatsch. Denn die Jugendlichen wollen eine Ausbildung machen, weil sie genau wissen, dass sie sich so beruflich etablieren können und sich eine Zukunft aufbauen“, sagt die Referentin.

DGB fordert: Leiharbeit eindämmen

Ebenso wichtig wie ein gerechter Lohn für junge Arbeitnehmer seien aber auch unbefristete Arbeitsverträge für diese. Erst die Aussicht, nach der Ausbildung im Betrieb übernommen zu werden, schaffe Sicherheit und Zukunftsperspektiven, erklärte Gerhardt. Gleichzeitig fordere man eine Ausbildungsplatzgarantie ebenso, wie eine Übernahme nach der Ausbildung.

Auch die Leiharbeit müsse weiter eingedämmt werden, fordert der DGB. „Sie muss durch normale Arbeitsverhältnisse ersetzt werden und darf nur für Auftragsspitzen eingesetzt werden – so, wie es schon mal war“, fordert Ulf Immelt. „Die Liberalisierung muss zurückgenommen werden – denn es muss gelten: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, so Immelt. „Gleichzeitig werden neue Tricks angewendet – mit Werksverträgen als riesige Outsourcing-Strategie“, verdeutlicht er.

Auch die Tarifbindung müsse wieder erhöht werden, fordert Immelt und verdeutlicht dies mit einem Beispiel: „Ein Formbauunternehmen ist vor fünf Jahren aus der Tarifbindung ausgetreten, ein anderer Betrieb ist noch drin – mit dem Ergebnis, dass ein Auszubildender im dritten Lehrjahr im nicht mehr tarifgebundenen Betrieb gut 400 Euro weniger verdient.“ Und auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebe es deutlichen Nachbesserungsbedarf – ebenso, wie bei flexiblen Ausstiegszeiten aus dem Beruf.

Anna Leona Gerhardt zeigte noch einen Block – „Das ist ein Bürokratiemonster“, sagte sie. Die Zettel im Format DIN-A-5 dienen der Erfassung von Arbeitszeit und seien ein deutlicher Beweis, dass die von Arbeitgebern heftig gescholtene Bürokratie der Arbeitszeiterfassung in Betrieben kein Argument gegen den Mindestlohn sein könne. „Das kann jeder ganz leicht schaffen“, ist sich Gerhardt sicher.

von Andreas Schmidt

Die Gewerkschafter mit dem Transparent, das die nötigen Schritte für gute Arbeit und ein gutes Leben demonstrieren. Foto: Andreas Schmidt
 
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