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Meister erhalten Lohn für harte Arbeit

Übergabe der Meisterbriefe Meister erhalten Lohn für harte Arbeit

In einer feierlichen Zeremonie wurden gut 50 Meistern der Region am Freitag ihre Meisterbriefe im Kreishaus überreicht.

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Landrätin Kirsten Fründt, Handwerkspräsident Heinrich Gringel und Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher überreichten die Briefe an die Kfz-Meister Denis Barth, Mike Benner, Günther Elmshäuser, Andreas John, Daniel Kraft, Lars Lauer, Burkhardt Müller, Florian Neusel, Salih Qallakaj, Markus Röhrig und Florian Scheliga.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Sie können auf das Erreichte stolz sein“, sagte Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher – denn es steckte „viel harte Arbeit, Schweiß und vielleicht auch die ein- oder andere Träne“ in dem Meistertitel.

Doch die Jungmeister könnten sich gewiss sein, dass sie beste Zukunftsaussichten hätten, betonte Limbacher: „Im Handwerk stehen alle Ampeln auf Grün, im Handwerk herrscht Vollgas – Sie kommen genau zur richtigen Zeit und können mit Vollgas am Markt agieren.“

Wichtiger Wirtschaftspfeiler

Landrätin Kirsten Fründt (SPD) wies darauf hin, dass der Meistertitel „die gleiche Wertigkeit wie ein Bachelor-Abschluss hat“. Dies spiele vor dem Hintergrund, dass man in Politik und Verbänden immer darüber diskutiere, ob Abitur und Studium für alle Schüler notwendig seien, eine wichtige Rolle: Handwerk und Studium schlössen sich nicht gegenseitig aus.

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, Rolph Limbacher und Heinrich Gringel überreichten die Briefe an die Meister im Kfz-Technikerhandwerk Marius Ansmann, Chris Beulig, Christian Emmerich, Benjamin Fey, Timo Klingelhöfer, Pascal Piffl, Dominik Reuling, Tobias Standfest, Felix Wägner, Marc Weidmann und Kevin 
Weinel.

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Gleichzeitig nahm Fründt die Jungmeister aber auch quasi in die Pflicht. Denn ihnen käme es nun zu, „für Ihre Berufe zu werben und den Nachwuchs auszubilden“. Das Handwerk sei im Landkreis ein wichtiger Wirtschaftspfeiler „und ist wichtig für die Menschen die hier wohnen“, betonte die Landrätin.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) betonte, dass die Jungmeister nun „ein außergewöhnliches Ziel“ erreicht hätten. Vor dem Hintergrund von lokalen Wirtschafts- und Arbeitslosenzahlen könne man in der Region sehr zufrieden sein – „das haben wir mit Sicherheit den kleinen und mittelständischen und auch den Familienbetrieben zu verdanken – und zum großen Teil eben auch dem Handwerk“, so Vaupel.

Grundlage für den Erfolg sei auch das duale Ausbildungssystem – „lassen Sie uns in der Politik sehr vorsichtig sein, wenn wir das als Steinbruch benutzen. Denn die Qualität der Arbeit ist über jeden Zweifel erhaben, das ist nicht überall so“, mahnte Vaupel. Allerdings müsse die Politik Aufträge auch so ausschreiben, dass das heimische Handwerk zum Zuge kommen könne – für eine Wertschöpfung in der Region, die auch der Ausbildung diene.

Finanzminister Schäfer gratuliert

Rolph Limbacher und Ehren-Kreishandwerksmeister Heinrich Henkel zeichneten den scheidenden Oberbürgermeister mit der Ehrennadel des Handwerks aus – „als Dank für das, was Sie für diese Region, diese Stadt, ihre Menschen und das Handwerk geleistet haben“, so Limbacher. Er betonte, dass die Nadel seltener verliehen werde als das Bundesverdienstkreuz.

Auch Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) gratulierte den Jungmeistern. „Hinter solchen Erfolgen steckt ein solches Maß an Anstrengungen und Aufwand – und das bei Ihnen auch noch neben dem Broterwerb.“ Das verdiene Hochachtung.

Auch verteidigte Schäfer die duale Ausbildung: Er höre immer wieder, dass der Akademisierungsgrad in Deutschland zu niedrig sei. „Wenn man für die duale Ausbildung gelobt wird, dann aber hört, es gebe zu wenige Akademiker – dann sollte man vielleicht darauf hinweisen, dass das ein Widerspruch in sich ist“, so Schäfer.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich erzählte, dass er jüngst mit einem Schreiner verwechselt worden sei – „ich fühlte mich dadurch geehrt“, sagte er schmunzelnd, „nicht nur Juristen sind Menschen“.

Der Meisterbrief als Qualitäts- und Gütesiegel

Zudem sprach er über die Flüchtlingsthematik – bei der Integration komme dem Handwerk eine wesentliche Rolle zu. „Wir müssen aber auch realistisch bleiben: Die Menschen werden nicht so schnell unser Facharbeiterproblem lösen. Da wird noch einiges an Qualifizierung nötig sein“, sagte Ullrich.

Die Europaabgeordnete Martina Werner (SPD) betonte, dass der Meisterbrief immer noch ein Qualitäts- und Gütesiegel sei. „Sie verbinden damit die berechtigte Hoffnung, dass in Zeiten, in denen immer wieder deutlich wird, dass ,Geiz ist geil‘ auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, die Akzeptanz bei der Kundschaft höher ist, wenn der Meisterbrief vorhanden ist. Und für die Kunden bedeutet der Meisterbrief ein hohes Maß an Verbraucherschutz“, so Werner.

In einem ressourcenarmen Land wie Deutschland benötige man zur Sicherung des Wohlstands „die gute Verbindung der starken Hand mit dem starken Kopf“, so die Abgeordnete. Dazu bildeten die Meister das Rückgrat. Daher werde sie sich auch weiterhin mit ihren Kollegen für das duale Ausbildungssystem starkmachen.

Handwerkspräsident Heinrich Gringel verdeutlichte, dass die Jungmeister nun „zur Elite des Handwerks und einer markanten, starken Säule der deutschen Wirtschaft“ gehörten. An die Europaabgeordnete richtete er die Mahnung, vonseiten Europas die Finger vom Meisterzwang zu lassen. „Hätten wir nicht so laut aufgeschrien, dann hätten sie uns die letzten meisterpflichtigen Berufe auch noch geschlachtet“, so Gringel.

Mehr Meister statt Master

Auch er machte sich für einen Erhalt des dualen Ausbildungssystems stark: „Selbst Barack Obama hat es in den Mittelpunkt seiner Regierungserklärung gestellt – da lassen wir uns nicht von unseren europäischen Nachbarn daran kratzen“, verdeutlichte er.

Er sei froh, dass der „Akademisierungswahn in der Ausbildung“ leicht rückläufig sei. „Wir brauchen mehr Meister und Praktiker, nicht mehr Master“, sagte Gringel. „Der Meisterbrief ist etwas Besonderes – und Sie haben verdammt viel dafür getan.“

von Andreas Schmidt

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