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Marburger unterstützen Kakaobauern

Fair Trade Marburger unterstützen Kakaobauern

Die Ferrero Deutschland GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 ausschließlich fair gehandelte und entsprechend zertifizierten Kakao für seine Schoko-Produkte zu verwenden.

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Marburg. Der Weltkonzern Ferrero, der auch in Stadtallendorf Schokolade produziert, bezieht seinen Kakao aus Ländern wie Elfenbeinküste, Nigeria und Ghana. Dort leben viele Kakao- und Haselnussbauern trotz harter Arbeit in bitterer Armut. Auch Kinder müssen mitarbeiten - die Schulbildung bleibt dabei zum Teil auf der Strecke. Marburger Aktivisten der Micha-Initiative erklären, dass noch immer Kindersklaverei auf afrikanischen Kakaoplantagen vorherrsche und Ferrero von den niedrigen Rohstoffpreisen profitiere - auf Kosten der Menschen in den afrikanischen Ländern.

Ferrero will keine reine Gewissensberuhigung

Die Marburger haben eine bundesweite Kampagne gestartet, um die „fair gehandelte Nutella“ zu fordern. Dabei steht der beliebte Brotaufstrich stellvertretend für die anderen Schokoladenprodukte des Süßwarenherstellers.

Ferrero versteht sich als sozial verantwortlich agierendes Familienunternehmen und kann die Kritik der Micha-Initiative nur in Teilen nachvollziehen. Nicht erst seit dieser Kampagne beschäftige man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, erklärt Unternehmenssprecherin Almut Feller auf Anfrage der OP.

„Die Beschaffung unserer Rohstoffe erfolgt mit höchster Sorgfalt und unter hoher Zugrundelegung hoher ethischer Maßstäbe“, so Feller. Ferrero unternehme alles, um jede Form von missbräuchlicher Kinderarbeit und Zwangsarbeit abzuschaffen.

„Deshalb fordert Ferrero nicht nur, dass die Lieferanten die gleichen Prinzipien anwenden, um so eine Lieferkette ohne Zwangsarbeit von Kindern und Erwachsenen zu schaffen, sondern unterstützt sie auch dabei.“ Dies bekräftige die Ferrero-Gruppe auch durch ihren Code of Business Conduct - ihren ethischen Verhaltenskodex.

Micha-Initiative legt Wert auf Fairtrade-Siegel

Ferrero räumt ein, dass in der Elfenbeinküste noch einige Herausforderungen und Veränderungen beim Kakaoanbau anstehen. So sei zum Beispiel der Zugang zu gutem Pflanzgut noch mangelhaft, nachhaltiges Wirtschaften müsse verbessert werden. Dafür benötigt Ferrero noch etwas Zeit: „Unser Ziel ist es, bis zum Jahre 2020 den gesamten Bedarf der Ferrero-Gruppe mit zertifiziert nachhaltigem Kakao zu decken“, erklärt Stephan Niessner, Geschäftsführer der Ferrero Deutschland GmbH. Zudem sollen unabhängige Dritte die Kakaolieferung kontrollieren. Ein Teil des Kakaos, das Ferrero verwendet, ist bereits zertifiziert.

Die Micha-Initiative weist darauf hin, dass Ferrero dabei nicht das unabhängige Fairtrade-Siegel meine. „Nur dieses Siegel gewährleistet, dass unabhängige Kontrollen über die Produktionsbedingungen erfolgen und dass den Kakaobauern garantierte Mindestpreise gezahlt werden, die von den Schwankungen des Weltmarktes unabhängig sind“, erklärt Pfarrer Helmut Heiser, einer der Micha-Aktivisten aus Marburg. Nur Fairtrade gesiegelter Kakao garantiere höhere Preise und damit faire Bedingungen für die Bauern und ihre Familien. „Der höhere Kakao-Preis ist die Voraussetzung dafür, dass die Kakaobauern nicht länger auf Kinderarbeit angewiesen sind“.

„Ein Siegel allein ist noch keine Lösung“, sagt Feller. Ferrero wolle keine Gewissensberuhigung, sondern die Pflanzungen verbessern und die Einkommen der Landwirte. Das erreiche man über verschiedene Wege. So kooperiere das Unternehmen zum Beispiel mit der Weltkakaostiftung, dem Entwicklungsministerium und Nichtregierungsorganisationen. Man zahle Prämien für die Qualität der Kakaobohne, investiere in Ausbildung, verbessere die Infrastruktur oder versuche die örtliche Politik von den ethischen Grundsätzen zu überzeugen. Keine Lösung für die afrikanischen Bauern wäre es, wenn man den Kakaokauf einstellt, betont Feller. Der Bedarf an Kakao wird weltweit steigen, kündigen Lebensmittel-Experten an.

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