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Martin scheidet als Chef von CSL Behring aus

Pharma Martin scheidet als Chef von CSL Behring aus

Dr. Roland Martin, Geschäftsführer der CSL Behring GmbH, ist seit Donnerstag nicht mehr im Pharmaunternehmen beschäftigt. Der Weggang war seine persönliche Entscheidung, sagt er im OP-Gespräch. Offenbar steht intern schon fest, wer künftig das Pharmaunternehmen CSL Behring in Marburg leitet. In den nächsten Wochen soll dies bekannt gegeben werden.

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Dr. Roland Martin verlässt das Unternehmen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Als Dr. Roland Martin vergangenen Freitag bei der Einweihung des neuen CSL-Gebäudes M 240 viele Hände schüttelte, ahnte offenbar keiner, dass die Begrüßung auch ein Abschied sein wird. „Mir war das natürlich schon klar“, so Martin gestern auf Anfrage der OP. Zu diesem Zeitpunkt sei nur die Führungsspitze des Konzerns über seine Pläne informiert gewesen. Ihm sei wichtig gewesen, dass ein geordneter Übergang möglich werde, sodass bald die Nachfolge geregelt sei. Personalchef Holger Kison, der seit drei Monaten im Unternehmen tätig ist,  sagte der OP: „Die neue Standortleitung kommt innerhalb der nächsten Wochen.“

Kommissarisch wird vorerst die bisherige Stellvertreterin Dr. Anita Kohl-Truebenbach Martins Aufgaben übernehmen. Kison erklärte, dass die Marburger gestern die Nachricht über das sofortige Ausscheiden Martins erhielten. Martin selbst war gestern nicht in der Firma.  Der Betriebsrat und die Mitarbeiter wurden am Nachmittag informiert, bestätigte die Betriebsratsvorsitzende Susanne Fischer der OP.

Marburg bleibt Heimat

Martin will heute und in den nächsten Tagen allerdings nochmal ins Unternehmen kommen und unter anderem mit Kollegen sprechen. An die insgesamt 2 200 Mitarbeiter hat er einen Rundbrief verfasst. Darin erklärt er, dass er nun eine Gelegenheit nutzen möchte, „um ein lange geplantes Projekt in einem völlig anderen Tätigkeitsfeld zu verwirklichen. Auf diese neue Herausforderung freue ich mich.“ Auch wenn diese neue Tätigkeit in der Südpfalz sein wird, werde er weiterhin mit seiner Familie in Marburg leben, sagte er gestern im OP-Gespräch.

Der Standort Marburg sei ihm über die letzten acht Jahre besonders ans Herz gewachsen. „Mir war es wichtig, die Modernisierung, den Ausbau und die Produktivität des Standorts voranzutreiben.“ Daher sei für ihn die Einweihung des Neubaus ein schöner persönlicher Abschluss gewesen. Seine Entscheidung habe nichts mit der teilweisen Rücknahme der Entgeltstrukturanalyse (ESA) zu tun, sagte Martin auf Nachfrage.  Er hatte die neue Gehaltsstruktur zum 1. Januar 2013 eingeführt und war damit auf viel Unmut in der Firma gestoßen. Alle Mitarbeiter, die dagegen geklagt hatten, bekamen vor dem Arbeitsgericht Gießen Recht. Vor drei  Wochen hatte das Unternehmen dann überraschend verkündet, dass der Streit beendet ist und CSL diejenigen Mitarbeiter, die in eine niedrigere Gehaltsstufe gerutscht waren, wieder wie vor 2013 bezahlt. Diese Entscheidung kam ebenso wie der Neubau positiv bei weiten Teilen der Belegschaft an.

Suche nach Nachfolger

Über die gestrige Entscheidung gab es geteilte Meinungen unter den von der OP befragten Mitarbeitern. Erste Stimmen sprachen von „Erleichterung“, „Genugtuung“, „Optimismus“ und „frischem Wind“ sowie „Furcht vor dem, was noch kommt“. Aus dem Unternehmen hieß es, dass viele Telefone am Nachmittag besetzt waren. Für Flurfunk, Spekulationen und Interpretationen werde es aber nicht viel Zeit geben, hieß es weiter. Nach Informationen der OP sei die Suche nach einem Nachfolger fast abgeschlossen.

Oberbürgermeister Egon Vaupel war von Martin persönlich informiert worden. ­Vaupel sagte  der OP: „Das ist ein großer Verlust für Marburg. Dr. Martin war ein Geschäftsführer, der viel für den Standort und die Universitätsstadt Marburg getan hat. Er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Ich freue mich für ihn, dass er eine bewusste Entscheidung getroffen und einen klaren Weg für sich gefunden hat. Solche Entscheidungen muss man akzeptieren.“

von Anna Ntemiris

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