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Ein Protestlied für die Lohngleichheit

Lehrer-Demo Ein Protestlied für die Lohngleichheit

Mit einem Protestzug durch die Stadt forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ein höheres Einstiegsgehalt für Grundschullehrer – für mehr Gerechtigkeit und gegen den Lehrermangel.

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Rund 120 Lehrkräfte demonstrierten am Montag in Marburg dafür, dass auch Grundschullehrer als ­Einstiegsgehalt die Besoldungsstufe A13 erhalten.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Seit mehreren Jahren macht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am 13. November mit Aktionen darauf aufmerksam, dass das Einstiegsgehalt für Grundschullehrer zu niedrig liegt. Diese werden nämlich in der Besoldungsstufe A12 eingruppiert – ihre Kollegen an Gymnasien und Realschulen indes nach A13. Unterschied: Rund 500 Euro im Monat.

„Würden die Grundschullehrer bei der Bezahlung gleich behandelt und nach der Tarifgruppe A13 besoldet, dann hätten sie bereits am 13. November das gesamte Jahresgehalt einer A12-Stelle erhalten, und nicht erst am Jahresende“, verdeutlicht Hille Kopp-Ruthner vom GEW-Kreisverband Marburg-Biedenkopf, warum der Aktionstag auf den 13. November fällt.

Rund 120 Menschen waren dem Aufruf der GEW gefolgt und hatten sich am Montag am Marktplatz versammelt, um für die höhere Besoldung zu demonstrieren. Und das nicht nur mit Fahnen und Trillerpfeifen, sondern mit einem eigenen Lied: Marylin Prange, die weibliche Hälfte des Akustikduos „Saitenblick“ und Mitglied der GEW, hat den Song „Drum auf“ getextet, mit dem sie auf die Nöte der Grundschullehrer aufmerksam macht.

Die erläutert Kopp-Ruthner im Gespräch mit der OP: „Früher hatten Grundschullehrer eine kürzere Studiendauer, darauf begründet sich die unterschiedliche Besoldung. Seit vielen Jahren ist die Ausbildungszeit aber genauso lang, wie die der Haupt- und Realschullehrer.“ Zudem hätten die Grundschullehrer mit 28,5 Stunden die „höchste Unterrichtsverpflichtung bundesweit“ – die Regelung sei also diskriminierend. Und sie habe auch bereits Auswirkungen: So gebe es zu wenige Grundschullehrer, „in Marburg wird dies durch das Studienseminar noch ausgeglichen, sodass der Pflichtunterricht stattfinden kann“, so Kopp-Ruthner. In Frankfurt würden bereits Studierende eingesetzt, die zwar hoch engagiert seien, „aber ­
denen fehlt die Ausbildung“.

Lehrerdemo in Marburg. Foto: Andreas Schmidt

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Der Lehrkräftemangel sei so extrem, dass es nun ein Ausbildungsangebot für Gymnasiallehrer gebe, das Grundschulprogramm „aufzusatteln. Das ist natürlich dann nicht attraktiv, wenn die Lehrer im Anschluss nur A12 bekommen und dann auch noch mehr arbeiten müssen“. Dennoch gäbe es in Marburg bereits fünf Lehrer, die diese Ausbildung absolvierten.

Doch mittlerweile gebe es Hoffnung. Denn Berlin und Brandenburg hätten entsprechende Regelungen zur Besoldung bereits umgesetzt, auch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen habe erklärt, die gleiche Besoldung nun umzusetzen.

Für Kopp-Ruthner ist klar: „Grundschullehrer brauchen keine warmen Worte und Sonntagsreden, sondern eine Aufwertung ihrer Besoldung als Ausdruck echter Wertschätzung und Anerkennung ihrer guten Arbeit.“

Die aus den aktuellen Steuerschätzungen für Hessen gingen von erheblichen Mehreinnahmen aus – daher gebe es genügend Spielraum, um Grundschullehrkräfte nach A13 zu ­besolden. Nur so könne die pädagogische Professionalität an den Grundschulen nachhaltig sichergestellt und die gerade für die jüngsten Kinder so wichtige pädagogische Kontinuität ­sichergestellt werden.

„Heute hingegen jongliert das Kultusministerium mit befristeten Verträgen und mit Unterricht für die jüngsten Kinder durch nicht dafür ausgebildete Personen, um den eklatanten Mangel an ausgebildeten Pädagogen auszugleichen“, verdeutlicht Hille Kopp-Ruthner.

von Andreas Schmidt

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