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Kündigung wegen 5,40 Euro unwirksam

Aus dem Arbeitsgericht Kündigung wegen 5,40 Euro unwirksam

Weil sie beim Tanken eines Firmenfahrzeugs auf Kosten des Arbeitgebers eine Schachtel Zigaretten gekauft hat, ist eine Mitarbeiterin einer Metzgerei aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf fristlos entlassen worden. Vor dem Arbeitsgericht wehrte sie sich dagegen erfolgreich.

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Nach dem Tanken ließ eine Frau versehentlich auch Zigaretten auf die Firmenrechnung setzen. Ihren Rauswurf sah das Gericht aber als unangemessen an.

Quelle: Anja Müller / pixelio.de

Gießen. Laut Auskunft der Vorsitzenden, Richterin Claudia Schymik, war die Frau seit Juli 2014 als Betriebshelferin im mobilen Verkauf tätig. Am 21. Januar hat sie bei der Vertragstankstelle des Betriebs getankt. Unstrittig war, dass sie zusätzlich für den Erhalt einer Schachtel Zigaretten im Wert von 5,40 Euro unterschrieb, die folglich mit in Rechnung gestellt wurde.

Die Arbeitgeberseite betonte, sich bewusst betrogen zu fühlen und nach Kenntnis des Vorfalls keinerlei Vertrauen mehr zu haben, weshalb die Kündigung am 21. Februar ausgesprochen wurde. Die Klägerin beteuerte, nicht vorsätzlich gehandelt zu haben. Sie habe lediglich vergessen, die Packung gesondert zu bezahlen.

Richterin Schymik verwies darauf, dass es sich anders als bei einem eindeutigen Diebstahl auch geringwertiger Waren, die sicher eine fristlose Kündigung rechtfertigten, „um einen Alltagsvorgang handelt. Jeder hat beim Tanken einmal etwas hinzugekauft. Dass sie nachlässig war, steht außer Frage“.

Angeklagte bietet an, auf 1700 Euro zu verzichten

Aber die Kammer machte deutlich, dass eine Abmahnung angemessen und ausreichend gewesen wäre, „ein Vorsatz ist nicht nachweisbar“. Eine fristlose Entlassung mit der Konsequenz einer Arbeitslosengeldsperre sei „eine außerordentliche Sanktion für schwere Taten“.

Die Beklagtenseite bot an, das Arbeitsverhältnis rückwirkend zum 31. März bei voller Vergütung zu beenden. Der Anwalt der Frau forderte zusätzlich noch etwa 1000 Euro, basierend auf ausstehender Überstundenvergütung und Urlaub, der nicht genommen wurde. Verzichten würde die Frau auf weitere 1700 Euro für Überstunden aus 2014.

Laut Auskunft Schymiks seien die Forderungen noch nicht eingeklagt, was der Klägerin aber vorbehalten bleibe. Eine gütliche Einigung kam nicht zustande und die Kammer fällte ein Urteil. „Das ist kein Grund für eine fristlose Kündigung“, sagte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung, „diese Pflichtverletzung ist abzumahnen.“

Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig. Bis dahin wurde eine weitere fristlose Kündigung aus dem März ausgesetzt. Diese war ausgesprochen worden, weil der Arbeitgeber seiner Mitarbeiterin vorwirft, im Anschluss an die Aushändigung der ersten Kündigung einen Unfall mit dem Verkaufswagen verursacht und nicht gemeldet zu haben.

Auf Fotos zeigte der Beklagte „Schrammen und Dellen“. Seine Ehefrau habe gehört, wie die Angestellte einen Stein gestreift habe. Die Mitarbeiterin bestreitet, den Schaden verursacht zu haben.

von Heiko Krause

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