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Leerstand auf Flaniermeile

Marburger Oberstadt Leerstand auf Flaniermeile

Marburg ist beneidenswert: Die Oberstadt hat viele einzigartige und inhabergeführte Läden. Dennoch fällt auf: Viele Schaufenster sind leer.

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Wer von der Untergasse zum Marktplatz oder zur Alten Uni läuft, sieht große leere Schaufenster.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Gerüchteküche brodelt. Händler und Kneipiers kennen die Zutaten dafür: Das neue Jahr hat begonnen, so mancher überlegt(e), das Geschäft zu wechseln, aufzugeben, andere Wege zu gehen. Aus einer losen Idee wird Klatsch, aus Tratsch werden Behauptungen, die in der Stadt kursieren.

Fakt ist, es gibt einige – böse Zungen behaupten zu viele – Leerstände, die Einheimischen schon gar nicht mehr auffallen und einige, die das Stadtbild prägen. Zwei Beispiele: Am Hirschberg, dicht an der Alten Universität, – dort wo auch viele Touristen entlang laufen –, schauen Passanten in ein großes leeres Schaufenster. „Zu vermieten“ steht dort.

Am zugeklebten Eingang des früheren Douglas steht „Wir sind weggezogen“. Und gegenüber hat Jack Wolfskin an seinem Schaufenster rote Rabatt-Plakate aufgeklebt. Der Nachmieter „Vodafone“ kündigt bereits mit roten Ballons seine Neueröffnung an (kleines Foto: Richter).

Ein Kommen und Gehen ist in Marburgs Geschäftswelt nicht neu. Die Mieten sind hoch, der Kampf mit dem Online-Handel hart. Daher setzen die Geschäftsleute in der historischen Altstadt auf das besondere Flair – das die historische Kulisse, aber auch kleine und teils inhabergeführte Läden bieten. Dennoch benötigen auch diese Läden mindestens einen Magneten, der Kaufkraft in die Oberstadt zieht, sagt Friedrich Bode, Vorsitzender des Werbekreis Oberstadt.

Douglas sei so ein Magnet gewesen. Einst hatte der Werbekreis noch befürchtet, dass ein neues Einkaufscenter in der Gutenbergstraße Douglas und weitere Filialisten aus der Oberstadt abziehen könnte. Nachdem aber bekannt wurde, dass das so genannte Gutenbergcenter nicht gebaut wird, hatten sich die Händler gefreut. Nun aber haben Douglas und Jack Wolfskin fast zeitgleich die Oberstadt verlassen. In die Räume des ehemaligen Bekleidungsgeschäfts zieht ein Handyladen – kein Wunschmieter vieler Nachbargeschäfte.

Neu hinzugekommen ist ein paar Schritte weiter die amerikanische Cafékette „Dunkin‘ Donut“. Und auch in der Barfüßerstraße werden bald neue Läden eröffnen oder alte sich erweitern. „Die Barfüßerstraße hatte früher immer Leerstände, das hat sich jetzt geändert“, so Bode. „Wir können nicht viel machen. Denn wir können ja keinen Druck auf Vermieter ausüben.“ Nun sei der Steinweg und neuerdings die Wettergasse betroffen. Immerhin: Zwei neue Schuhgeschäfte sollen in Kürze in der Oberstadt eröffnen.

„Gartenlauben“-Betreiber sucht Nachfolger

Unter den Gastronomen ist noch mehr Bewegung und dort brodelt die Gerüchteküche besonders heiß. Das „Sudhaus“ am Hirschberg, so hieß es im Dezember, mache zu Jahresanfang zu. „Das Gerücht haben wir auch gehört. Aber richtig ist, dass wir Mitte des Jahres ausziehen müssen. Der neue Eigentümer des Hauses hat die Pacht erhöht, wir könnten diese nicht zahlen. Und den Preis wollen wir nicht an unsere Kunden weitergeben“, sagt Felix Schmitz, einer der Geschäftsführer. Das „Sudhaus“ werde aber in der Stadt bleiben, ein Standort werde gesucht.

Auch Hermann Panzer, dessen Familie die „Gartenlaube“ am Steinweg betreibt, sucht jemanden, der die Gaststätte übernehme. „Die Gastronomie ist eine schwierige Sache, eine Herausforderung“, sagt Panzer. Hohe Mieten und der eingeführte Mindestlohn trügen mit dazu bei, dass sich so mancher denke, er arbeite nur noch fürs Finanzamt, so Panzer.

Die „Gartenlaube“ laufe gut, aber er wolle bald in den Ruhestand gehen, so der 63-Jährige. Seine Tochter werde weiterhin den Catering-Betrieb und den Verkauf auf Festveranstaltungen führen. Geschlossen hat das „Mexicali“ an der Elisabethkirche. Diesen Freitag eröffnet allerdings die neue Bar „Morgen“ im früheren „Desbarados“ in der Reitgasse.

von Anna Ntemiris

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