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Marburger Anwälte in "Focus-Liste"

Ranking Marburger Anwälte in "Focus-Liste"

Als Fachanwältin freut sich Gisela Falk, dass sie einen Top-Platz im Focus-Sonderheft bekommen hat. Als Vorsitzende des Marburger Anwaltvereins empfiehlt sie allerdings Verbrauchern, nicht nach Rankings zu schauen.

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Gisela Falk.Foto: Laackmann

Quelle: PSL FOTOSTUDIOS LAACKMAN MARBURG

Marburg. Drei Marburger Anwälte haben es in die „große“ Focus-Liste geschafft. Das Magazin hat ein Sonderheft zum Thema „Top-Anwälte“ herausgebracht, darin finden sich in den einzelnen Spezialgebieten Rankings. Unter den 790 „Top-Anwälten“ sind die Fachanwälte für Familienrecht Klaus Weil (Kanzlei Weil + Di Cato) und Gisela Falk (Kanzlei Falk Fachanwälte) sowie Volker Schmidt, Fachanwalt für Miet- und Wohneigentumsrecht (Kanzlei Becker, Schmidt & Kollegen) aufgeführt. „Die Marburger Anwaltschaft ist auf Bundesebene gut vertreten. Natürlich freut mich so eine Auszeichnung persönlich. Das ist eine Bestätigung, wer braucht die nicht? Aber man muss diese Liste auch richtig einordnen“, sagt Gisela Falk. Sie ist Vorsitzende des Marburger Anwaltvereins, auch Volker Schmidt gehört dem Vorstand des Marburger Anwaltvereins an. Und dieses Gremium hat eine klare Position zum Thema Empfehlung von Anwälten: Wer auf der Suche nach einem Juristen ist, sollte bei der für Marburg zuständigen Rechtsanwaltskammer in Kassel, beim Marburger Anwaltverein oder Deutschem Anwaltverein nachschauen. Auch die Mundpropaganda kann eine sehr gute Entscheidungsgrundlage sein, so Falk.

Sie erklärt, warum sie die Focus-Liste kritisch sieht: „Marburg hat viele Top-Anwälte, die nicht aufgeführt werden. Die Liste ist nur eine Auswahl, die der Focus getroffen hat“. In Deutschland gibt es rund 160000 Rechtsanwälte, gut 20 Prozent sind Fachanwälte. Die Focus-Liste basiert auf den Empfehlungen von mehr als 4200 Fachanwälten, die von 16703 Befragten geantwortet hatten. Zusätzlich wurden „Mandantenbewertungsportale“ ausgewertet, heißt es. Es habe also nur ein kleiner Teil den Focus-Fragebogen beantwortet und seine persönlichen Empfehlungen abgegeben, so Falk. Dennoch sagt sie: „Kollegen-Empfehlungen sind vom Grundsatz her ein guter Maßstab. Am besten sind sogar die Gegnerempfehlungen“.Die Befragten durften nur Kollegen außerhalb ihrer Kanzlei aufführen, die sich ihrer Meinung nach durch große Kompetenz und Erfahrung auszeichneten. Letztendlich habe aber nur ein Bruchteil von Anwälten - also 4200 von 160 000 - an der Befragung teilgenommen, stellt Falk klar. In der Liste seien viele „gut vernetzte“ Fachanwälte aus dem Frankfurter Raum, sagt Falk.

Auch seien in der Focus-Auswahl Kollegen, die Mandanten nur nach vorheriger Honorarvereinbarung aufnehmen. Was ist mit Menschen, die staatliche Prozesskostenhilfe bekommen und daher keine individuell vereinbarten Sätze zahlen können? „In Marburg ist unser Selbstverständnis, dass wir Anwälte diese Menschen genau so engagiert und qualifiziert unterstützen wie andere Mandanten auch“, sagt die Vorsitzende des Anwaltvereins. Dass im Focus-Sonderheft Anwälte, die in ganz Deutschland unterwegs sind, als besonders gut dargestellt werden, sei nicht nachvollziehbar, so Falk. Für Mandanten in Marburg sei es nur von Vorteil, wenn ein Anwalt die Gerichte und Personen im Bezirk kenne. „Was hat der Mandant in Marburg davon, wenn ich oft in Köln wäre?“, so Falk. Sie rät daher, Kollegen aus dem Landkreis zu beauftragen. „Ab Gießen sind die Stundensätze auch höher, die orientieren sich an Frankfurt“, so Falk.

Mandanten nicht bankrott machen

Allerdings betont sie erneut, dass man nicht unbedingt nach Stundensätzen abrechnen muss, sondern man sich nach dem Streitwert richten kann. Auch hier sollte man genau nachfragen, was als solcher definiert wird. Sind sich Paare schon im Vorfeld einig, wer das Haus bekommt, sei die Immobilie eigentlich nicht mehr der Gegenstandswert, sondern nur die Modalität, wer wann wie auszieht, so ein Beispiel.

Im Focus-Sonderheft wird ausführlich ein Gießener Anwalt dargestellt, der von sich erklärt, er sei kein Psychologe, der sich wiederholt mit Mandanten berate. Er komme als Anwalt mit Frauen besser zurecht, er vertritt in Scheidungssachen häufig die Gattinnen. „Die Frauen brauchen einen richtigen Kerl, einen Fels in der Brandung“, sagt er im Focus-Bericht. Falk, die den Kollegen kennt, kontert: „Wer so einen Spruch loslässt, gockelt am Leben vorbei.“ Natürlich sei ein Familienrechtler kein Psychologe, aber „wir vertreten Menschen juristisch in einer schwierigen Lebenssituation“.

von Anna Ntemiris

Man müsse sensibel handeln, damit die Würde einer Beziehung aufrecht erhalten wird. Insbesondere wenn die Partner Kinder haben, sollte ein Anwalt behutsam auf die Kommunikation und Wortwahl achten. „Und man muss darauf achten, dass man die Menschen nicht bankrott macht durch ein Verfahren.“ Sie rät Mandanten, das Thema Gebühren anzusprechen und sich die Rechnung erklären zu lassen.

Falk will aufgrund ihrer grundsätzlichen Kritik darauf verzichten, das „Focus-Siegel“ „Top-Rechtsanwalt 2013“ in ihrem Briefkopf zu führen. Die Siegel-Lizenz kostet für ein Jahr 7500 Euro. Dies habe einen Beigeschmack, so Falk.

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