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„Marktplatzcharakter“ für Gründer

Allianzhaus „Marktplatzcharakter“ für Gründer

Tegut zieht um: Ab dem 1. April beginnt der Umbau des Allianzhauses in der Universitätsstraße/Gutenbergstraße. Das Geschäftshaus erhält eine klassizistische Fassade.

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An der Ecke Schulstraße/Gutenbergstraße beginnen bereits vorbereitende Arbeiten. Am 1. April soll der Umbau des Allianzhauses starten.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Für den Zeitraum der Bauarbeiten, sucht Eigentümer Tegut eine Ladenfläche in Größe von mindestens 800 Quadratmetern, auf die die Supermarktkette in dieser Zeit ausweichen kann. Das sagte der Leiter des Immobilienmanagements bei Tegut, André Strube, der OP am Rande eines Termins. Ein Ladenlokal in solcher Größenordnung sei in der Innenstadt jedoch nicht leicht zu finden – einen passenden Standort gebe es daher noch nicht.

Schon früher zieht das Möbel-Outlet im Eingangsbereich aus – dort präsentiert der Landkreis ab 23. Januar eine Gründer-Ausstellung. Von der Hebamme bis zum mittelständischen Unternehmen: Existenzgründer aus dem Landkreis bekommen fünf 
Wochen lang kostenlos
eine große Bühne zur
 Verfügung gestellt.

„Hotspot mit viel Laufkundschaft“
Existenzgründern Mut machen – das hat sich die Wirtschaftsförderung des Landkreises Marburg-Biedenkopf auf die Fahnen geschrieben. Um junge Unternehmer beim beschwerlichen Weg zum Erfolg zu unterstützen, stellt der Landkreis ihnen gemeinsam mit dem Lebensmittelhändler Tegut eine Ladenfläche zur Verfügung, auf der Existenzgründer sich und ihre Ideen kostenlos präsentieren können. Und das mitten in der Innenstadt. Ein Ladenlokal im Eingangsbereich des Allianzhauses in der Universitätsstraße/Gutenbergstraße soll vom 23. Januar bis zum 28. Februar als Plattform zur Selbstvermarktung und Vernetzung untereinander dienen.

Auf rund 900 Quadratmetern im bisherigen Mode-Outlet-Geschäft haben die Unternehmer dabei die Möglichkeit, Produkte­ auszustellen oder aber auch mit Präsentationen die Vorzüge ­ihrer Firma anzupreisen. An einem „Hotspot mit viel Laufkundschaft“, so der 1. Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU), wolle der Landkreis ihnen so eine Gelegenheit bieten, die viele sonst kaum finanzieren könnten. Auf diese Weise könne man den Gründern am effektivsten helfen.

Existenzgründung – das seien nicht nur digitale Start-ups mit viel Kapital, verdeutlichten Zachow und Dr. Frank Hüttemann vom Fachbereich Wirtschaftsförderung. Auch Dienstleistungen, innovative Produkte oder regionale Erzeugnisse zählten dazu. Ebenso Selbstständigkeit im medizinischen, sozialen, oder kulturellen Bereich sowie dem Handwerk. Gerade durch den „Mix von unterschiedlichen Themen und Zugängen“ habe die Ausstellung einen „besonderen Reiz“, so Zachow.

„Gewisses Klima“ für 
neue Innovationen schaffen

Die Zahl der Existenzgründungen sei im Landkreis vergleichsweise hoch, zuletzt sei sie aber gesunken. Damit es weiterhin viele Innovationen gebe, müsse­ die Politik für „ein gewisses Klima“ sorgen, sagte der Kreisbeigeordnete. Die Zusammenführung in einen gemeinsamen Raum, werde auch zum Austausch von Unternehmern untereinander führen und für gegenseitige Inspiration sorgen, hofft Zachow auf einen „Marktplatzcharakter“.

Zwei Existenzgründer, die sich an der Aktion beteiligen wollen, sind die Hebamme Ansa Becker und der Erfinder der „Anytime-Box“ Martin Buder. Der klappbare Paketkasten ermöglicht eine sichere Paketzustellung, auch wenn der Empfänger nicht zu Hause ist (die OP berichtete). „Als kleiner Unternehmer muss man vieles übernehmen: Werbung, Konstruktion, Marketing und so weiter“, sagt Buder.

Die Gelegenheit zum Austausch sei daher verlockend. Potenzielle Kunden könnten sich sein Produkt zudem aus der Nähe angucken. Für Becker geht es vor allem darum, den Berufsstand der Hebamme in Erinnerung zu bringen. „Viele vergessen, dass es diesen Beruf gibt und denken, wir machen das Gleiche wie eine Krankenschwester“, sagt sie. Sie freut sich, ihren ­Beruf und auch sich persönlich bekannter machen zu können.

Die Gesundheitsbranche, die (neben dem Bereich Holzwirtschaft) besonders im Fokus stehen soll, ist „auch für Lebensmittelhändler ein großes Thema“, sagte André Strube, ­Leiter Immobilienmanagement bei Tegut. Als „Freund von Existenzgründungen“ habe er die Ladenfläche im Auftrag seines Unternehmens gerne zur Verfügung gestellt. „Es wäre zu schade gewesen, das Lokal die gesamte Zeit leerstehen zu lassen“, so Strube.

Öffnung vor allem in 
den „Frequenzzeiten“

Zu welchen Zeiten die Ausstellung komplett zu sehen sein wird, ist noch nicht abschließend klar. Allein mit dem Personal der Wirtschaftsförderung könne keine dauerhafte Aufsicht gestellt werden, erläutert Hüttemann. Zu diesem Zweck wurde aber eigens eine Praktikantinnenstelle für die Wirtschaftsgeographie-Studentin Charlotte Busch geschaffen. „Ziel ist es, dass wir vor allem in den Frequenzstunden öffnen können“, 
so Hüttemann. Die Öffnungszeiten werden vor Ort angebracht und auf der Homepage der Wirtschaftsförderung des Landkreises nachzulesen sein.

Je nachdem, wie viele Unternehmer sich beteiligen, werde­ die Gestaltung der Ausstellung­ ausfallen. Die große Fensterfront des Ladens lasse es zu, dass viele Menschen auch bei geschlossenem Geschäft einen Blick auf die Ausstellung werfen können. Nach Möglichkeit solle aber auch die Fläche im Inneren ausgenutzt werden.

Einen Teilnahmeschluss für Existenzgründer gibt es nicht. Selbst nach Anlaufen der Aktion sei eine Präsentation noch möglich. Dennoch hoffe man auf möglichst zeitnahe Meldungen, sagt Hüttemann. Willkommen seien neben (noch) kleinen Gründungen auch bereits Etablierte Unternehmen, von denen sich andere etwas abschauen könnten.

von Peter Gassner

 Ansa Becker (von links), Frank Hüttemann, Charlotte Busch, André Strube, Marian Zachow und Unternehmer Martin Buder stehen vor dem Eingang des Ladenlokals in der Universitätsstraße. Foto: Sascha Hörman
 
 
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