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Landkreis macht den Aufwärtstrend nicht mit

Arbeitslosenquote steigt Landkreis macht den Aufwärtstrend nicht mit

Nach einem leichten Anstieg im Vormonat ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis nun gesunken – im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen jedoch weiter leicht an, entgegen dem Bundes- und Landestrend.

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 Ein Gebäude der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Im Landkreis waren im Juni 5 070 Menschen arbeitslos gemeldet – das sind 156 oder 3 Prozent weniger. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es jedoch einen Anstieg bei der Arbeitslosenzahl um 135 Personen oder 2,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,9 Prozent.

Für Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Marburger Agentur für Arbeit, ist dies jedoch kein Anlass zur Sorge – „der Arbeitsmarkt präsentiert sich sehr robust, wir sind weiterhin auf Erfolgskurs“, sagt er. Der leichte Anstieg sei vor allem migrationsbedingt, immer mehr Asylsuchende würden auf dem Arbeitsmarkt ankommen. So stieg die Zahl der arbeitslosen Ausländer innerhalb eines Jahres von 1 004 auf 1 361 – ein Plus von 35,6 Prozent oder 357 Personen.

Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit gab es einen ähnlichen Anstieg – um 37 Prozent auf 578 Personen. „Man kann fest davon ausgehen, dass es sich zum Teil um dieselben Personen handelt“, erläutert der Bereichsleiter.
„Durch die gute Zusammenarbeit der Fachdienste Asyl bei Landkreis und Stadt sowie dem Arbeitsmarktbüro gelingt es uns besser, Asylbewerber frühzeitig zu identifizieren, ihre Kompetenzen festzustellen und sie dann auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Wenz.

Doch es gebe auch positive Aspekte: So hätten derzeit vor allem ältere Arbeitslose gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, „in dieser Personengruppe wird die Arbeitslosigkeit beendet – und zwar durch die Aufnahme einer Beschäftigung und nicht durch eine Qualifizierung“, betonte Wenz. Binnen Monatsfrist meldeten sich 75 Ältere aus der Arbeitslosigkeit ab, im Vergleich zum Vorjahr waren es 99 – das entspricht einem Rückgang um 6,5 Prozent.

Ausbildungsmarkt ist weiter stark in Bewegung.

Neu arbeitslos meldeten sich im Juni 1 340 Personen, 118 oder knapp 10 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber Mai meldeten sich 165 Personen oder 11 Prozent weniger arbeitslos.
Parallel dazu meldeten sich 1 194 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, 17 oder 1,2 Prozent mehr als im Mai und 18 oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für 442 Personen endete die Arbeitslosigkeit mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – das waren 60 weniger als im Vormonat  und 134 weniger als vor einem Jahr.

Im Juni wurden 663 neue Arbeitsstellen gemeldet, davon 575 sozialversicherungspflichtig. „146 Stellen wurden von Zeitarbeitsfirmen gemeldet“, erläutert Pressesprecherin Dr. Heike Beber – und zwar aus zahlreichen Branchen. Gesucht seien vor allem Facharbeiter aus den Gebieten Metall oder Elektro sowie Anlagenmechaniker – aber auch Hilfskräfte werden gesucht.

Seit Beginn des Jahres wurden der Marburger Arbeitsagentur 3 818 freie Arbeitsstellen gemeldet, 94 oder 2,4 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch der Ausbildungsmarkt ist weiterhin stark in Bewegung: So gibt es derzeit noch 561 offene Ausbildungsstellen – denen stehen 682 noch unversorgte Bewerber gegenüber. „Bei vielen Jugendlichen, die in Kürze ihre Schulzeit beenden, laufen derzeit noch Bewerbungsverfahren. Und es gibt immer noch reichlich freie Ausbildungsplätze bei Betrieben“, so Beber. Berufsberater und Ausbildungsstellenvermittler der Arbeitsagentur sondierten laufend, was noch gehe und koordinierten Ausbildungswünsche und -angebote.

„Stabiles Niveau“ bei Zahl der Langzeitarbeitslosen

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, für die das Kreisjobcenter (KJC) zuständig ist (Rechtskreis SGB II), bleibt auf einem niedrigen Niveau stabil. Sie ist im Vergleich zum Vormonat nur leicht gestiegen.
Im Juni gab es 2 983 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 20 Personen oder 0,7 Prozent mehr als noch im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Zahl um 36 Personen oder 1,2 Prozent erhöht. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt weiter bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote ebenfalls bei 2,3 Prozent.
Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften hat sich in diesem Monat kaum verändert. Im Vergleich zum Vormonat stieg sie um 7 oder 0,1 Prozent auf 6 438. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang um eine Bedarfsgemeinschaft.

Auch bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat kaum eine Veränderung zu verzeichnen. Zählten im Mai noch 8 237 erwerbsfähige Kunden zum Bestand des KJC, so waren es im Juni 8 239 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 1,7 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Rückgang um 143 Personen.

„Dass die Anzahl der Leistungsbezieher und auch die der arbeitslosen Menschen im SGB II angesichts der Flüchtlingssituation im Vergleich zum Vorjahr nicht steigt, liegt neben einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt auch daran, dass eine zu Jahresbeginn bundesweit durchgeführte Revision der Grundsicherungsstatistik bestimmte Personengruppen, wie etwa Kinder ohne eigenen Leistungsanspruch in einer Bedarfsgemeinschaft, nicht mehr erfasst und dass deshalb Vorjahresvergleiche nur bedingt möglich sind“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow.

Auch seien Menschen mit Fluchthintergrund derzeit oft Teilnehmende an Integrationskursen und sonstigen unterstützenden Maßnahmen und damit statistisch nicht arbeitslos, so Zachow.

von Andreas Schmidt

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