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Milder Winter lässt Gewinne schmelzen

Wetter Milder Winter lässt Gewinne schmelzen

Der warme Winter freut die Verbraucher, denn sie können kräftig sparen. Doch den Hausmeisterdiensten macht der Ausfall teilweise zu schaffen.

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Im vergangenen Jahr kam der Winter zwar spät, blieb aber lange: Dadurch hatte der Winterdienst zahlreiche Einsätze. Doch in diesem Jahr ist der Winter weitestgehend ausgefallen – das spüren auch die Hausmeisterdienste.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es sowohl im Dezember als auch im Januar um rund 2,8 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Vieles spreche dafür, dass dieser Winter der mildeste seit 2006/2007 werde. Und dies sei der wärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 gewesen.

Das sind gute Vorzeichen für die Verbraucher. „Somit muss weniger geheizt werden, als sonst zu dieser Jahreszeit“, resümiert Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen.

„Auch wenn aufgrund der unsicheren Wettervorhersagen über die tatsächliche Höhe der Einsparungen nur spekuliert werden kann, so sind geringere Heizkosten doch sehr wahrscheinlich“, so Pause.

Verbraucher sparen bei den Heizkosten

Für die erste Hälfte des Winters dürften viele Verbraucher bereits Heizkosten eingespart haben.

Bei diesen milden Temperaturen benötigen die Verbraucher dreieinhalb Mal weniger Heizenergie, um beispielsweise eine Raumtemperatur von 20 Grad Celsius zu erreichen. Pro Grad niedrigerer Außentemperatur müssen rund sieben Prozent mehr Energie aufgewendet werden, um die gleiche Raumtemperatur zu erreichen. Bei 3,5 Grad wären das rund 25 Prozent. Also würde man bei 3,5 Grad höheren Außentemperaturen die dafür notwendige Heizenergie in Höhe von rund 25 Prozent einsparen.

Was für die Verbraucher äußerst positiv zu bewerten ist, schlägt einigen Dienstleistern jedoch auf den Magen: Zahlreiche Hausmeister- und Objektdienste in und um Marburg bieten beispielsweise einen Winterdienst an. Und der ist in diesem Winter weitestgehend ausgefallen.

Rainer Kurz von der Objektbetreuung Kurz aus Cölbe kann dem milden Winter nur wenig abgewinnen, denn er sagt: „Der Winterdienst ist unser Hauptgeschäft.“

Vor allem auf das Räumen von Großflächen ist das Cölber Unternehmen spezialisiert, beispielsweise von Supermarkt-Parkplätzen. „Und die werden nach Einsatz bezahlt“, erläutert Kurz. Zwar habe es einige Einsätze gegeben, denn nicht nur das Räumen, sondern auch das Streuen sei gefordert. „Aber das hielt sich dieses Jahr in Grenzen.“

Die endgültigen Auswirkungen des ausgebliebenen Winters kann Kurz noch nicht einschätzen. „Es kann noch bis Mitte des Jahres passieren, dass auch noch Kunden mit Pauschalverträgen kündigen werden. Ein milder Winter zieht meist noch was nach“, weiß er aus Erfahrung. Er schätzt, dass etwa 10 Prozent des Gewinns dieses Jahr ausbleiben werden.

Kompensieren können habe seine Firma dies zum Teil mit dem Innenausbau von Objekten, „und auch Überstunden haben wir abgebummelt“, sagt Kurz.

Benjamin Noll vom Noll Hausmeisterservice aus Wehrda sieht den ausgebliebenen Schnee „gar nicht so kritisch“. Große finanzielle Einbußen habe das Unternehmen nicht. Noll erklärt: „Bei den meisten unserer Kunden ist der Winterdienst ein Bestandteil der Objektbetreuungs-Verträge.“ Somit sei die Dienstleistung bereits abgegolten, „ob wir ausrücken oder nicht“.

Kunden wählen meist Pauschalverträge

Das sei für die Kunden in diesem Jahr zwar äußerst ärgerlich, gibt Noll zu, schränkt aber ein: „Vergangenes Jahr waren wir dafür mehr als drei Monate lang im Dauereinsatz.“ Da sich der Winter nicht planen lasse, würden die meisten Kunden die Pauschalverträge abschließen. „Es gibt auch einige Kunden, die pro Einsatz zahlen, die haben dieses Jahr Glück gehabt.“ Doch seien diese Verträge eher die Ausnahme.

Ähnlich sieht dies Holger Gärtner von „Holger‘s Objektservice“ aus Caldern. „Für uns ist der warme Winter eigentlich ganz gut“, sagt er, „wir trauern dem Winter nicht nach“. Der Grund: Im vergangenen Herbst sei einige Arbeit liegengeblieben, „die können wir jetzt sehr gut nachholen“. Dadurch habe man den Ausfall des Winterdiensts gut kompensieren können. Zudem nähmen auch bei ihm viele Kunden die branchenübliche Pauschalregelung in Anspruch.

von Andreas Schmidt

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