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Markt bleibt auf „Betriebstemperatur“

Arbeitslosigkeit Markt bleibt auf „Betriebstemperatur“

Auch im Landkreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar gestiegen – jedoch weniger stark als im Hessen- oder Bundestrend.

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Die Januar-Arbeitslosigkeit sinkt dank Boom-Konjunktur auf ein Rekordtief. Der saisonale Anstieg fällt im Landkreis äußerst gering aus.

Quelle: Felix Kästle

Marburg. Zum Jahresanfang waren 3,032 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg berichtete. Das sind zwar 268 000 mehr als im Dezember, aber rund 104 000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg zum Vormonat um 0,6 Punkte auf 7,0 Prozent. Eine niedrigere Januar-Arbeitslosigkeit gab es zuletzt 1991.

Auch in Hessen ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Dezember um fast 16 000 auf knapp 190 000 gestiegen. Das sind jedoch gut 3000 weniger als im Vorjahr. Die Quote stieg von 5,4 auf 5,9 Prozent. Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, spricht von einem weiterhin robusten Arbeitsmarkt. „Wir haben zwar einen ungeheueren saisonalen Einschlag“, sagt er.

Der sei nicht nur jahreszeitlich bedingt, sondern habe vor allem mit einem Arbeitgeber im Ostkreis zu tun, der saisonal rund 400 Arbeitskräfte entlassen habe. „Das ist im kommenden Monat wieder behoben“, so Breustedt, denn der Hersteller von Süßwaren werde die meisten der Arbeiter in den kommenden Wochen wieder einstellen. Diese Bewegungen würden auf dem heimischen Arbeitsmarkt immer „für riesige Wellen“ sorgen.

Junge Leute profitieren besonders stark

Demnach waren im Januar 5589 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 671 mehr als im Dezember. „Der Januar macht immer wieder plastisch, wie wenig Sinn es macht, sich mit den Vormonatszahlen zu befassen“, sagt Breustedt. Denn im Vorjahresvergleich waren noch 490 oder 8,1 Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis bei 4,3 Prozent, im Vergleich zu 4,7 Prozent im Vorjahr. Hessenweit liegt die Quote bei 5,9 Prozent.

„Trotz der saisonal höheren Arbeitslosigkeit ist das ein Super-Ergebnis“, sagt Breustedt. An dem Rückgang der Arbeitslosigkeit hätten alle Personengruppen partizipiert – mit Ausnahme der Ausländer. Demnach waren 1054 Ausländer im Januar arbeitslos gemeldet, im Vorjahresmonat waren es 1112, was einem Zuwachs von 5,8 Prozent entspricht. „Die Ausländerbeschäftigung ist allerdings sehr stark gestiegen“, sagt der Agenturleiter. Was sich wie ein Widerspruch anhört liege daran, dass es mehr Ausländer auf dem Arbeitsmarkt gebe.

Überproportional gesunken ist indes die Zahl der arbeitslosen jungen Leute zwischen 15 und 25 Jahren: Im Januar waren 515 arbeitslos gemeldet, im Vorjahresmonat noch 591 – ein Rückgang um 12,9 Prozent. „Und im Versichertenbereich ist es sogar ein Minus von 18,3 Prozent“, so Breustedt.

1400 Menschen melden sich aus Arbeitslosigkeit ab

Neu arbeitslos meldeten sich im Januar 2078 Menschen. Das waren 254 oder rund 11 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Deutlich zeigte sich der Zugang an Arbeitslosen allerdings gegenüber dem Dezember: 691 oder rund die Hälfte mehr Personen meldeten sich arbeitslos.

Nach vorheriger Erwerbstätigkeit meldeten sich 1389 Personen arbeitslos, das waren 109 oder 7,3 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber 707 Personen oder mehr als doppelt so viele wie im Dezember. Gleichzeitig haben sich 1400 Personen aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet. Das waren 112 oder 7,4 Prozent weniger als vor einem Jahr und 180 oder rund 15 Prozent mehr als vor einem Monat.

736 Personen beendeten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, 18 Personen oder 2,4 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber 404 oder 121,7 Prozent mehr als vor einem Monat. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zu Beginn des Jahres angestiegen. Das Kreisjobcenter (KJC) Marburg-Biedenkopf weist für Januar 3088 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Dezember ist die Zahl damit um 173 Personen oder 5,9 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis jedoch um 256 Personen, was 7,7 Prozent entspricht.

Zachow rechnet mit nur wenige Neueinstellungen

Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger ist gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent angestiegen und liegt nun bei 2,4 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,6 Prozent. „Ein Anstieg in den Wintermonaten ist durchaus üblich. Zum einen zeigen sich Unternehmen bei Neueinstellungen zum Jahreswechsel zurückhaltend und zum anderen enden am Jahresende viele arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Marian Zachow (CDU).

„Wir müssen allerdings angesichts der Jahreszeit und der teilweise wechselhaften Stimmungen in der Wirtschaft davon ausgehen, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten bei Einstellungen zunächst eher zurückhaltend agieren werden“, so Zachow.

Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Januar wieder angestiegen, so dass mehr Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum vergangenen Dezember erhöhte sich demnach die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 74 auf 6207. Das entspricht einem Zuwachs von 1,2 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies jedoch einen Rückgang um 44 Bedarfsgemeinschaften oder 0,7 Prozent.

Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um 1,4 Prozent auf 8065 Personen zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich mit dem Dezember vergangenen Jahres ist deren Zahl jedoch marginal gesunken: Sie liegt um 0,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um zwölf Personen.

von Andreas Schmidt

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