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Milder Winter begünstigt Arbeitsmarkt

Arbeitsagentur und Kreisjobcenter ziehen Bilanz Milder Winter begünstigt Arbeitsmarkt

Auch zum Jahresende bleibt der Arbeitsmarkt in der Region stabil: 4 582 Menschen waren im Dezember arbeitslos – 336 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,5 Prozent.

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Die Zahl der Arbeitslosen ist auf einen Dezember-Tiefstand gefallen – dank guter Konjunktur und des milden Winters.

Quelle: Ole Spata

Marburg. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen leicht um 126 angestiegen, doch ist der sonst übliche hohe Anstieg aufgrund des bisher sehr milden Winters ausgeblieben. Die Branchen, die vom Wetter abhängig sind – etwa das Baugewerbe oder der Garten- und Landschaftsbau – mussten bisher kein oder nur sehr wenig Personal entlassen.

„4582 Arbeitslose sind zwar immer noch 4582 zu viel“, resümiert denn auch Agenturleiter Volker Breustedt. „Aber es sind trotzdem 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Und im Jahresdurchschnitt haben wir in 2015 im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 5,9 Prozent – das ist top“, so der Agenturchef zufrieden.

„Die Entwicklung der Zahlen stimmt uns positiv und ist das Ergebnis einer guten konjunkturellen Entwicklung und der nachhaltigen Arbeit der Mitarbeiter des Kreisjobcenters und der Agentur für Arbeit“, stellte auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) fest.

Zahl der gemeldeten Stellen ist weiter gestiegen

Im Landkreis ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 87 588 Beschäftigte angewachsen, das sind 1011 oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. „Unsere Region bietet Perspektiven und wird den aktuellen Herausforderungen gewachsen sein“, sagt Breustedt, auch mit Fokus auf die Zuwanderung. „Wir werden auch zukünftig auf die frühzeitige Vermittlung und Lernbereitschaft arbeitssuchender Menschen setzen, und zwar in jedem Alter. Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit gelingen auf beiden Marktseiten durch qualifizierte Ausbildung, Weiterbildung und Offenheit für Neues – all das wollen wir offensiv fördern.“

Neu arbeitslos meldeten sich 1236 Personen, das waren 151 oder rund 11 Prozent weniger als im Vorjahr, gegenüber November 2015 waren es 62 Personen oder 5,3 Prozent mehr. Vorher erwerbstätig waren 587 Personen gewesen, 95 oder rund 14 Prozent weniger als im Dezember zuvor.

Parallel dazu meldeten sich 1111 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, 109 oder rund 9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gegenüber November waren es 167 oder 13,1 Prozent weniger. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. So wurden im Dezember 694 neue Stellen von Arbeitgebern gemeldet, fast 300 oder 75,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber November waren es 19 Stellen oder 2,8 Prozent mehr.

Weniger Langzeitarbeitslose im Jahresverlauf

Dabei verdeutlichte Volker Breustedt, dass auch durch die Zuwanderung der Flüchtlinge zahlreiche neue Stellen geschaffen worden seien: Ob Sprachlehrer oder Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten, medizinisches Personal oder Sozialdienste: „Die neuen Stellen ziehen sich durch zahlreiche Bereiche“, sagt Breustedt.

Das Kreisjobcenter weist für Dezember 2832 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat November ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 16 Personen oder 0,6 Prozent angestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 83 Personen oder 2,8 Prozent gesunken. „Die erfreuliche Situation ist der guten Konjunktur und dem bisher milden Winterwetter zuzurechnen“, kommentiert Zachow die Zahlen.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 17 (– 0,3 Prozent) auf insgesamt 6105. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies ebenfalls einen leichten Rückgang um 28 oder 0,5 Prozent.

Vermittlung braucht 
„einen langen Atem“

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat leicht um 13 oder 0,2 Prozent auf 7 949 Personen angestiegen. Im langfristigen Vergleich ist die Zahl nahezu unverändert und liegt drei Personen unter dem Wert des Vorjahres.

Im Jahresverlauf 2015 habe man 2,9 Prozent weniger Langzeitarbeitslose. „Das hört sich sehr wenig an – aber wir sind damit sehr zufrieden“, sagt Joachim Hikade, stellvertretender Leiter des KJC. Denn er weiß: „Im SGB-II-Bereich braucht es einen langen Atem, es kommen sehr viele problembeladene Leute zu uns“, so Hikade.

Für Zachow ist klar: „Die entscheidende Herausforderung von morgen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird das Thema Bildung sein.“ Das KJC habe es zunehmend mit Menschen zu tun, die verschiedene Vermittlungshemmnisse hätten – „sie haben zum Teil mit Erkrankungen oder Bildungsbrüchen zu tun“, sagt er. „Und der zweite Punkt, warum Bildung immer wichtiger wird, ist, dass wir einen erheblichen Zuwachs aus dem Ausland haben – diese Menschen zu integrieren ist eine große Chance für unsere Region. Aber auch da ist Bildung ein entscheidender Schlüssel.“

Der Spracherwerb stehe an erster Stelle. „Aber es geht um mehr: Wie funktioniert dieses Land, wie funktioniert die Gesellschaft und wie funktioniert der Arbeitsmarkt – das sind wichtige Punkte für die Menschen, die zu uns kommen“, so der Kreisbeigeordnete.

Ziel ist, alle Menschen 
in Arbeit zu vermitteln

Breustedt und Zachow betonten unisono, dass es eine gute Entscheidung gewesen sei, bei der Integration von Flüchtlingen so eng verzahnt zusammenzuarbeiten. Das Projekt „Voice“ sei erfolgreich und werde um weitere Facetten bereichert – zuletzt beispielsweise durch das Modul „Voice Competence“, bei dem Eignung und Kompetenzen von Asylbewerbern systematischer analysiert werden sollen. Laut Zachow befänden sich derzeit beispielsweise rund 700 Flüchtlinge in Sprachkursen. Wichtig sei dabei, dass jeder Flüchtling einen begonnenen Kurs auch bei einem Zuständigkeitswechsel von der Agentur für Arbeit zum KJC zu Ende bringen könne.

„Es darf keinen Unterschied machen, ob der Mensch in SGB II oder SGB III ist – sie sollen einfach nur erfahren, es wird ihnen geholfen“, konkretisiert der Kreisbeigeordnete. So könne es passieren, dass ein Flüchtling den Sprachkurs absolviere, im Anschluss die Kompetenz-Feststellung stattfände und dann eventuell eine Einstiegsqualifizierung erfolge – „in diesem Zeitraum wird irgendwann ein Rechtskreiswechsel passieren. Dann können wir dem Menschen nicht sagen, dass es jetzt für ihn vorbei ist, weil die Zuständigkeit gewechselt hat“, erläutert Zachow.

Auch wenn sich viel um das Thema Flüchtlinge drehen werde, stellten Zachow und Breustedt klar, dass sich an den bestehenden Angeboten für Arbeitslose nichts ändern werde – „wir wollen alle Menschen in Arbeit bringen“, so Breustedt.

Bundesweit niedrigster Stand seit 24 Jahren

Die gute Konjunktur und das milde Dezember-Wetter haben zum Jahresende 2015 den jahreszeitlich üblichen Anstieg der Arbeitslosenzahl spürbar gebremst. Mit 2,681 Millionen lag die Zahl der Erwerbslosen im Dezember nur um 48.000 über dem November-Niveau, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag berichtete. Der jahreszeitlich bedingte Anstieg fiel damit deutlich geringer aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Die Quote stieg um 0,1 Punkt auf 6,1 Prozent.

Zugleich verzeichneten die deutschen Arbeitsagenturen damit die niedrigste Dezember-Arbeitslosigkeit seit 24 Jahren. Lediglich im Dezember 1991 sei die Zahl der Erwerbslosen noch niedriger gewesen. „Die günstige Entwicklung hält auch zum Jahresende an“, kommentierte 
BA-Vorstandschef Frank-Jürgen 
Weise die Zahlen. Der Anstieg habe allein jahreszeitliche Gründe.

In Hessen waren im Dezember 168.165 Frauen und Männer ohne Job, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag. Zum Jahresende stieg die Zahl der Erwerbslosen entgegen des sonst üblichen Trends nur leicht an. Im Dezember gab es in Hessen 956 Arbeitslose mehr (plus 0,6 Prozent) als im November und 6020 (minus 3,5 Prozent) weniger als im Vorjahres-Dezember. Die Arbeitslosenquote blieb bei 5,1 Prozent.

von Andreas Schmidt

 
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