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Lösungen für die Arbeitswelt im Wandel

„Xing New Work Campus“ Lösungen für die Arbeitswelt im Wandel

Wie verändert sich die 
Arbeitswelt? Was erwartet die „Generation Y“ von einem Unternehmen? Und: Wie können Firmen von der Transformation profitieren? Diesen Fragen spürte der „Xing New Work Campus“ nach.

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Ein Selfie zum Aufwärmen: Ali Mahlodji, Gründer der Plattform „Whatchado“, zeigte anhand seines Lebenswegs auf, dass man sich an das Umsetzen von Ideen wagen soll – auch, wenn das Umfeld sagt, dies sei nicht möglich.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Für Wolfram Sauer vom „New Work Team“ bei Xing ist klar: „In den kommenden Jahren wird sich die Arbeitswelt dramatisch verändern – und das muss sie auch.“

Denn: Die Generation, die nun ins Arbeitsleben ströme, also die „Generation Y“, zeichne sich dadurch aus, „dass sie bewusst nachfragt und andere Werte vermittelt ­bekommt“.

Sie stelle andere ­Ansprüche an die Arbeitswelt. Und damit Unternehmen diese Generation an sich binden können müssen sie bereit sein, neue Arbeitsprozesse zuzulassen.

„Wir erleben, dass derzeit drei Dinge zusammenkommen“, sagt Sauer, „der Fachkräftemangel, die Digitalisierung und diese neue Generation, bei der sich die Unternehmen bewerben – und nicht mehr umgekehrt.“ Daher würde die „Generation Y“ von den Arbeitgebern auch Dinge einfordern – die Firmen müssten also reagieren, wenn sie weiterhin erfolgreich sein wollten.

Wie diese „Generation Y“ tickt, verdeutlichte Ali Mahlodji­ in seiner unterhaltsamen Key­note, die eng an seine Lebensgeschichte angelehnt war. Geboren in Teheran, flüchteten seine Eltern vor dem Regime und kamen über Umwege nach Österreich. „Aufgewachsen bin ich in einem Flüchtlingsheim vor Wien“, sagte Mahlodji. „Ich bin in Wien als ein fremdes Kind in einer fremden Welt zur Schule gegangen – und irgendwann wurde ich gefragt, welchen Job ich machen will.“

Plattform als „Handbuch mit Lebensgeschichten“

Eine Antwort habe er nicht geben können – denn „ich wollte erst mal alle Jobs kennenlernen, die es auf der Welt gibt“. Das war nicht möglich – doch schon als Kind war diese Idee der Grundstein für Mahlodjis Plattform „Whatch­ado“, auf der er mit seinem Team die beruflichen Geschichten von mittlerweile rund 5600 Menschen im Video eingefangen hat. „Alle wurden gleich behandelt – vom Manager bis zum Arbeiter“, sagte er.

Denn allen Menschen habe er dieselben sieben Fragen gestellt. Warum? Ganz einfach: „Wenn ich Polizist werden will, kann ich mir im Internet einen Folder downloaden, wie das geht. Aber erst, wenn ich mit zehn Polizisten spreche, werde ich sehen, dass jeder einen anderen Werdegang hat.“

Und genau diesen Werdegängen spürt „Whatchado“ nach, als ein „Handbuch mit Lebensgeschichten“. Die Plattform ­solle Orientierung bieten und – ähnlich, wie bei Dating-Seiten – anhand eines Profils mögliche Berufe vorschlagen. Er plädierte dafür, an Ideen festzuhalten – auch, wenn es im Umfeld heiße, diese ließen sich nicht umsetzen. Denn: „Vielleicht passt die Idee nur nicht in deren Weltbild.“

Hinzu komme: Erfüllung im Job finde man nur, wenn die ­Arbeit wirklich Spaß mache. ­Immerhin verbringe man jeden­ Tag rund zwölf Stunden mit Dingen, die sich mit der Arbeit beschäftigten. „Die Arbeitswelt verändert sich: Leute, die heute von der Schule abgehen, haben bis zum Eintritt in die Rente mehr als zehn Arbeitsverhältnisse gehabt“, sagte Mahlodji. Früher habe man das als „Job-Hopping“ bezeichnet, „heute­ sagt man, die Person hat sich weiterentwickelt“. Es gelte zu akzeptieren, „dass nicht der Stärkste oder der Intelligenteste überlebt –, sondern der, der bereit ist, sich auf neue Dinge einzulassen“.

Mitarbeiter organisieren sich selbst in Teams

Sich auf neue Dinge einlassen war auch das Thema beim Maschinenbauer Heermann – einem Hersteller von Bandsägen mit gut 100-jähriger Tradition. Doch die Firma stand am Scheideweg: Von ehemals 60 Bandsägen-Herstellern „gibt es heute nur noch uns – alle anderen sind abgewandert. Und uns gibt es nur noch, weil wir uns auf Sonderlösungen eingelassen haben“, verdeutlicht Marco Niebling vom Unternehmen. So baue man beispielsweise Sägen, „die Salatköpfe vom Feld herunterschneiden oder die die Landeklappen vom A380 sägen“.

Ein Großauftrag aus Russland vor vier Jahren stellte das Unternehmen vor große Herausforderungen, „wenn es gefloppt wäre, hätte es unseren Ruin bedeuten können“, so Niebling. „Das hat uns auf die Reise gebracht, uns mit Arbeitsformen zu ­beschäftigen“, erzählt er. Er habe­ ein klassisches Projekthandbuch entwickelt, in dem Prozesse starrer organisiert und Aufgaben und Zuständigkeiten detaillierter festgelegt wurden.

Doch letztendlich sei klar geworden: Diese Lösung bringe das Unternehmen nicht weiter. Vielmehr setzte Heermann Sägen auf ein agiles Projektmanagement. Das mittlere Mana­gement wurde aufgelöst, den ­Mitarbeitern kamen andere Aufgaben zu, klassische Hierarchien wurden aufgelöst.

Die Mitarbeiter organisieren sich nun innerhalb mehrerer Arbeitsteams eigenständig und wählen ihre jeweiligen Teamsprecher selbst. Zusätzliche Personalentwicklung unterstützt diesen Fokus auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und auf das Fördern individueller Potenziale.

Durch die Veränderungen ist die Produktivität laut Niebling um 17 Prozent gestiegen. Kundenanfragen könnten schneller bearbeitet werden, die Zufriedenheit der Mitarbeiter sei gewachsen. „Der Weg war nicht leicht“, gibt Niebling zu. Aber der Erfolg zeige: Die neue Struktur mache sich bezahlt – nicht nur finanziell, das Unternehmen sei nun auch als Arbeitgeber beliebter, finde somit leichter benötigte Fachkräfte.

von Andreas Schmidt

 
 
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