Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Tests erfolgreich: Tapete tötet Keime ab

Marburger Tapetenfabrik Tests erfolgreich: Tapete tötet Keime ab

Keime sind eine Bedrohung für die Gesundheit. Die Marburger Tapetenfabrik bringt nun eine Neuheit auf den Markt: Eine Tapete, die Keime um 64 Prozent reduziert – die Wirksamkeit ist durch Studien belegt.

Voriger Artikel
Ein Beruf, um das Licht zu beherrschen
Nächster Artikel
Ehrung für neun Jahrzehnte in der Metzgerei

Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, tüftelte jahrelang an einer keimreduzierenden Tapete. Nun hat „Keimex“ in Praxistests ihre Wirksamkeit bewiesen und kommt im September auf den Markt.

Quelle: Andreas Schmidt

Kirchhain. Die Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain, einer der ältesten Tapetenhersteller Europas, gilt in der Branche als Trendsetter, nicht zuletzt durch Kollektionen in 
Zusammenarbeit mit Harald Glööckler, Luigi Colani oder Nena. Doch immer wieder bringt das Unternehmen auch technische Innovationen auf den Markt, entwickelte beispielsweise einen Wandbehang, der Räume abhörsicher macht. Nun kommt eine weitere Neuerung auf den Markt: Eine Tapete, die aktiv Keime zerstört.

Die Idee zu „Keimex“, wie der neue Wandbelag heißt, hatte Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain, schon seit geraumer Zeit. „Die Keimreduzierung beschäftigt mich schon seit Jahren“, sagt er. Immer wieder hat er an der Tapete getüftelt, experimentierte mit Silber-Ionen, war aber mit dem Ergebnis lange Zeit nicht zufrieden. „Zwar erhielt ich dann eine antibakteriell ausgerüstete Tapete, aber die bot keinen Mehrwert“, fasst Eitel seine Versuche zusammen. Doch dann kam der Durchbruch – Ullrich Eitel entwickelte eine Emulsion auf Basis von Silber-Ionen und Nano-Partikeln, deren Rezeptur er jedoch geheim hält.

Tapete im UKGM getestet

Mit dieser Emulsion wird die neue Tapete beschichtet – und ist dann mindestens sieben Jahre lang aktiv wirksam. Die Tapete ist zudem hautfreundlich und lebensmittelecht.

Über mehrere Monate wurde die Tapete in einem Zimmer der Herzchirurgie im UKGM Marburg getestet. „Ein Zimmer war mit unserer Tapete ausgestattet, ein Vergleichszimmer mit einer herkömmlichen Glasfasertapete, die gestrichen war“, erläutert Eitel. Professor Reinier Mutters habe über 14 Wochen an definierten Stellen von den Wänden in beiden Zimmern Keimabstriche genommen – „heraus kam, dass der Raum mit unserer Tapete 64 Prozent weniger Keime hatte, wie der Vergleichsraum nebenan“, erläutert Ullrich Eitel.

Die Tapete zerstört multiresistente Keime, die sich bisher durch Luftzirkulation im Raum oder Berührung auch an den Wänden absetzten und dort gefährliche Keimherde bilden können.

Beitrag zur Verbesserung der Krankenhaushygiene

Auf diesen Test alleine verließ sich die Tapetenfabrik jedoch nicht: Auch in Altersheimen in Marburg, Wetter und Wetzlar wurde die Tapete in dem Pilotprojekt verwendet – mit denselben Ergebnissen. Somit könne „Keimex“ einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Krankenhaushygiene leisten. Denn bisher sei es so, dass etwa die Robert-Koch-Gesellschaft davon ausgehe, dass Krankenhauswände für eine Keimbelastung keine entscheidende Rolle spielten. „Dieser Test beweist genau das Gegenteil“, erläutert der Geschäftsführer.

Ob Patientenzimmer, Arztpraxen, Altenheime oder auch Kindergärten: Von der keimreduzierenden Wirkung könnten all diese Institutionen profitieren – „das bedeutet für die Einrichter, dass man das Problem der Keime durch eine Wandbekleidung reduzieren kann, die von sich aus die Keime aktiv abtötet.“

Dabei sei der Wandbehang, der ganz normal wie Tapete verarbeitet wird, letztlich nicht teurer, als die bisherige Ausstattung mit Glasfasertapete und anschließendem Überstreichen. „Bei der Verarbeitung spart man sich zudem den Schritt des Streichens“, sagt Eitel, denn die Tapete wird in 17 Farben und mit einer leichten Strukturierung angeboten, zudem lassen sich mittels Digitaldruck auch eigene, großflächige Motive realisieren.

Mehrere Gutachten bestätigen Wirksamheit

Und Eitel erläutert einen weiteren Vorteil von „Keimex“: „Wenn es in einem Raum eine Belastung durch Staphylokokken oder MRSA oder ähnliches habe, kann ich durch einfaches Abwischen mit einem Desinfektionsmittel die Fläche reinigen.“ Das sei bei herkömmlich verarbeiteten Glasfasertapeten so nicht möglich. „In der Regel werden diese Tapeten nämlich mit Latexfarben gestrichen. Und die Zerklüftungen und Hohlräume dieser doch recht heterogenen Fläche ist dazu geeignet, dem Keim ein Wachstumspotenzial zu geben.“

„Keimex“ besitze zwar auch eine Struktur, „aber diese ist rund, sodass sie mit einem Flächendesinfektionsmittel abgewischt werden kann. Zudem wirkt die Tapete ja aktiv auf die Keime ein“.

Gerade, wenn ein MRSA-Patient auf einem Zimmer gelegen habe, müsse dieses aufwendig desinfiziert werden. Der finanzielle Aufwand sei enorm – dank der Tapete aus Kirchhain ließe sich dies vermeiden.

Die Wirksamkeit ist mittlerweile durch vier Gutachten bestätigt – sowohl von den „Hohenstein Laboratories“, dem „Textile Competence Centre“ in Belgien und durch zwei Gutachten vom UKGM.

„Durch den Einsatz von ,Keimex‘ wird die Kontamination mit Erregern sehr deutlich reduziert, die Sicherheit des Patienten durch Schutz vor einer Infektion wird erhöht“ – zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten von Professor Reinier Mutters, dem Leiter der Krankenhaus­hygiene am UKGM Marburg.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr