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Kündigung wegen Unpünktlichkeit rechtens

Aus dem Arbeitsgericht Kündigung wegen Unpünktlichkeit rechtens

Ein gekündigter Arbeitnehmer aus Marburg erhält keine Abfindung. Die Richterin sah den Rauswurf wegen mehrfacher Unpünktlichkeit als gerechtfertigt an.

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Ein ehemaliger Lagerist hatte vor Gericht keinen Erfolg mit seiner Klage gegen seinen Rauswurf.

Quelle: Tobias Hirsch

Gießen. Hoch gepokert und verloren – so ließe sich die Verhandlung am Gießener Arbeitsgericht unter Vorsitz von Richterin Christina Hergarten zusammenfassen. Einem Lageristen aus Marburg war zum 31. Januar von einem Marburger Autoteilehändler gekündigt worden, weil er mehrfach zu spät zur Arbeit erschienen war. Dagegen hatte der Mann geklagt und entweder die Wiedereinstellung oder eine Abfindung in Höhe von 10.000 Euro gefordert.

Das Unternehmen hatte durch Anwältin Katrin Gärtner eine Abfindung in Höhe von zunächst 2855 Euro angeboten. Diesen Betrag empfand wiederum Anwalt Jörg Weigel deutlich zu niedrig und erklärte, dass sein Mandant seit Mitte 2014 bei der Firma gearbeitet habe, „und es gab über Jahre keine Probleme“. Als dann im vergangenen Juli seine Schicht von 5 bis 14 Uhr um eine Stunde vorverlegt wurde, „hat er als erster Mann im Betrieb morgens schnell festgestellt, dass um diese Uhrzeit kaum etwas zu tun ist. Daraufhin hat er mit seinem Vorgesetzten abgesprochen, dass er etwas später kommt und dafür länger arbeitet“, führte Weigel aus. Er sei bereit, die Forderung auf 6800 Euro zu reduzieren, „aber das ist die Grenze“.

Allerdings sei die Abwesenheit des Lageristen am frühen Morgen auch Kunden aufgefallen, deren Beschwerden über nicht eingehende Teile schließlich die Kündigung ausgelöst hatten.

Richterin: Kläger hat Vertrauen ausgenutzt

Zusätzlich legte die Anwältin des Unternehmens ein Dokument mit Arbeitszeiten vor: Demnach war der Gekündigte deutlich verspätet erschienen, teilweise erst nach 6 Uhr, obwohl er behauptet hatte, niemals später als 5.45 Uhr vor Ort gewesen zu sein. „Aus diesem Grund und weil ihr Mandant bis heute weder einen Zeugen für die behauptete Absprache mit dem Vorgesetzten auftreiben noch nachweisen konnte, überhaupt auch länger gearbeitet zu haben, sehen wir die Tarifabfindung von 2855 Euro bereits als sehr fair an“, sagte Katrin Gärtner. Richterin Hergarten riet beiden Seiten, sich in ihren Abfindungsvorstellungen zu besinnen und schlug 3400 Euro vor, dem stimmte Gärtner als „absolute Höchstgrenze“ zu.

Für den Anwalt des Klägers ein Unding. „Das entspricht bei Weitem nicht unseren Forderungen und ich finde es auch nicht in Ordnung, dass hier der Geschäftsführer nicht zugegen ist, wir werden diese Summe nicht akzeptieren.“

Da die Richterin bereits mehrfach angedeutet hatte, dass sie kaum zugunsten des Gekündigten entscheiden würde, ging der Kläger tatsächlich leer aus. „Ihr Mandant hat nach Überzeugung des Gerichts eine mehrfache Pflichtverletzung begangen und das besondere Vertrauen, als einziger Angestellter um diese Zeit zu arbeiten, klar ausgenutzt. Aus diesem Grund war auch keine Abmahnung vorher notwendig und die Kündigung ist rechtens, eine Abfindung ist nicht zu zahlen“, erläuterte die Richterin.

von Marcus Hergenhan

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