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Marburger Koch klagt gegen sittenwidrigen Lohn

Arbeitsgericht Marburger Koch klagt gegen sittenwidrigen Lohn

Wegen Zahlens von sittenwidrigem Lohn und Lohnwucher klagte ein ehemaliger Koch der Marburger Kneipe „Hugos“ gegen seinen Arbeitgeber vor dem Marburger Arbeitsgericht und forderte rund 38.000 Euro Gehaltsnachzahlung.

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Ein Koch der Marburger Kneipe „Hugos“ klagte wegen Zahlung von sittenwidrigen Lohns am Freitag vor dem Arbeitsgericht auf Gehaltsnachzahlungen in Höhe von 38.000 Euro.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Als interessante Klage, die nicht nur eine Person, sondern die ganze Kneipenlandschaft Marburgs betreffe, beschrieb Arbeitsgerichtsdirektor Hans Gottlob Rühle die Klage eines Kochs gegen seinen Ex-Arbeitgeber. Ein Urteil zugunsten des Kochs könne zahlreiche Klagen anderer Kneipenangestellter nach sich ziehen.

Der Kläger gab vor Gericht an, von August 2006 bis November des Jahres 2008 bei „Hugos“ in der Marburger Innenstadt gearbeitet zu haben. „Dabei hat er bei einer Vollzeitbeschäftigung mit 40 Stunden pro Woche einen Bruttolohn von 1.100 Euro im Monat erhalten“, erklärte die Rechtsanwältin des Klägers, Martina Lehne. Das entspreche einem Stundenlohn von gerade mal 6,32 Euro.

Ein ausgelernter Koch mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung, so ergänzte Rühle später, dürfe laut Gastronomie-Tarifvertrag allerdings mit 2.523 Euro im Monat, beziehungsweise zwischen 10,45 und 10,98 Euro Stundenlohn rechnen. „Da liegen sie weit darunter. Das kann schon als sittenwidriger Lohn gelten“, erklärte Rühle dem Inhaber der Marburger Kneipe „Hugos“, Holger Berghöfer.

Dieser verteidigte sich damit, dass er seinem Angestellten in den Jahren 2007 und 2008 jeweils durchschnittlich 1.228 und 1.225 Euro im Monat gezahlt habe. „In Marburg ist es außerdem die Regel, so wenig zu bezahlen. In anderen Restaurants und Kneipen gibt es auch nicht mehr Geld“, betonte Berghöfer. „Dennoch unterschreiten Sie das, was laut Bundesarbeitsgericht ein faires Entgelt ist, deutlich“, sagte Rühle zu Berghöfer im Versuch, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln.

Am Ende einigten sich Kläger und Beklagter auf die Zahlung von 2 500 Euro, die sofort und vor den Augen der Richter übergeben werden mussten. In Richtung des Klägers meinte Rühle: „Es ist besser, Sie nehmen das wenige Geld sofort, als dass wir Ihnen mit einem Urteil viel Geld zusprechen, dass wegen mangelnder Zahlungsfähigkeit nie gezahlt werden kann.“

von Katharina Kaufmann

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