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Max Bahr fällt als Praktiker-Retter aus

Praktiker Insolvenz Max Bahr fällt als Praktiker-Retter aus

Mit der Insolvenz der Tochtergesellschaft Max Bahr hat sich die Lage des Praktiker-Konzerns weiter zugespitzt.

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Max Bahr galt als Hoffnungsträger für die Praktiker-Baumärkte – nun ist die Tochter auch insolvent. 

Quelle: Patrick Seeger

Hamburg. Noch ist die Zukunft des Unternehmens offen, noch gibt es Hoffnung für die rund 12000 Beschäftigten in Deutschland. Doch sie schwindet von Tag zu Tag. „Wir wollen den Geschäftsbetrieb stabilisieren und die Warenversorgung sicherstellen“, heißt es aus dem Unternehmen. Und dann einen Investor finden.

Interesse ist da. Konkurrenten wie Hornbach, Obi oder Bauhaus könnten sich die Übernahme einzelner Märkte und Standorte vorstellen. Selbst über Hedgefonds aus dem Ausland wurde schon gemunkelt, die das ganze Unternehmen in der Insolvenz billig kaufen und dann wieder aufpäppeln könnten. Doch das sind alles nur Gerüchte. „Der Investorenprozess hat noch nicht begonnen“, stellt der Sprecher eines der Insolvenzverwalter klar. Es mehren sich die Anzeichen, dass nur die besten Märkte von Max Bahr und Praktiker eine Chance haben. „Man kann klar von einer Marktsättigung in Deutschland sprechen, dem Eldorado der Heimwerker“, sagt Manuel Jahn, der für das Marktforschungsunternehmen GfK den Bereich der Handelsimmobilien beobachtet. Das Filialnetz von Praktiker sei nicht organisch gewachsen; durch die Übernahme der unterschiedlichsten regionalen Baumarktkonzepte in den vergangenen 30 Jahren sei das Unternehmen schwierig zu führen gewesen. Praktiker habe Standorte falsch ausgesucht, und der vermeintliche Ausweg über Billigpreise habe nur die Margen immer enger gemacht.

Konzept fehlt

„Zwangsläufig mussten Kosten und damit auch die Mitarbeiter pro Filiale immer mehr reduziert werden“, analysiert Jahn. „Der Wunsch der Kunden nach Beratung konnte von dem Unternehmen immer weniger eingelöst werden.“ Erfolg könne sich nur mit einem Konzept einstellen, das klar auf die Wünsche der Konsumenten ausgerichtet sei. „Das wäre die Voraussetzung für einen Neuanfang mit einem rettenden Investor.“

Max Bahr hatte ein solches Konzept wohl auch nicht, denn sonst wäre das Unternehmen nicht überschuldet und zahlungsunfähig. Nach dem Rückzug eines Warenkreditversicherers sei die Versorgung der Märkte nicht mehr gesichert, teilte Praktiker mit. Das Hamburger Insolvenzgericht berief am Freitag den Hamburger Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder als Insolvenzverwalter für die 78 Max-Bahr-Märkte, die schon immer unter dieser Marke firmierten. Für 54 Märkte, die in den vergangenen Monaten von Praktiker auf Max Bahr umgeflaggt wurden, ist der Heidelberger Anwalt Christopher ­Seagon verantwortlich.

Furcht vor Zerschlagung

Operativ hat Max Bahr seit Jahren nichts verdient. Im Bericht über das erste Quartal weist Praktiker für den Bereich Max Bahr einen Umsatz von 204 Millionen Euro aus und einen operativen Verlust von 37 Millionen Euro. Ohne Sondereinflüsse sind es 25 Millionen Euro operativer Verlust. Der Umsatz ging flächenbereinigt um 11,4 Prozent zurück. Davon geht ein erheblicher Teil auf das Konto des schlechten Wetters und der ausbleibenden Nachfrage nach Gartenartikeln.

Praktiker hatte die norddeutsche Baumarkt-Kette Max Bahr 2007 aus Familienbesitz übernommen. Sowohl die Gläubiger des Unternehmens als auch die Beschäftigten fürchten nach der Insolvenz mehr denn je eine Zerschlagung des gesamten Konzerns. Auf dem Spiel stehen Tausende von Arbeitsplätzen und mehrere hundert Millionen Euro Anlagekapital.

Hintergrund Warenkredit:

Ein Lieferantenkredit ist zinsloser Zahlungsaufschub, den Lieferanten ihren Kunden gewähren. Der Abnehmer muss die Ware erst zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel einen Monat nach der Lieferung, bezahlen. Begleicht er die Rechnung vor Ablauf einer bestimmten Frist, bekommt er in der Regel einen Preisnachlass (Skonto). Im Handel ist dies gängige Praxis. Sogenannte Kreditversicherer sichern Lieferanten dagegen ab, dass Kunden die Ware nicht bezahlen. Bei Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers springen sie ein. Die Kreditversicherer prüfen deshalb die Bonität dieser Unternehmen. Wird diese als negativ bewertet, besteht die Gefahr, dass die Versicherung den Warenkredit für den Kunden nicht absichern will. Der Lieferant müsste dann das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit seines Kunden selbst tragen. Will er das nicht, drohen dem Kunden leere Regale. (dpa)

von Eckart Gienke

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