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Kunstwerke aus Feuer, Edelmetallen und Juwelen

Vom Rohstoff zum Fairtrade-Schmuck Kunstwerke aus Feuer, Edelmetallen und Juwelen

Fairtrade verbindet man mit Kaffee oder Bananen. Doch auch Gold wird fair gehandelt – Thomas Graumann ist Marburgs erster Fairtrade-Goldschmied.

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In einem Tiegel wird das Edelmetall vor der Weiterverarbeitung geschmolzen.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Ich wollte immer etwas Handwerkliches machen“, sagt Thomas Graumann. Daher begann er am 1. August 1988 seine Ausbildung bei Klaus Meusser und dessen Tochter Antje, die ihre Ausbildung schon begonnen hatte – und der Beruf hatte ihn sofort fasziniert.

„Das Material ist super interessant, man kann mit Gold so viel machen“, schwärmt er. „Es ist ja nicht nur das Herstellen von Ringen – es gibt so viele Möglichkeiten von der Brosche über Ketten und vieles mehr“, schwärmt er.

Und auch die alten Techniken, wie Granulieren, Emaillieren oder Tauschieren faszinieren den Meister, „auch, wenn die Techniken kaum noch zum Einsatz kommen“, bedauert er. Auch Thomas Graumann ließ sich von Klaus Meusser ausbilden, machte später seinen Meistertitel und übernahm 2008 „seinen“ Ausbildungsbetrieb.

Thomas Graumann, Inhaber der Marburger Goldschmiede Meusser, mit alten Schmuckstücken, die Kunden zum Einschmelzen abgegeben haben.

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Vater und Tochter Meusser 
arbeiten weiterhin im Betrieb und fertigen Schmuckstücke ganz individuell nach Kundenwunsch. Zudem reparieren sie auch Schmuck, reinigen ihn, fassen Steine oder nehmen Umarbeitungen vor – auch für zahlreiche Juweliere in der Stadt.

„Es ist einfach ein wahnsinnig kreativer Beruf. Und da es bei uns keine Zwischenhändler gibt, ist der Schmuck günstiger, als viele Menschen glauben“, sagt Graumann. Das Dreier-Team geht täglich mit Materialien um, die einen immensen Wert haben – vom günstigen Kupfer über Silber, Gold und Platin bis hin zu Edelsteinen und Diamanten. Macht man sich nach all der Zeit noch Gedanken über diese Werte? „Nicht wirklich, denn für uns ist es eben ein Werkstoff. „Klar ist ein besonders großer, schöner Stein etwas Besonderes. Aber letztendlich denkt man 
darüber nicht ständig nach.“

Nun gibt es Neues in der Goldschmiede Meusser: Sie ist Fairtrade-Partner – damit ist Thomas Graumann der erste Goldschmied in Marburg und der zweite in Hessen, der fair gehandeltes Gold anbietet. „Der Abbau von Edelmetallen, und somit auch der Abbau von Gold, findet in der Regel unter elenden sozialen und ökologischen Bedingungen statt“, erklärte Bürgermeister Dr. Franz Kahle bei der Vorstellung dieser Partnerschaft. Gold gelte als einer der teuersten Rohstoffe 
weltweit. Dennoch verdienten 
die Menschen, die es in den 
Minen abbauen, minimal daran 
und könnten oftmals kaum 
ihren Lebensunterhalt sichern.

Graumann: Kunden fragen nach fairem Gold

Das will der Verein „TransFair“ ändern. Nachdem im Jahr 2011 fair gehandeltes Gold erstmals in Großbritannien auf den Markt kam, stehen seit 2015 auch die ersten Firmen und Goldschmiede in der Bundesrepublik unter Vertrag.

Thomas Graumann erläutert: „Seit zehn Jahren fragen besonders Kunden von Trauringen nach fair gehandeltem Gold.“ Für dieses Zeichen der Liebe sei es vielen Eheleuten wichtig, Ringe aus sozial- und umweltverträglich gewonnenem Gold zu tragen.

Seit vergangenem Jahr existiert eine Kooperation zwischen TransFair, mehreren Goldminen und einer Scheideanstalt, die Gold von anderen Stoffen trennt und weiterverarbeitet. „Als 
registrierter Partner von Fairtrade beziehen wir auf Kundenwunsch Gold über diese Produktionskette und stellen damit sicher, dass es mit menschenwürdigen und besseren ökologischen Bedingungen gewonnen wurde“, sagt Graumann.

Zwar sei recyceltes Gold, das wieder eingeschmolzen werde, 
ökologisch noch sinnvoller. Denn auch bei Fairtrade-Gold müssen zur Gewinnung immer noch Chemikalien eingesetzt werden. Doch durch die Fairtrade-Variante hätten die Produzenten ein sicheres Einkommen und bessere Lebensbedingungen. „Und der Schmuck ist nur etwa zehn Prozent teurer als der aus konventionellem Gold“, sagt Graumann.

von Andreas Schmidt

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