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Lkw donnern vorbei, Strom fällt aus

Schule für Medizinisch-Technische Assistenten Lkw donnern vorbei, Strom fällt aus

Im Streit zwischen Universität, Land und UKGM werde die MTA-Schule zerrieben, sagt die Leitende Lehrkraft Editha Ernst. Das UKGM verspricht: Die Zukunft der MTA-Schule in Marburg sei gesichert.

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Editha Ernst im Labor der MTA-Schule. Ein Laster fährt am Fenster vorbei. Der Zustand sei wegen der Bauarbeiten unerträglich, die Ausstattung des Labors teilweise veraltet. Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Die Schimmelpilze waren schlimmer als die Maden“, sagt Editha Ernst, Leitende Lehrassistentin der MTA-Schule am UKGM. Sie berichtet nicht von Versuchen in den Laboren, sondern von den Arbeitsräumen. „Wir arbeiten in Bruchbuden“, sagt Editha Ernst. Sie fügt aber gleich hinzu, dass die Probleme mit den Maden und Schimmelpilzen inzwischen beseitigt seien, unter anderem weil die Baracke in der Bahnhofstraße nicht mehr von der Schule genutzt wird. „Einmal habe ich persönlich die damalige Geschäftsführerin mit Schimmelpilzproben aufgesucht. Das hat gewirkt“, erinnert sich Editha Ernst.

Der Haupt-Sitz der MTA-Schule befindet sich seit Jahrzehnten im Gebäude des Schwesternwohnheims in der Deutschhausstraße. Dort ist die Großbaustelle für den Campus Firmanei. „Diese Umgebung ist für uns seit Monaten grausame Realität, ohne berechtigte Hoffnung auf baldige Verbesserung“. Da das Schwesternwohnheim abgerissen werden soll (die OP berichtete), fragt sich auch die Schule, wohin sie wirklich ziehen wird, und befürchtet eine weitere Notlösung. Während nun „Baukräne, riesige Lastwagen und Bagger durch die schadstoffgeschwängerte Luft donnern, versuchen unsere Schüler hier ihre anspruchsvolle Ausbildung zu absolvieren“, sagt sie.

Vor einigen Wochen sei es wegen der Bauarbeiten zum Stromausfall gekommen. Die Folge: Materialien im Gefrierschrank, RNA, DNA und wertvolle Enzyme im Wert von mehr als tausend Euro mussten vernichtet werden. Wie viele Arbeitsstunden damit umsonst waren, habe man nicht gezählt.

Nicht erst seit der Baustelle, sondern seit 2009 versucht Editha Ernst auf die Arbeitsbedingungen ihrer Kollegen und Schüler aufmerksam zu machen - ein dicker Ordner mit Beschwerdemails dokumentiert dies. „Ich laufe gegen die Wand, keiner interessiert sich für uns“.

Erst Freude über Privatisierung, jetzt Frust

Mit dem Verkauf des Universitätsklinikums an Rhön ging auch die MTA-Schule vom Land ans Unternehmen. Auszubildende und Ausstattung der Schule liegen nicht mehr in ihren Händen, sagt die Uni. Das Problem aus der Sicht von Ernst: „Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten „gar nichts in die Ausstattung der MTA investiert.“ Würde Rhön nun neue Räume für die Schule bieten, müsste die Ausstattung modernen Ansprüchen genügen. Die Uni wiederum verweise darauf, dass das UKGM nun für diese Investitionen zuständig sei. „Wir werden im Streit zwischen Land, Uni und UKGM zerrieben“, sagt Ernst.

„Mit der Privatisierung des UKGM trat zunächst eine Verbesserung für uns ein. Wir erhielten zügig wichtige und moderne Geräte, die wir benötigen“, sagt Editha Ernst. Auch sei sie bei der Geschäftsführung auf Verständnis gestoßen, „dann gab es ständig wechselnde Geschäftsführungen und in letzter Zeit tut sich nichts“. Für sie persönlich drängt die Zeit nicht - Edita Ernst wird im März in die aktive Phase ihrer Altersteilzeit gehen.

Dennoch ist ihr das Schicksal ihrer Kollegen wichtig. „Ich will, dass die Situation der Schule verbessert wird, auch wenn ich nicht mehr davon profitieren werde. MTA ist ein begehrter Beruf mit guten Jobaussichten und die Ausbildung in Marburg hat ein hohes Niveau, trotz der widrigen Umstände, die unsere Arbeit extrem belasten“. Im Gespräch mit der OP teilen Kollegen mit, dass sie die Kritik ihrer Vorgesetzten teilen, sich aber nicht an die Öffentlichkeit wenden wollen, aus Angst um ihren Arbeitsplatz.

Schüler pendeln zwischen drei Standorten

Ein weiterer Punkt, den Ernst immer wieder anspricht: Die Veranstaltungen der rund hundert Schüler finden an verschiedenen Orten statt. Die Deutschhausstraße ist zwar der Sitz, aber die Funktionsdiagnostik ist in der Wilhelm-Röpke-Straße untergebracht. Die Radiologie-Auszubildenden pendeln zwischen Deutschhausstraße und den Lahnbergen. „Es gibt Schüler, die dreimal am Tag den Unterrichtsort wechseln müssen. Morgens von 7.30 bis 9 Uhr sind einige in der früheren Nervenklinik am Ortenberg, dann müssen sie hierher in die Deutschhausstraße und nachmittags auf die Lahnberge. Das Mittagessen wird im Bus eingenommen“, fasst Editha Ernst zusammen. „Es gibt in der Stadt und auf den Lahnbergen viele Laborräume, die leer stehen. Die könnten wir so gut gebrauchen.“

Derzeit befindet sich das von der Universität zur Verfügung gestellte Ersatz-Chemikalienlager in einer ehemaligen „Villa Doss“ - neben dem Wohnheim, der Eingang ist verwildert und die Treppe sicher nicht geeignet, Gefahrstoffe zu transportieren, merkt Ernst an. Aber das steht noch nicht in ihrem Beschwerdeordner.

Die OP fragte bei Uni und UKGM nach - kurze Zeit später erhielt Ernst nach eigenen Angaben nun die Nachricht, dass die Universität Ausweichräume auf den Lahnbergen im Fachbereich Chemie stellen wird. Uni-Pressesprecherin Dr. Susanne Igler sagte der OP, Details müssten noch abgestimmt werden, daher könne sie zur Unterbringung zunächst nichts sagen. Die jetzige Baustellensituation betreffe viele Anwohner und Mitarbeiter. Die Schutzvorschriften werden streng eingehalten. „Dass es staubt, ist unumgänglich.“ Aber von Schadstoffen zu sprechen, sei falsch.

UKGM: Schule soll auf die Lahnberge ziehen

„Die Sicherung der Baustelle obliegt der Philipps-Universität, da sie die Auftraggeberin ist. Uns liegen bislang keine Problemberichte in diesem Zusammenhang vor“, sagt UKGM-Pressesprecher Frank Steibli. Er betont aber: „Die Zukunft der MTA-Schule in Marburg ist gesichert.“

Das UKGM stehe in engem Dialog mit der Philipps-Universität, um gemeinsam zu klären, wo die Interimsunterbringung erfolgen soll. Klar sei, „dass der MTA-Schule keine Nachteile entstehen sollen ob des Umstandes, dass das Grundstück von der Uni für deren Ausbaupläne benötigt wird.“ Langfristig soll die MTA-Schule in Räumen des ersten Bauabschnitts auf den Lahnbergen untergebracht werden.

von Anna Ntemiris

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