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Marburgerin erkauft sich Rederecht

Hauptversammlung der Rhön-Klinikum AG Marburgerin erkauft sich Rederecht

Die Hauptversammlung der Rhön-Klinikum AG findet morgen in Frankfurt statt. Zahlreiche Rhön-Kliniken sollen an den Konkurrenten Fresenius/Helios verkauft werden. Die Marburgerin Cordula von Brandis-Stiehl hat sich fünf Aktien Rederecht gekauft, um die Veranstaltung aufzumischen.

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Die Marburgerin Cordula von Brandis-Stiehl will auf der Hauptversammlung von Rhön für eine
alternative Verwendung des Bilanzgewinns werben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Großteil der Rhön-Kliniken ging Anfang des Jahres für drei Milliarden Euro an Fresenius. Doch den Rest - einschließlich des Universitätsklinikums Gießen und Marburg - will der Dax-Konzern nicht. Interesse soll es vom Konkurrenten Sana geben.

Im Vorfeld der Hauptversammlung hat Rhön-Gründer und Hauptaktionär Eugen Münch die Übernahme-Spekulationen noch einmal angeheizt. Er deutete in der vergangenen Woche seine Bereitschaft an, weitere Krankenhäuser zu verkaufen. Mit einer Stiftung, in die seine eigenen Aktien einfließen, will Münch zudem seine Lieblings­idee von der „Netzwerkmedizin“ vorantreiben: Danach arbeiten die großen Krankenhauskonzerne in einer Art „Netzwerk“ zusammen, um dem Patienten, egal wo in Deutschland er sich aufhält, eine Vollversorgung anbieten zu können. Eine spezielle Zusatzversicherung, die den Patienten angeboten werden soll und teils schon angeboten wird, soll nach Münchs Vorstellung die bevorzugte Behandlung abdecken.

Münch hatte außerdem angekündigt, auf der Hauptversammlung den Antrag zu unterstützen, der die Hürde für wichtige Entscheidungen bei dem Unternehmen von 90 auf 75 Prozent senken will. An der 90-Prozent-Hürde war 2012 der Verkauf der Rhön-AG an Fresenius gescheitert.

Der Beschluss zur Reduzierung der Hürde auf 75 Prozent war im vergangenen Jahr schon einmal gefasst worden, allerdings gerichtlich angegriffen worden - unter anderem von Rhön-Konkurrent B. Braun. Der Medizinprodukte-Konzern aus Melsungen hat seine Anfechtungsklage inzwischen zurückgezogen. Weil andere Klagen noch anhängig sind, soll die Hauptversammlung den Beschluss morgen fassen - sozusagen auf Vorrat. B. Braun und Rhön haben ihren Zwist längst begraben - äußeres Anzeichen dafür: Georg Ludwig Braun, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von B. Braun und Geschäftsführer der B. Braun Holding, soll morgen in den Rhön-Aufsichtsrat gewählt werden.

Marburgerin will Versammlung aufmischen

Eine, die diesen geplanten harmonischen Ablauf morgen stören möchte, ist die Marburger Ärztin und Psychotherapeutin Cordula von Brandis-Stiehl.

Die privatisierungskritische Medizinerin ist Eigentümerin von fünf Rhön-Aktien und hat deswegen ein Antrags- und Rederecht auf der Hauptversammlung. „Ich habe mir durch den Kauf der Aktien quasi mein Rederecht erkauft“, sagt sie im OP-Gespräch.

Die Medizinerin beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit ethischen Fragen, ist Mitglied in der „Gesellschaft Ethik in der Medizin“ und arbeitet seit einigen Jahren unter anderem an Stellungnahmen der Gesellschaft zu Anhörungen und Ähnlichem mit, wenn es um das UKGM geht.

Cordula von Brandis-Stiehl möchte erreichen, dass der Bilanzgewinn nicht an die Aktionäre ausgeschüttet wird, sondern für die Verbesserung der Bedingungen an den Rhön-Kliniken verwendet wird. Konkret möchte sie die Rhön-AG verpflichten, dass, so heißt es im Antrag, „Ärzte und Pflegende ihrer Berufsethik gemäß arbeiten“ können. Ihr schwebt die Finanzierung eines Forschungsvorhabens vor, das den Einfluss von Personalausstattung in den einzelnen Stationen auf den Krankenstand der Beschäftigten, aber auch die Genesung der Patienten, untersucht.

In ihrer eigenen Praxis, so erzählt sie, hatte von Brandis-Stiehl vor 2006 so gut wie keine Patienten, die beim Klinikum beschäftigt sind.

Heute sei fast jeder fünfte Patient vom UKGM. Die meisten therapiert sie aufgrund von Schlafstörungen wegen besonderer Belastung.

Cordula von Brandis-Stiehl macht sich keine Illusionen über die Erfolgsaussichten ihres Antrags: Wenn fünf Aktionäre zustimmten, sei sie schon zufrieden, sagt sie. Wichtiger ist ihr, die öffentliche Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Problematik der Privatisierung zu fokussieren.

Die Idee, Aktien der Rhön-AG zu kaufen, sei ihr im Frühjahr gekommen. Bei nur fünf Aktien legt sie letztendlich trotz der zu erwartenden Dividende drauf - „meine Bank hat Zeter und Mordio geschrieben“, erzählt sie. Aber, so fährt sie fort, „wenn ich nichts tue, muss ich mich nicht wundern, wenn sich nichts bewegt.“

Die Dividende, die morgen aller Voraussicht nach beschlossen werden wird, will Cordula von Brandis-Stiehl den „Grünen Damen“ am Klinikum, ehrenamtlichen Helferinnen in der Patientenbetreuung, als Spende zur Verfügung stellen.

von Till Conrad

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