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Metaller demonstrieren Entschlossenheit

Tarifkonflikt Metaller demonstrieren Entschlossenheit

Unmittelbar vor der vierten Verhandlungsrunde in der Metallindustrie war die Stimmung gestern beim Warnstreik in Stadtallendorf entschlossen.

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Beschäftigte Eisengießerei Winter und der Firma Federal-Mogul Deva marschierten gestern durch Stadtallendorf. Sie demonstrieren für 5,5 Prozent mehr Lohn.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es regnete in Strömen an diesem Dienstagvormittag, als sich eine Gruppe von in rote Jacken gekleidete Menschen auf den Weg durch die Innenstadt machte. Es handelte sich um Beschäftigte der Formen Federal Mogul (Deva) und Fritz Winter, die während der Frühschicht die Arbeit niedergelegt hatten und durch Stadtallendorf marschierten. Ein übles Vorzeichen für das Anliegen der Warnstreikenden wollte Uwe Walbrecher von der IG Metall Mittelhessen darin aber nicht sehen. Kein Wunder, denn die Beteiligung am Warnstreik einen Tag nach der Unterbrechung der Tarifverhandlungen für den Bezirk Mitte war, so Wallbrecher, „noch etwas besser als beim ersten Mal“ Anfang Mai.

5,5 Prozent mehr Lohn gefordert

Neben Wallbrecher selbst ergriffen Dr. Ulf Immelt vom DGB Marburg-Biedenkopf, Winfried Görge vom Betriebsrat der Federal Mogul (Deva) sowie Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung beider Betriebe das Wort auf der Kundgebung am Marktplatz. Sie machten deutlich, was die von der IG Metall geforderte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent für sie bedeuten würde: Die jungen Leute kämen oft von weiter weg, aus Familien, die mit jedem Euro rechnen müssen, und bräuchten die angepeilte Lohnerhöhung, um über die Runden zu kommen.

„Hoffen wir, dass die Geschäftsleitung von Winter zugehört hat und entsprechende Signale noch einmal an Gesamtmetall schickt“, sagte Wallbrecher der OP. Bundesweit fast 130000 Beschäftigte aus rund 600 Betrieben hatten sich nach IG Metall-Angaben gestern bis zum Nachmittag bundesweit an Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen beteiligt.

Entscheidung fällt im Süden

Nachdem die vierte Verhandlungsrunde im Südwesten am Montagabend ohne Ergebnis zu Ende gegangen war, konzentrieren sich die Hoffnungen auf die Tarifparteien, die am Abend in München zusammentreten. „Heute Nacht könnte es sich entscheiden“, sagt auch Wallbrecher.

Die Grundlagen für die Gespräche hatten zuvor Südwestmetall und IG Metall in Böblingen bei Stuttgart gelegt. „Wir sind bereit, auf die Zielgerade einzubiegen und gemeinsam mit der IG Metall Bayern eine Einigung zu erreichen“, erklärte die Verhandlungsführerin der bayerischen Arbeitgeberseite, Angelique Renkhoff-Mücke. Die IG Metall müsse sich aber noch ein gutes Stück auf die Arbeitgeber zubewegen.

Weitere Streiks sind möglich

Ein Knackpunkt ist der Wunsch der Arbeitgeber, Abweichmöglichkeiten vom Tarifvertrag durchzusetzen. Nach den Worten von Südwestmetall-Chef Stefan Wolf soll angesichts der sehr unterschiedlichen Lage der Unternehmen im Notfall die Kostenbelastung gesenkt werden können. Das wiederum spricht dafür, dass derzeit weit längere Laufzeiten als im bisherigen Arbeitgeberangebot verhandelt werden. „Wir werden unseren Leuten aber nicht erklären können, warum wir ein Angebot annehmen sollen, das sich um die zwei Prozent bewegt, nachdem wir im letzten Jahr viel mehr durchgesetzt haben“, sagte Wallbrecher.

Möglich also, dass die Männer und Frauen von Winter erneut die Arbeit niederlegen - alles war gestern noch offen. Für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen hofft die IG Metall Mittelhessen, dass sie zumindest zu jenen Bezirken gehört, in denen eine Urabstimmung über einen möglichen Streik stattfinden soll.

von Till Conrad

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