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Kunden-Idee führt zu mehr Mobilität

Rollstuhl im Supermarkt Kunden-Idee führt zu mehr Mobilität

Kleiner Hinweis, große Wirkung: Nach dem Hinweis einer Kundin gibt es im Marburger „Herkules“-Markt nun einen Rollstuhl und eine Sitzbank.

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Herkules-Geschäftsführer Eric Mühlenbächer (von links), Ideengeberin Christa Lucia Dehmel, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Dr. Frank Hüttemann von der Wirtschaftsförderung mit der dauerhaft aufgestellten Sitzbank und dem Rollstuhl, den Kunden bei Bedarf nutzen können. Hüttemann sitzt zudem auf dem verworfenen Prototyp.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Die Basis zu der Idee liegt darin, dass ich meinen älteren Kunden genau zuhöre“, sagt Christa Lucia Dehmel. Denn sie ist Physiotherapeutin, kommt demnach häufig mit älteren Leuten ins Gespräch. „Sie berichten häufig, dass ihnen das Einkaufen so schwer fällt – das höre ich, registriere es – aber ich habe es nie verstanden.“

Das änderte sich im Sommer vergangenen Jahres: Die Marburgerin hatte zwölf Wochen lang einen eingeklemmten Ischias-Nerv. „Zwölf Wochen lang nicht einkaufen – das geht natürlich nicht“, erzählt sie. Also machte sie sich auf in den Herkules-Markt in Cappel. „Im Erdgeschoss ging es noch“, so Dehmel, denn sie habe einen Stopp in der Schuh-Abteilung eingelegt, in der es einige Sitzgelegenheiten gibt.

„Aber als ich nach oben kam, dachte ich, ich müsste sterben – es ging nicht mehr weiter.“ Da sei ihr bewusst geworden, dass sich etwas ändern müsse, denn: „Leute, die ein Handicap haben, stehen jeden Tag vor diesem Problem.“ Noch dazu sei es gerade für diese Menschen wichtig, durch das Einkaufen auch wieder soziale Teilhabe zu erleben. Also sei sie auf Dr. Frank Hüttemann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises zugegangen – mit der Hoffnung, dass jemand „vielleicht etwas Praktisches erfinden kann“, so die Initiatorin.

Gesucht war eine sichere Lösung für alle

Hüttemann wurde auch aktiv: Gemeinsam mit seinem Team sammelte er Ideen. „Idealerweise musste eine Lösung leicht und einfach sein und im Einkaufsbereich mitzunehmen sein“, erklärt er. Hüttemann fand ein Unternehmen im Landkreis, das den Prototyp einer mobilen Sitzgelegenheit aus Kunststoff herstellte: Dieser erfüllte auf den ersten Blick alle Anforderungen, ließ sich mit wenigen Handgriffen zu einem Sitz zusammenfalten.

Allerdings habe man die Idee letztendlich wieder verworfen – aus Gründen der Sicherheit. Denn, so verdeutlicht Hüttemann: „Wir haben es mit einer Zielgruppe zu tun, die nicht mehr so mobil ist. Wenn dann jemand abrutscht und sich beschwert, ist das entstanden, was wir nicht wollen – nämlich eine Negativbotschaft: Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt.“

Nach mehreren Gesprächen habe man sich dann auf einen Rollstuhl als ideale Lösung vereinbart: „Der ist stabil, kann im Notfall auch zum Abtransport verwendet werden – das gibt auch ein Gefühl der Sicherheit für die Kunden, wenn sie wissen, dass es den Rollstuhl gibt.“

Banal aber wichtig

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) sieht dies in einer solchen Lösung „gerade im Zeichen der demografischen Entwicklung als Zukunftschance“. In Zukunft werde immer wichtiger, wie attraktiv der Landkreis auch für ältere Menschen sei – da sei auch die Wirtschaft gefordert und müsse sich fragen, was sie für die ältere Generation und Menschen mit Handicap machen könne.

„Dieses Beispiel ist nur auf den ersten Blick trivial“, betont er. Es zeige, wie wichtig es sei, dass Kunden Probleme kommunizierten und Verbesserungsvorschläge machten. „Dies führt vielfach, wie bei diesem Beispiel, zu einer Verbesserung“, so Zachow. Das Beispiel zeige aber auch eine der Kernkompetenzen der Stabsstelle Wirtschaftsförderung beim Kreis: Die Vernetzung regionaler Unternehmen und die Unterstützung bei der Lösung von Problemen.

Herkules-Geschäftsführer Eric Mühlenbächer ließ sich sofort von der Idee begeistern. Er erläutert: „Unser Unternehmen ist natürlich auch darauf aus, unsere Kunden zufriedenzustellen – vor allem auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.“ So habe man im vergangenen Jahr bereits die Hälfte der rund 30 000 Artikel des Markts mit deutlich vergrößerten Preisschildern ausgezeichnet – diese ließen sich nun besser ablesen. „Für den Hinweis der Wirtschaftsförderung waren wir sehr dankbar“, so Mühlenbächer. Daher habe man nicht nur den Rollstuhl angeschafft, sondern im ersten Obergeschoss auch eine Sitzbank installiert.

von Andreas Schmidt

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