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Medizin und Menschlichkeit

OP-Ausbildungsserie: Gesundheits- und Krankenpfleger Medizin und Menschlichkeit

Gesundheits- und Krankenpfleger behalten nicht nur den Überblick über Station und Patienten, sie benötigen umfangreiches medizinisches Fachwissen samt einer gehörigen Portion Sozialkompetenz.

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An der Simulationspuppe übt Auszubildende Franziska Weiß die Behandlung ihrer künftigen Patienten.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Kaum ein Berufszweig ist in den vergangenen Jahren dermaßen im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit wie die Pflegebranche. Pflegereformen und eine Anpassung der Ausbildung sollen einem Nachwuchsmangel entgegenwirken.

Die angehende Krankenpflegerin Franziska Weiß hat sich nach einem freiwilligen sozialen Jahr am UKGM schnell für den verantwortungsvollen wie emotionalen Beruf entschieden. Seit Anfang des Jahres lässt sie sich an der Marburger Elisabeth von Thüringen Akademie ausbilden.

„Die Medizin ist einfach spannend“, erzählt die 20-Jährige. Auch die intensive Arbeit mit Menschen liegt ihr, als Pflegerin ist sie dabei „näher am Patienten“ als etwa ein Arzt, findet sie.

Drei Monate Vorbereitung auf Stationsdienst

Je nach Ausbildungsgang können sich die Schüler am Standort in der Gesundheits- und Krankenpflege, spezialisiert auf Kinder oder Erwachsene, zu Hebammen oder Operationsassistenten ausbilden lassen. Der Unterricht der drei- bis fünfjährigen Ausbildung besteht aus Blockphasen, in denen sich Theorie mit Praxiseinsätzen am Klinikum oder ambulanten Einrichtungen abwechseln. Nach der vergangenen Pflegereform stehen ein situationsbedingter Handlungsbezug und spezielle Krankheitsbilder im Vordergrund der Ausbildung, erklärt Akademieleiterin Cornelia Schembier-Hebebrand.

Anstelle strikt die einzelnen Fachbereiche wie Anatomie, Physiologie oder Biologie zu büffeln, erlernen die Pfleger praxisnah, welche Aktionen wie und wann in welcher Situation angebracht sind. „Wir gehen heute von Situationen aus und schulen entsprechende Handlungskompetenz“, erklärt die Leiterin.

Nach drei Monaten Vorbereitung mit einzelnen Praxistagen werden die Schüler auf die verschiedenen Stationen verteilt, lernen sämtliche Arbeitsbereiche unter der Anleitung der Ausbilder von Grund auf kennen.

Krankenbeobachtung will gelernt sein

„Orientierung ist gerade am Anfang wichtig, man hat viel Zeit alles zu lernen“, freut sich Franziska auf ihre künftigen Einsatzbereiche. Neben Haut- und Körperpflege, Verbands-, Infusions- oder allgemeiner Grundpflege steht unter anderem Patientenbegleitung und eine genaue Krankenbeobachtung auf dem Lehrplan der Auszubildenden.

Die künftigen Fachkräfte sind für die Überwachung der Kranken zuständig, messen Blutdruck, Puls und Temperatur und müssen lernen, sowohl die Vitalzeichen wie auch die Angaben der Patienten „zu verstehen, zu interpretieren und darauf einzugehen“. Neben Behandlung und Kontrolle von Erkrankungen und Medikamentenvergabe beraten die Pfleger ihre Patienten und leiten sie an.

Im Umgang mit den Pflegebedürftigen ist ein hohes Maß an sozialen Fähigkeiten, Einfühlungsvermögen und Kommunikation gefragt. Ebenso setzt die durchaus anstrengende Tätigkeit Durchsetzungsvermögen und eine gewisse körperliche wie emotionale Belastbarkeit voraus.

Schwerkranke schrecken nicht ab

„Der Beruf ist nicht für jeden etwas, persönliche Reife ist wichtig“, weiß Schembier-Hebebrand. Neben einer erforderlichen Empathie im Umgang mit den Menschen muss sich der Pfleger zwangsläufig mit Krankheiten und auch dem Thema Tod auseinandersetzen.

Im Laufe ihrer Ausbildung durchlaufen die Schüler die verschiedensten Stationen im Krankenhaus. Besonders spannend findet Franziska die Anatomie, den Aufbau des menschlichen Körpers und die Strahlentherapie. Gerade bei Letzterem wird sie besonders schwer kranke Patienten zu versorgen haben, das schreckt die angehende Krankenpflegerin nicht ab. Viel eher beeindruckt sie, wie die Patienten mit ihrer Erkrankung umzugehen wissen.

„Der Beruf ist menschlich wie medizinisch einfach spannend“, findet Franziska. Für eine feste Station und Karriere hat sie sich noch nicht entschieden, will sich später eventuell zur Wundexpertin oder Operationspflegekraft weiterbilden lassen. Die umfangreichen Wahlmöglichkeiten gefallen ihr in ihrem Beruf, „jeder kann seinen Bereich selber finden, man lernt nie aus“.

Zahl der angebotenen Stellen ist gestiegen

Der Pflegeberuf ist nicht nur für Jugendliche, sondern ebenfalls für Erwachsene als Alternativberuf, für den zweiten Bildungsweg geeignet, erklärt Tanja Siegert, Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit Marburg. Im Bereich der Umschulung arbeite die Arbeitsagentur daher eng mit Pflegeschulen und Ausbildungsbetrieben zusammen, stellt bei Bedarf den Kontakt zu den Schulen her.

Freie Stellen für dieses Jahr gibt es an der Akademie nicht mehr, die nächsten Kurse beginnen im April. In anderen Ausbildungsbereichen gibt es dagegen auch später im Jahr noch Chancen. Landkreisweit stehen derzeit noch etwa 290 freie Ausbildungsplätze zur Verfügung, teilte die Marburger Agentur für Arbeit mit. Dem gegenüber stehen etwa 440 unversorgte Bewerber.

Von Oktober 2014 bis August 2015 meldeten sich insgesamt 1973 Bewerber für Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit. Das seien 5,8 Prozent beziehungsweise 109 Jugendliche mehr als im vergangenen Ausbildungsjahr. Parallel dazu wurden auch mehr Stellen angeboten, bisher 1584, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 5,5 Prozent oder auch 82 Stellen bedeutet.

  • Interessenten, die noch Bewerber oder einen Ausbildungsplatz für 2015 suchen, können sich beim Arbeitgeberservice melden, per Telefon 06421/605212 oder via E-Mail marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de .

von Ina Tannert

 
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