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Kurzarbeit nach Exportrückgang

Marburger Tapetenfabrik Kurzarbeit nach Exportrückgang

Das Kirchhainer Familienunternehmen hofft auf einen Anstieg der Ausfuhren. Unterdessen schreiten die Bauarbeiten für ein neues Logistikgebäude voran.

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Am Freitag wurde die Bodenplatte für das neue Logistik-Gebäude gelegt. Rechts hinter der Baustelle sieht man das neue Hochregallager der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain.

Quelle: Thorsten Richter

Kirchhain. Als Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, Anfang April in Moskau die große Messe „Mosbild“ besucht hatte, sei er mit neuer Zuversicht zurückgeflogen. Das Messe-Geschäft war gut, dann jedoch spürten die Kirchhainer ebenso wie andere exportorientierte Firmen zunehmend die Schwäche der russischen Währung. Produkte aus Deutschland wurden in Russland damit teurer. „Wenn der Kunde zehn Prozent mehr zahlen muss, hält er sich erst einmal mit Bestellungen zurück“, weiß Eitel.

„Wir können nicht nur für das Lager produzieren“, sagt er. Das Unternehmen habe die Bremse angezogen: Die Kurzarbeit sei eine neue Herausforderung für das Familienunternehmen mit 365 Mitarbeitern. Bis auf die Verkaufsabteilung arbeiten die Beschäftigten drei Monate lang nur noch vier Tage in der Woche. In den Wochen mit einem Feiertag bleibt der Betrieb geschlossen. Eitel ist jedoch optimistisch, dass es nach den zweiwöchigen Betriebsferien im August wieder bergauf geht. „Die Auftragssituation ist gut“, sagt er.

Länder wie Russland und China kaufen wieder mehr. Die Durststrecke sei eine neue Erkenntnis, aber das Unternehmen habe innovative Ideen und enormes Potenzial. Die Marburger Tapetenfabrik ist einer der weltweit führenden Hersteller von Tapeten und Wandbelägen. Ob klassisches Design oder pompöse Muster, die der schrille Modedesigner Harald Glööckler entwirft: Marburger Tapete ist im In- und Ausland ein Begriff, ob im Baumarkt oder auf der Fachmesse. „Wir können nur Tapete“, sagt Ullrich Eitel bewusst flapsig. Das Unternehmen konzentriere sich auf seine Produkte, sei eben dadurch aber stark konjunkturabhängig.

Modernes Logistikzentrum wird im Oktober fertig

Eitel, der das Unternehmen in fünfter Generation führt, will nach vorne blicken und kommt nicht umhin, an das vergangene Jahr zu denken. Im Februar 2013 legte ein psychisch kranker Mann mehrere Feuer in der Tapetenfabrik. Insgesamt entstand ein Schaden von 20 Millionen Euro. Das Feuer war in der Druckerei Schröder ausgebrochen, die zur Tapetenfabrik gehörte, und hatte das Gebäude sowie eine erst wenige Jahre alte Druckmaschine und die IT-Ausstattung zerstört. Der Brand bedeutete das endgültige Aus für die Druckerei, das Unternehmen gab seine Tochtergesellschaft aus wirtschaftlichen Gründen auf. 10 von 13 Mitarbeitern der Druckerei wurden von der Tapetenfabrik übernommen, sagt Eitel.

Diese besondere Situation habe zu „besonderer Leistung“ geführt: Jeder Mitarbeiter habe kräftig mit angepackt und sich für einen Neuanfang eingesetzt, sagt der Chef. In einem Neubau will das Unternehmen nun anstelle der Druckerei unter anderem Logistik für die Tapetenproduktion unterbringen. Eine vollautomatische Kartonpalletierung ermögliche künftig moderne, geordnetere Abläufe. In das neue Gebäude wird auch die Musterkarten-Abteilung einziehen. Diese musste nach dem Brand ausgelagert werden. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Am Freitag wurde die Bodenplatte gelegt. Bald werden die Außenwände eingeschalt, Im Oktober soll das Gebäude für den Betrieb eröffnet werden. Im Februar wurde bereits das neue Hochregallager eingeweiht - ebenfalls eine Millioneninvestition in den Standort.

Hohe Summen fordert auch das Bundeskartellamt: Die Wettbewerbsbehörde hatte im Februar gegen die Marburger Tapetenfabrik und weitere drei Hersteller Bußgelder in Millionenhöhe wegen unerlaubter Preisabsprachen verhängt. Eitel hatte Widerspruch eingelegt, die Firma werde völlig zu Unrecht vorverurteilt. „Es ist noch nichts entschieden. Ich möchte mit einem fairen Verfahren beweisen, dass wir keine Preisabsprachen getroffen haben.“

von Anna Ntemiris

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