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Marburger Architekt Ehrig ist insolvent

Insolvenz Marburger Architekt Ehrig ist insolvent

Die Planungs- und Ingenieurgesellschaft Ehrig des Marburger Architekten Mathias Ehrig hat am 1. Dezember Insolvenz angemeldet. Sie hatte das Stadtbild Marburgs maßgeblich geprägt.

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Die Gebäude in Marburgs „neuer Mitte“ stammen aus der Feder des Architekten Mathias Ehrig.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ob die „neue Mitte“ mit dem Volksbank-Gebäude und Cineplex, den Rosenpark oder die Adolf-Reichwein-Schule – an allen Bauten war die Gesellschaft beteiligt.

Das Gefahrenabwehrzentrum des Landkreises entwarf der Architekt ebenso, wie er den Umbau des Kaufhauses Ahrens begleitete. Das Stadtallendorfer Rathaus entsprang seiner Feder, den Umbau der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain begleitete das Planungsbüro, für Vitos Gießen-Marburg war Ehrig im Einsatz.

Auch im „Kleinen“ zeichnete sich Ehrig aus: Etwa beim Anbau an das Tierheim in Marburg ebenso wie durch sein soziales Engagement. Dabei waren Ehrigs Arbeiten immer von der Liebe zum Detail genauso geprägt wie von technischen Raffinessen – gepaart mit dem Blick auf die Energie-Effizienz. Doch nun musste der Diplom-Ingenieur Insolvenzantrag stellen – am 1. Dezember wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Betrieb kann nicht weiter laufen

„Der Antrag ist ordnungsgemäß und fristgerecht erfolgt“, sagt Rechtsanwältin Gundula Pierson. Sie wurde vom Gericht als Insolvenzverwalterin eingesetzt. Die Gesellschaft sei vor allem durch den Einbruch von Aufträgen, „bei denen bereits Vorplanungen erfolgt sind, aber sich die Aufträge leider sehr lange herausgezögert haben, sodass es letztlich für Herrn Ehrig nicht mehr tragbar gewesen ist“, in die wirtschaftliche Schieflage geraten.

Es habe sehr gute Planungen im Rohstatus gegeben, dann seien aber immer Hindernisse aufgetaucht – wie beispielsweise fehlende Genehmigungen. „Da er aber konzeptionell eher für Großprojekte und weniger für Einfamilienhäuser arbeitet, ist er auf die öffentliche Hand angewiesen“, erläuterte Gundula Pierson auf Anfrage der OP.

In diesem Sektor habe es bereits „Projekt-Anfragen und Vorplanungen“ gegeben – diese seien aber „bedauerlicherweise nicht in dem Zeitrahmen zu Aufträgen erstarkt, wie dies finanziell zur Aufrechterhaltung des Geschäfts notwendig gewesen wäre“. Den Geschäftsbetrieb über ein dreiviertel Jahr aufrechtzuerhalten, wenn die Aufträge letztendlich verpufften, sei schlichtweg unmöglich gewesen.

Ehrig „mental sehr angeschlagen“

Die Insolvenzverwalterin betont, dass der Insolvenzantrag fristgerecht und ordnungsgemäß gestellt worden sei – „nicht, dass jemand meint, es sei irgendetwas verschleppt worden“. Mathias Ehrig habe sich nicht nur persönlich, „sondern auch finanziell sehr stark für die Firma eingesetzt“. Der Betrieb wurde bereits im September stillgelegt, den Mitarbeitern musste der Architekt die Kündigungen aussprechen. „Bedauerlicherweise war eine Fortführung nicht möglich“, so Gundula Pierson.

Mathias Ehrig selbst sieht sich derzeit nicht imstande, persönlich Auskunft zu geben. Sein Anwalt, Torsten Steinwachs, erläuterte im Gespräch mit der OP, dass sein Mandant „mental sehr angeschlagen“ sei, da ihn die Situation stark belaste. Es befände sich derzeit „sehr viel in der Schwebe, er muss das erst mal verarbeiten. Architekten arbeiten mit dem Kopf, daher muss er den Kopf wieder frei haben, um sich zu äußern – und das ist im Moment nicht der Fall“, so Steinwachs.

Auch der Anwalt sieht die Gründe für die Insolvenz in der Tatsache begründet, „dass von der öffentlichen Hand nicht mehr viel kam, viele Aufträge waren in der Schwebe, aber es gab nichts Konkretes“. Aus insolvenzrechtlichen Gründen habe Ehrig daher die Reißleine ziehen müssen. „Wenn es keine konkreten Aufträge gibt, dann ist das leider der richtige Schritt“, erläuterte Steinwachs.

Zahlen in Hessen stabil

Dank der stabilen Konjunktur und der Rekordbeschäftigung sind in diesem Jahr in Deutschland erneut weniger Unternehmen und Privatleute in die Pleite gerutscht. Frankfurt. Dabei sank die Zahl der Firmeninsolvenzen um 8,9 Prozent auf 23 800 und damit auf das niedrigste Niveau seit Einführung der Insolvenzordnung vor 15 Jahren, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform gestern in Frankfurt mitteilte.

Schon im kommenden Jahr dürfte die Gesamtzahl der Pleiten nach Einschätzung von Creditreform aber erstmals seit 2010 wieder steigen. Zum vierten Mal in Folge mussten auch weniger Privatleute den Gang zum Amtsgericht antreten. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank nach den Angaben um 4,9 Prozent auf 86 900 Fälle (Vorjahr: 91 360)

von Andreas Schmidt

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