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Lebenshilfe appelliert an Unternehmen

Auftragslage Lebenshilfe appelliert an Unternehmen

Teilhabe und Eingliederung für Menschen mit Behinderung ermöglichen - das sind die Ziele des Lebenshilfewerks. Und dabei muss die Institution auch noch wirtschaftlich agieren - ein Spagat, wie der Vorstand berichtet.

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Der Vorstand der Lebenshilfe Marburg blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: Wolfgang Zöller (von links), Horst Viehl und
Roland Wagner fordern unter anderem verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Rund 900 Menschen mit mit geistiger und seelischer Behinderung betreut das Lebenshilfewerk (LHW) Marburg-Biedenkopf. Und manche davon quasi doppelt. Denn: 816 arbeiten in den unterschiedlichen Feldern der Werkstätten, 286 werden in den Wohnstätten betreut. „Dort gibt es Überschneidungen“, erläutert Wolfgang Zöller, Vorstandssprecher des LHW. „Einige Menschen, die in den Werkstätten arbeiten, leben auch in unseren Wohnstätten.“

„Wir wollen für die Menschen attraktive Wohn-, Betreuungs- und Beschäftigungsangebote vorhalten“, sagt Zöller. Dabei liege das Augenmerk auch darauf, dass das LHW wirtschaftlich gesund bleibe und alle Arbeitsplätze gesichert würden. „Die Finanzen müssen stimmen“, sagt Zöller. Doch das sei in der derzeitigen Situation nicht so leicht, wie etwa das Feld der Werkstätten zeige. Dort gibt es die Lahnwerkstätten Marburg mit 345 Beschäftigten, die Hinterländer Werkstätten in Dautphetal mit 207 Beschäftigten, die Reha-Werkstätten, in denen 171 Menschen arbeiten, und die so genannte Außenarbeit, bei der 93 Menschen mit Behinderung in unterschiedlichen Firmen arbeiten.

„Besonders gelungen ist die Integration etwa bei der Firma CFS in Wallau“, berichtet Roland Wagner, Vorstand des Geschäftszweigs Werkstätten. „Dort arbeiten 14 Menschen, die komplett in das Unternehmen integriert sind.“

Aufträge rückläufig

Die Werkstätten genössen einen hervorragenden Ruf, „sie stehen für Zuverlässigkeit und eine hohe Qualität bei guten finanziellen Konditionen“.

Doch Wagner weiß auch: „Die Industrieaufträge sind rückläufig, das stellt uns vor zunehmende Probleme.“ Die Unternehmen stünden unter einem stetig wachsenden Kostendruck, gepaart mit einer steigenden Automatisierung - so bliebe für die Behinderten des LHW weniger Platz. „Daher appellieren wir an die Wirtschaft zu prüfen, ob sie Industrieaufträge an unsere Werkstätten vergeben können“, so Wagner. Problematisch sei die Integrationsfirma „Lebensmittelpunkt gGmbH“, die etwa in Marburg das Tegut-Lädchen in der Psychiatrie am Ortenberg betreibt. „Es ist bisher nicht gelungen, weitere Betriebszweige zu generieren“, verdeutlicht Wagner. Dennoch gebe es etwa in dem Lädchen eine positive Entwicklung der Umsatzzahlen - was auch der Tatsache geschuldet ist, dass dort drei Wohneinrichtungen und Bistros der Lebenshilfe einkaufen.

Die Quote dieser Außenarbeit insgesamt liege bei 14 Prozent - „damit liegen wir hessenweit auf dem Spitzenplatz“, verdeutlicht Wolfgang Zöller.

Der Geschäftszweig Wohnen des LHW wurde laut Bereichsvorstand Horst Viehl in den vergangenen Jahren sukzessive zu einem Wohnverbund ausgestaltet, in dem unterschiedliche Angebote ineinander greifen.

Mehr ambulante Angebote

In den acht Häusern des „Stationären Wohnens“ würden Menschen mit hohem Pflege- und Betreuungsbedarf sowie mit „herausforderndem Verhalten“ aufgenommen. Und seit 2007 sei das LHW der Forderung nachgekommen, das ambulante Wohnen erheblich auszubauen. „Das Besondere daran ist, dass dort auch zunehmend Menschen mit einem erheblichen Unterstützungsbedarf leben, die vorher üblicherweise stationär betreut wurden“, erläutert Viehl. So könne man auch in dieser Wohnform bei Bedarf eine „Rund um die Uhr-Betreuung“ anbieten.

Viehl vermisst jedoch verlässliche Rahmenbedingungen durch die Politik. Schließlich gelte es, beispielsweise auch Raum für älter werdende Menschen mit Behinderung ebenso zu schaffen, wie die Arbeitsplätze in Betreuung und Pflege attraktiver zu gestalten. „Lohndumping darf in diesem Arbeitsbereich keinen Raum erhalten“, so Viehl. Auch müsse die Bürokratie immens abgebaut werden.

von Andreas Schmidt

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