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Lehrer informieren sich über Ausbildung

Arbeitskreis Schule Wirtschaft Lehrer informieren sich über Ausbildung

Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft informierte sich bei der Dr. Schär Deutschland GmbH in Dreihausen über die Ausbildungsmöglichkeiten 
in verschiedenen Berufen.

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Maximilian Kühn rechts ist seit diesem Jahr Industriekaufmann. Er berichtete den Besuchern über seine Ausbildung bei Dr. Schär in Dreihausen.

Quelle: Manfred Schubert

Dreihausen. Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft Marburg hatte unter dem Titel „Glutenfrei glücklich bei Dr. Schär“ zur Betriebserkundung an deren Sitz und Produktionsstätte in Dreihausen eingeladen. Unter den 18 Teilnehmern waren Lehrer allgemeinbildender und beruflicher Schulen sowie Vertreter der IHK und der Agentur für Arbeit.

„Eine von 100 bis 200 Personen sind von Zöliakie betroffen. Auch einige unserer Mitarbeiter, die deswegen ganz bewusst zu uns gekommen sind“, berichtete Veronika Galinger. Die Personalreferentin erklärte, dass das Unternehmen an den verschiedenen internationalen Standorten ein breites Produktsortiment von Mehl und Brot über Nudeln bis zur Fertigpizza herstellt.

Dr. Schär übernahm 2006 die Produktionsstätte von „3 Pauly“ und rüstete auf glutenfreie Herstellung um. Nur in Dreihausen, Sitz der Dr. Schär Deutschland GmbH, werden Kekse und Cracker hergestellt, die in viele Länder der Welt geliefert werden. 2006 begann man mit 83 Mitarbeitern, mittlerweile sind es 210.

„Wir sind an der Kapazitätsgrenze, produzieren 24 Stunden im Vier-Schicht-System und können trotzdem nicht alle Aufträge bedienen. Deswegen wird das Werk im kommenden Jahr erweitert. Das ist auch ein Grund, warum wir ausbilden“, sagte Galinger.

Herausforderung: Schule ist in Darmstadt

Über seine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik berichtete der im zweiten Lehrjahr stehende Timo Kornemann. Eine besondere Herausforderung sei, dass sich die Berufsschule in Darmstadt befinde. Abwechselnd finden Ausbildungsblöcke im Betrieb und in der Berufsschule statt, was bedeute, um 5 Uhr aufzustehen, Zug zu fahren und manchmal erst um 18 Uhr wieder zu Hause zu sein. Von der Rohstoffannahme und -bereitstellung über die produktspezifische Einrichtung der Produktionslinien, die Überwachung des Produktionsprozesses und Qualitätskontrollen bis zur Palettierung reichen

„Ich war vorher Leiharbeiter, die Tätigkeit hat mir sehr gefallen. Spaß machen die vielen spannenden Projekte, man hat viel Verantwortung, abwechslungsreiche Aufgaben, hohe Übernahmechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten“, erzählte er.

Maximilian Kühn hat in diesem Jahr seine Abschlussprüfung zum Industriekaufmann vorgezogen, ist jetzt angestellt und stellte den Besuchern seine Ausbildung in Dreihausen vor. Er hob den hohen Praxisbezug, spannende Projektarbeiten, die abwechslungsreiche Arbeit, die Übernahme von viel Verantwortung, ein angenehmes Betriebsklima und Arbeitsumfeld, hohe Übernahmechancen und die sehr guten Weiterbildungsmöglichkeiten hervor.

Jede Lieferung wird penibel auf Glutenfreiheit geprüft

„Ich habe noch nie so eine große Gruppe von Menschen erlebt, wo jeder mit jedem gut steht“, sagte er. „Ich fühle mich wohl, seit über drei Jahren komme ich jeden Tag gern hierher“ sagte Kühn.
Jörg Heise, Trainingsbeauftragter und Ausbildungsbetreuer bei Dr. Schär, übernahm anschließend die Führung durch den Produktionsbereich. Normalerweise ein „No go“, wie er unterstrich, zum einen wegen der strengen Hygienevorschriften, zum anderen, weil der Know-how-Schutz wichtig sei. Mit Schutzkleidung ging es durch eine Desinfektionsschleuse in die Produktion.

Im Kühllager warten 130 verschiedene Rohstoffe auf ihren Einsatz. Davor aber muss jede Lieferung kontrolliert werden, auf ihre Qualität und vor allem ihre Glutenfreiheit. Dann werden Teige gemischt, die in großen, bis zu 500 Kilogramm fassenden Behältern geknetet werden.

„Wegen des fehlenden Klebereiweißes sind unsere Teige sehr schwer herzustellen. Das Problem ist, eine Bindung zustandezubringen, deswegen machen das nicht viele Produzenten. Das ist das Know-how unserer Forschungsabteilung“, erklärte Heise.

Auf Förderbändern wird der Teig gewalzt, Plätzchen ausgestochen, die dann in 28 Meter lange Backöfen fahren, am Ende automatisch, zum Teil auch nach einer Nachkontrolle, von Hand verpackt werden. „Es ist wichtig, Betriebe zu kennen. Ich kenne die Schüler, anders als bei der Arbeitsagentur versuche ich, ihnen nur eine Adresse – die passende – zu vermitteln“, unterstrich Rainer Hoffarth, Sprecher des Arbeitskreises Schule Wirtschaft, die Bedeutung solcher Betriebserkundungen. Gleichzeitig warb er um die Teilnahme von Lehrern an diesen Veranstaltungen. Er empfahl, Unternehmen sollten sich nicht scheuen, auch direkt bei Berufsschulen anzurufen und nach geeigneten Bewerbern zu fragen.

von Manfred Schubert

 
 
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