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„Kurzärmelige Kittel sind Unsinn“

Hygiene im Krankenhaus „Kurzärmelige Kittel sind Unsinn“

Die Ärzte in den Marburger Kliniken tragen weiterhin Kittel mit langen Ärmeln. Das Diakoniekrankenhaus Wehrda will noch darüber beraten, 
ob es, wie die Asklepios-Kliniken, auf kurzärmlige Kleidung umsteigt.

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Eine UKGM-Mitarbeiterin führt bei einem Pressetermin ein Screening bei Professor Reinier Mutters durch. Der Hygiene-Experte hält nichts von kurzärmeligen Kitteln bei Ärzten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Professor Reinier Mutters, Leiter der Krankenhaushygiene am Uni-Klinikum Marburg, hat eine klare Haltung: „Kurzärmelige Kittel sind Unsinn.“

Der Krankenhauskonzern Asklepios, der seinen Ärzten ab April das Tragen von Kitteln mit kurzen Ärmeln vorschreibt, stütze sich auf längst überholte Einzelmeinungen von Forschern.

Asklepios begründet das mit Hygiene – nackte Unterarme seien leichter zu reinigen als Stoff-Ärmel (die OP berichtete). In Hessen sind von der Vorschrift rund ein Dutzend Häuser betroffen. In manchen europäischen Ländern sowie in US-Kliniken sind lange Ärmel schon lange nicht mehr erlaubt.

Rasur der Armhaare 
für Desinfektion

Am UKGM in Marburg tragen Krankenpfleger kurze Kasacks, Ärzte den klassischen weißen Kittel. Und das habe zwei wichtige Gründe, so Mutters. Auf einem weißen Kittel erkenne man Blutflecken sofort und er schütze vor Mikroben auf der privaten Kleidung. „Der Kittel muss mindestens einmal in der Woche gewaschen werden“, sagt Mutters. Sollte er schon nach einer Behandlung verschmutzt sein, eben häufiger.

Mutters glaubt nicht daran, dass sich jeder Arzt nach einigen Stunden Arbeit die Arme desinfiziert. Das sei unpraktisch und ohnehin hätten schon genug Mitarbeiter in Kliniken Allergien durch Desinfektionsmittel.

„Wenn die Arme behaart sind, müssten sie zudem rasiert werden, um sie desinfizieren zu können“, erklärt der Experte. „Den Kittel hängt man nach acht Stunden ab. Den kontaminierten Arm nimmt man mit nach Hause“, sagt Mutters.

Dass einige Mediziner außerhalb der Behandlungsräume mit Kittel unterwegs sind – so etwa auch beim Neujahrsempfang des UKGM – findet Mutters nicht in Ordnung. „Der Kittel hat eine Schutzfunktion und ist keine Standeskleidung“, betont der Chef der Krankenhaushygiene.

Diakoniekrankenhaus 
berät über Kleiderordnung

Der UKGM-Betreiber, die Rhön-Klinikum AG, habe ihn nach seiner Meinung zu der Thematik befragt, sagt Mutters. Nach seinem deutlichen Nein zu kurzen Ärmeln werden somit alle von Rhön geführten Häuser keine neue Kleiderordnung einführen.

Das Diakonie-Krankenhaus in Wehrda hat noch keine Entscheidung getroffen, sagt Geschäftsführer Christian Uloth. Auf der jährlich stattfindenden Sitzung der Hygienekommission werde das Thema Kittel auf die Tagesordnung kommen, erklärt Uloth. Die Hinweise des Asklepios-Konzerns seien für die hausinterne Beratung wichtig.

Uloth erinnert daran, dass sich die Kleidervorschriften in Krankenhäusern in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben. „Früher gab es Krankenhausärzte, die Krawatte trugen. Das ist unhygienisch“, so Uloth. Die Mediziner in Marburg, ob auf den Lahnbergen oder auf dem Berg in Wehrda, müssen also vorerst weiterhin Sommer wie Winter mit langen Ärmeln und geschlossenem Kittel arbeiten.

Für die Mediziner der Vitos-Klinik stellt sich die Diskussion nicht, erklärt Sprecherin Julia Straßheim, denn die meisten Psychiater und Psychologen tragen keine Kittel. Auch im DRK-Krankenhaus Biedenkopf stellte sich das Thema bisher nicht, hieß es.

von Anna Ntemiris

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