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Kunden beteiligen sich an Energiewende

„CO2-Sparbrief“ der Stadtwerke Kunden beteiligen sich an Energiewende

Stadtwerke-Geschäfts­führer Norbert Schüren spricht von einer „epochalen“ Aktion: Gemeinsam mit der Sparkasse legen sie für ihre Kunden erneut einen CO2-Sparbrief 
als Anlageform auf, der 1,6 Prozent Zinsen bringt.

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Norbert Schüren (von links), Sebastian Finck, Andreas Bartsch, Fabian Kauffmann und Katharina Deppe stellten am Mittwoch die Neuauflage des CO2-Sparbriefs der Stadtwerke vor.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bereits 2011 hatten die Stadtwerke – damals noch alleine – eine, wie Schüren sagt, „Industrieanleihe“ ausgegeben. Damals gab es allerdings noch 3,25 Prozent Zinsen, „und wir sind um ein Vielfaches überzeichnet worden, wir hätten gut 20 Millionen Euro erzielen können“, so Schüren. Die Inhaberschuldverschreibung war sehr erfolgreich – innerhalb kürzester Zeit waren die Sparbriefe mit einem Gesamtvolumen von fünf Millionen Euro „vergriffen“.

Beflügelt von dem Erfolg gab es in 2013 eine Neuauflage: Vor zwei Jahren war erstmals die Sparkasse als Partner mit im Boot. Der Zinssatz folgte zwar dem allgemeinen Trend nach unten, war aber auch vor zwei Jahren mit 2,5 Prozent sehr gut. „Auch damals waren wir dreifach überzeichnet, obwohl wir das Volumen auf sechs Millionen Euro erhöht hatten“, so Schüren. 800 Kunden hätten sich an beiden Emissionen beteiligt.

Nun folgt die dritte Auflage: Das Volumen beträgt erneut sechs Millionen Euro, der Zinssatz der auf fünf Jahre festgelegten Papiere liegt bei 1,6 Prozent. „Die wollen wir dem Kundenkreis der Stadtwerke, aber auch dem Kreditmarkt, zur Verfügung stellen“, erläutert Schüren.

Mittel fließen in Ausbau 
der Erneuerbaren Energien

Anteile können ab dem 4. Oktober, 8 Uhr, zunächst nur im Kundenzentrum der Stadtwerken gezeichnet werden. Ab dem 10. Oktober können Kunden die Papiere dann in allen Filialen der Sparkasse zeichnen – und am 14. Oktober ist Schluss.

Kunden der Stadtwerke müssen einen Mindestbetrag von 1000 Euro zeichnen und dürfen höchstens 25.000 Euro für den Sparbrief beiseite legen. Die Zinszahlung erfolgt stets zum Jahresende und zuletzt zum Ablauf der fünfjährigen Laufzeit.

Wer also zwischen 1000 und 25.000 Euro für die nächsten fünf Jahre anlegen will, erhält pro Jahr dafür Zinsen in Höhe von 1,6 Prozent und fördert gleichzeitig umweltfreundliche Investitionen. Denn der Verwendungszweck ist ganz klar definiert: Die Mittel werden von den Stadtwerken einzig und allein für die regionale Energieversorgung verwendet.

„CO2-Sparbrief heißt, dass wir die kompletten sechs Millionen Euro verwenden werden, um die Energieversorgung der Stadt Marburg und des Umlandes abzusichern“, wie Schüren betont. So könne das Geld etwa in den Ausbau der Photovoltaik ebenso fließen, wie Wasserkraftanlagen. „Wir haben in Marburg etwa eine gut funktionierende Wasserkraftanlage in Wehrda, die wir gerne ausbauen würden“, verdeutlicht der Geschäftsführer.

Stadtwerke bauen auf Wärmekraftwerk

Denkbar sei theoretisch auch die Windkraft, „werden wir aber nicht tun, denn ich bin ein gebranntes Kind durch das Projekt Lichter Küppel“, sagt Schüren. „Solange die Verhältnisse in der Stadt nicht geklärt sind, was die Standorte angeht, werden wir uns aber gerne außerhalb umsehen.“

Vor allem solle aber die Kraft-Wärme-Kopplung in Marburg vorangetrieben werden. „Wir werden das Wärmekraftwerk am Ortenberg sanieren und dort Blockheizkraftwerke einbauen, um die Effizienz zu steigern“, erklärt Norbert Schüren.

Ausgegeben wird der CO2-Sparbrief von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, Gebühren fallen für die Kunden keine an. Die Sparkasse wird das Geld dann an die Stadtwerke weiterreichen.
Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch erläuterte, dass eine solche Emission „keine Selbstverständlichkeit“ für Stadtwerke seien. „Aber sie dient einem Zweck, dem sich auch die Sparkasse verschrieben hat: Die Erneuerbaren Energien und die Energieversorgung in der Region auszubauen.“

Daher sei es für die Sparkasse normal, die Stadtwerke bei dem Vorhaben zu unterstützen. „Es macht ja Sinn, wenn sich jeder darauf konzentriert, was er am besten kann – und solche Sparbriefe sind ja unser tägliches Geschäft“, erläuterte Bartsch.

Bartsch rechnet mit einer schnellen Überzeichnung

Der Sparbrief biete in Zeiten der Null- oder gar Minuszins-Politik mit seinen 1,6 Prozent „einen geradezu sensationellen Zinssatz für die Kunden“. Selbst, wenn man eine Bundesanleihe zeichnen würde, müsse man Geld mitbringen, da der Zinssatz dort bei minus 0,52 Prozent liege. Er freue sich darüber, „dass wir mal wieder ein Produkt haben, das den Kunden auch Spaß macht – dass wir nicht nur über null Zinsen, sondern über einen Zinssatz sprechen können“.

Bartsch geht fest davon aus, „dass wir wieder innerhalb kürzester Zeit überzeichnet sein werden“, ist sich Bartsch sicher. Wäre das der Fall, werde nach dem Ablauf der Zeichnungsfrist das Losverfahren zum Einsatz kommen, „damit auch alle Kunden eine faire Chance haben und zum Zuge kommen können“, sagt Bartsch.

Mit der Bürgerbeteiligung seien in den vergangenen Jahren viele Projekte realisiert worden – von der Rekommunalisierung von Strom- und Gasnetzen über die Erneuerung des Umspannwerks Marburg bis hin zum Biomasse-Heizwerk an den Kaufmännischen Schulen.

von Andreas Schmidt

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