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Widerrufsbelehrungen von Immobilienkrediten Kündigen, verhandeln, sparen

Oft sind es nur Kleinigkeiten, die eine Widerrufsbelehrung von Immobilienkrediten fehlerhaft werden lassen. Werden sie gekündigt, lassen sich 
unter Umständen 
Tausende Euro sparen.

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Dank fehlerhafter Widerrufsbelehrungen in zahlreichen älteren Immobilienkrediten lassen sich diese Verträge kündigen und Kunden können von den heute niedrigeren Zinsen profitieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wer zwischen 2002 und 2010 einen Immobilienkredit abgeschlossen hat, besitzt gute Aussichten, seine Kreditlast um einige Prozentpunkte zu mindern.

Das liegt zum einen an den derzeit niedrigen Zinsen und zum anderen an fehlerhaften Widerrufsbelehrungen, die, nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg, in 80 Prozent der in dieser Zeit abgeschlossenen Verträge ausgegeben wurden. Auch wenn die Verträge deshalb jederzeit kündbar sind, drängt doch die Zeit, denn ein geplantes Gesetz soll dieser Möglichkeit im kommenden Jahr ein Ende setzen.

Zugleich ist die Bank verpflichtet, den ungültigen Vertrag rückabzuwickeln. Das bedeutet, sie muss ihren Kunden das Geld zahlen, das sie mit den Zinsen erwirtschaftet hat und zwar zu einem Zinssatz, der mindestens fünf Prozent über dem Basiszins liegt. Im Gegenzug müssen die Kunden die Restschuld innerhalb von in der Regel 30 Tagen zurückzahlen – und die marktüblichen Zinsen für die Nutzung der Kreditsumme. Dieser Anspruch gilt sogar für Verträge, die bereits ausgelaufen sind.

Bis wann muss der Vertrag gekündigt werden?

Der Gesetzgeber plant ein neues Gesetz, mit dem das Kündigungsrecht für diese Verträge voraussichtlich am 21. Juni 2016 erlischt. Eine Kündigung muss deshalb spätestens am 20. Juni der Bank schriftlich vorliegen.

Kann ich selbst prüfen, ob meine Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist?

Ohne juristische Vorkenntnisse ist dies eher schwierig. Neben einem Fachanwalt können Sie auch die Hilfe der Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen, die diese Prüfung bereits für zahlreiche Kreditnehmer vorgenommen hat. Weil gerade zahlreiche Verträge überprüft werden müssen, kann es vier bis sechs Wochen dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

Was kostet eine Prüfung des Vertrages?

Die Verbraucherzentrale Hamburg verlangt für eine Prüfung eine Gebühr von 70 Euro. Einige Rechtsanwälte bieten auch an, die Verträge kostenlos zu prüfen – in der Regel erhalten Sie dann aber nur eine mündliche Auskunft und keine Details.

Was lässt sich mit der Kündigung sparen?

Das hängt unter anderem von den Konditionen ab, zu denen der Vertrag geschlossen worden ist. Mit einem Kredit- und Tilgungsrechner können Sie das im Internet aber leicht prüfen. Dazu müssen Sie die Restschuld, die Rate und den Zinssatz Ihres Vertrages eingeben und anschließend das Gleiche mit dem angebotenen neuen Zinssatz berechnen lassen. Ein Beispiel: Ein Kredit über 200.000 Euro, 2009 für zehn Jahre mit 4,5 Prozent Zinsen festgelegt und mit einer monatlichen Rate von 1000 Euro abgetragen würde 2019 eine Restschuld von 162.000 Euro ergeben. Mit einem neuen Vertrag und einem Zinssatz von zwei Prozent blieben nur 150.000 Euro Restschuld.

Muss ich die Bank wechseln?

Das hängt ganz von Ihrer Bank ab. Insbesondere die Volksbanken und Sparkassen, so die Information der Verbraucherzentrale Hamburg, zeigten sich häufig gesprächsbereit. Aus Kulanz und um Sie als Kunden nicht zu verlieren, kann die Bank Ihnen einen neuen Vertrag zu besseren Konditionen anbieten, oder Sie bitten um ein solches Angebot. Stellt sich die Bank stur oder reagiert gar nicht, ist ein Wechsel angesagt.

Was sollte ich vor der Kündigung beachten?

Vor einer Kündigung sollte man in jedem Falle ein verbindliches neues Angebot für einen Nachfolgekredit einholen. Probleme kann es dann geben, wenn sich die eigene Bonität verschlechtert hat, der Wert der Immobilie deutlich gesunken ist oder die Restschuld bereits unter 50.000 Euro liegt.
Mehr Informationen

Weitergehende Informationen zu diesem Thema gibt es im Internet bei der Stiftung Warentest, der Verbraucherzentrale Hamburg und dem Online-Magazin Finanztip.

von Frank Rademacher

 
 Die heimischen Banken

Die Volksbank Mittelhessen behandle diesbezügliche Anfragen ihrer Kunden stets individuell und einzelfallbezogen, erklärte Pressesprecher Dennis Vollmer auf Anfrage der OP.

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf gehe davon aus, dass ihre Verträge dem jeweils geltenden Recht entsprechen und sehen keinen Handlungsbedarf, erklärte Eva-Maria Schieke, die stellvertretende Marketingleiterin.

Die Verbraucherzentralen haben bisher mindestens fünf Verträge der beiden Banken aus dem fraglichen Zeitraum geprüft und kommen zu dem Ergebnis, dass alle fünf fehlerhafte Widerrufsbelehrungen enthalten.

 
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