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Medienkompetenz als Lernziel

Pilotprojekt Medienkompetenz als Lernziel

Smartphone und Internet bringen Vorteile, bergen aber auch Gefahren. In einem Projekt der Sparkasse Marburg-Biedenkopf werden Schüler, aber auch Eltern und Lehrer im Umgang mit Neuen Medien geschult.

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Quelle: Dieter Schütz/pixelio

Marburg. Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf hat für Schulen im Landkreis ein neues Angebot, das nach rund 30 Jahren das Planspiel Börse ablöst: „Social 2.0 – Medienkompetenz“ lautet das neue Pilotprojekt, das vom Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf unterstützt wird. Das Besondere dabei: „Unser Angebot richtet sich  nicht nur an Schüler, sondern auch an Lehrkräfte und Eltern“, erklärt Michael Frantz, Marketingleiter der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. „Wir halten es für wichtig, sich mit den neuen Medien – gerade auch Facebook und Co kritisch auseinanderzusetzen und zu lernen, wo Vorsicht angebracht ist.“
Das Schulamt hat die Integrierte Gesamtschule Neustadt, die Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf, die Stadtschule Biedenkopf, die MPS Wohratal, die Schule am Schwanhof, das Landschulheim Steinmühle sowie die MPS Dautphetal ausgewählt, die an dem Projekt in der ersten Phase teilnehmen konnten. Das Konzept: Klassen können über die Sparkasse Workshops buchen, die Schüler erhalten darin von fachkundigen Referenten Tipps zum Umgang mit Neuen Medien. Aber auch Lehrerfortbildungen und Elterninformationsabende gehören zu den Möglichkeiten, die die teilnehmenden Schulen wählen können. Die Sparkasse finanziert das Projekt insgesamt mit 15 000 Euro. Bisher haben 550 Schüler, 70 Lehrer und 200 Eltern teilgenommen. Zuletzt referierten die drei Experten Florian Greinert, Markus Merkle und Felix Ebner am Landschulheim Steinmühle. „Ich finde, dass das eine sehr sinnvolle Sache ist“, sagt Schulleiter Bernd Holly. Zwar werde an seiner Schule immer wieder auch mal beiläufig auf das Thema hingewiesen, doch nun habe ein derartiges Projekt „zum ersten Mal professionell“ veranstaltet werden können.

Experte informiert über Privatsphäre-Einstellungen

„Die Jugendlichen nutzen die Medien ja ohnehin“, befand der Direktor. Doch nicht immer wüssten sie dabei „was sie da eigentlich tun und welche Inhalte sie ungewollt freigeben“. Daher müsse Aufklärung betrieben werden. Auch vonseiten der Schüler stieß die Aktion auf großes Interesse. Fast alle der 19 Schüler aus der Klasse 8 a gaben etwa an, dass sie über die Smartphone-App „Whatsapp“ miteinander kommunizieren. Rund die Hälfte ist zudem auf Facebook registriert. Welche Auswirkungen die Angaben von Daten dort jedoch haben, wussten jedoch die wenigsten. „Nachdem ich den Vortrag gehört habe, möchte ich in Zukunft auf jeden Fall stärker darauf achten, welche Angaben ich bei Facebook mache“, sagt etwa Laura Hertl. Auch viele Informationen über Whatsapp habe sie zuvor nicht gekannt. Daher sei der Vortrag „sehr informativ“ gewesen, so die Schülerin.
Referent Florian Greinert hatte die Klasse darauf aufmerksam gemacht, dass sich zum Beispiel Facebook die Weitergabe von Daten an Dritte erlauben lässt. Nur wer seine Privatsphäre-Einstellungen ändert, kann außerdem verhindern, dass private Fotos oder gepostete Informationen auch völlig fremden Menschen zugängig sind – eine Tatsache, die etwa bei späteren Vorstellungsgesprächen zum Verhängnis werden kann.
Greinert riet den Schüler deshalb dazu, auch Facebook-Freunde in verschiedene Kategorien zu sortieren und nur gut bekannten Personen die Ansicht derartiger Angaben zu erlauben. Bei Whatsapp werde unterdessen das komplette Adressbuch mit den persönlichen Kontakten hochgeladen. Gefahren ergäben sich außerdem dadurch, dass die Verschlüsselung der Nachrichten mangelhaft sei und bei der Benutzung von öffentlichen Wlan-Netzen zudem leicht erhältliche Spionage-Apps das Mitlesen von fremden Geräten ermöglichten.
Greinert empfahl daher nur unbedenkliche Inhalte, nicht aber vertrauliche Daten oder intime Bilder über die Anwendung zu versenden. Schüler Henning Dittmar fand den Vortrag ebenfalls „sehr sinnvoll“. Er benutzt Medien wie Facebook, Whatsapp, und Instagram, wusste aber nicht, „dass so viele Informationen von mir im Internet zu sehen sind“. Er will daher, wie auch sein Mitschüler Georg Herbold in Zukunft vorsichtiger mit Angaben. Herbold benutzt ebenfalls „so ziemlich alles“ und erschrak, als er sich neulich selbst „googelte“. „Da habe ich sehr viel über mich gefunden“, so der Schüler, der den Vortrag als Anregung nimmt Einstellungen bei Internet-Profilen zu ändern.

„Satztrick“ als Passwort für Handys oder Postfächer

Greinert habe „sehr gut präsentiert“ und Dinge erklärt, die ihm zuvor noch nicht bewusst gewesen seien. Zum Schluss des Vortrags ging Greinert auch auf Cybermobbing ein, dessen Auswirkungen er anhand eines kurzen Films darstellte. Zudem riet er den Schülern dazu, Computer & Handys und Online-Profile mit sicheren Passwörtern zu schützen. Einfache Wörter oder Kombinationen wie „1234“ seien sehr leicht zu knacken. Deshalb empfahl er den „Satztrick“, bei dem das Passwort aus den Anfangsbuchstaben eines Satzes besteht, den man sich merken müsse. Idealerweise kämen in diesem Satz auch Zahlen vor.
Andere Schulen haben andere Schwerpunkte für ihre Workshops ausgewählt, berichtet Bernd Brock, ebenfalls von der Marketingabteilung der Sparkasse.
So haben sich Klassen dafür entschieden, mehr darüber zu erfahren, was man gegen Mobbing in sozialen Netzwerken machen  könne. „Wenn das ein Thema ist, das die Klasse bewegt, dann stellen sich die Referenten darauf ein. Eltern und Lehrer sprechen vorher über die Themen“, erklärt er.
Das Projekt wird im nächsten Jahr fortgesetzt, ob weitere Schulen hinzukommen, werde man in Abstimmung mit dem Schulamt noch diskutieren.

von Peter Gassner und Anna Ntemiris

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