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Mechatroniker müssen künftig pendeln

Berufsschule Biedenkopf Mechatroniker müssen künftig pendeln

Die Kfz-Innung Biedenkopf ist erbost. Der Grund: Die Kfz-Mechatroniker sollen ab dem 1. August nicht mehr in Biedenkopf, sondern in Marburg unterrichtet werden.

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Kfz-Mechatroniker Domenik Achenbach überprüft die Motormesswerte eines Fahrzeuges. Künftig sollen Azubis wie er in Marburg unterrichtet werden. Foto: Bleck

Quelle: Bleck

Biedenkopf. Aufmerksam geworden auf die Entwicklung ist die Kreishandwerkerschaft nach Worten ihres Geschäftsführers Frank Interthal erstmals im November 2012. Damals hörte sie davon, dass im Zuge des Neubaus für die Technische Hochschule Mittelhessen in Biedenkopf kein Ersatz für die bestehende Kfz-Werkstatt vorgesehen sei. Keine Aussicht, die den Handwerkern gefallen mochte. „Im Dezember 2012 haben wir mit Schuldezernent Karsten McGovern gesprochen und unsere Meinung kundgetan, dass wir prinzipiell gegen Marburg sind“, berichtet Innungsobermeister Rolf Balzer.

Doch dies sowie weitere Gespräche und Briefe halfen nichts, wie die Vorlage zeigt, die am vergangenen Dienstag in der Schulkommission beraten wurde. Demnach sollen die Kfz-Mechatroniker künftig in der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg unterrichtet werden, die Konstruktionsmechaniker Metallbau dagegen an den Beruflichen Schulen in Biedenkopf.

Die Schülerzahlen würden diesen Schritt erforderlich machen, argumentiert Karsten McGovern (Grüne) in dem Papier. „In der Regel können keine Klassen pro Ausbildungsjahrgang gebildet werden, weil die vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 15 nicht erreicht wird“, schreibt er. Das aber habe Folgen: Die Schulen würden nicht die volle Zuweisung an Lehrern erhalten und müssten jahrgangsübergreifenden Unterricht anbieten.

Die Konzentration der Kfz-Mechatroniker und der Konstruktionsmechaniker Metall auf jeweils nur noch einen Standort dagegen verbessere die Unterrichtsversorgung und steigere damit die Qualität der Ausbildung. Einen weiteren Vorzug spricht McGovern ebenfalls an: Der Bau einer neuen Kfz-Werkstatt in Biedenkopf, der nötig wäre, würde man die Kfz-Mechatroniker weiterhin dort beschulen, entfalle - was Investitionen spare.

Kreis: „Verlagerung liegt im öffentlichen Interesse“

Für die beiden Schulträger - der Kreis ist für die Berufsschule in Biedenkopf zuständig, Marburg für die Adolf-Reichwein-Schule - spielt laut McGovern noch ein anderer Gesichtspunkt eine Rolle: die künftige finanzielle Ausstattung der Schulen. „Es muss nicht mehr an jedem Standort für jeden Ausbildungsbereich investiert werden“, schreibt der Erste Kreisbeigeordnete. Womit die Verlagerung „im öffentlichen Interesse“ liege.

Genau das aber bezweifelt die Kfz-Innung Biedenkopf. Im öffentlichen Interesse liege sicher auch die „wohnortnahe Beschulung“ junger Leute, die gerade erst an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Auf Seiten der Schulträger und des Schulamtes habe man offenbar keine Vorstellung, wie wenig der öffentliche Nahverkehr geeignet ist, Azubis aus dem Altkreis Biedenkopf gen Marburg und Azubis aus dem Marburger Raum nach Biedenkopf zu transportieren. Vor allem: wie wenig die Zeiten im Fahrplan zu den Unterrichtszeiten passen.

Das aber werde für alle Beteiligten nicht ohne Folgen bleiben. Die Innung befürchtet, dass die Aussicht, die Berufsschule in Marburg besuchen zu müssen, manchem Hinterländer eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker verleiden wird. Auch die Metaller würden vermutlich anders reagieren als man sich das im Landkreis vorstellt. „Da wird mit den Füßen abgestimmt“, sagt Frank Interthal. Was in seinen Augen heißt: Viele „Metallbauer“ wird es eher gen Gießen ziehen als in Richtung Biedenkopf.

Überhaupt sieht die Kfz-Innung den wahren Grund für die Umstrukturierung an anderer Stelle. Die nötige Mindestzahl von 15 Auszubildenden pro Klasse habe man in der Vergangenheit durchweg erreicht. 18 Schüler seien es etwa in der neuen Klasse im August 2013 gewesen, rechnet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft vor. Und Umfragen der Innung hätten gezeigt, dass sich dieser überdurchschnittliche Ausbildungswille in den Betrieben bis 2016 nicht ändern werde.

„Der Tausch erfolgt aus unserer Sicht, weil man nicht in eine neue Werkstatt investieren will“, drückt Interthal seine Vermutung über den wahren Hintergrund der Entscheidung aus. Dabei wäre eine solche Investition, beispielsweise in eine Multifunktionshalle, doch auch im öffentlichen Interesse.

von Hartmut Bünger

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