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Kritische Aktionärin nutzt Rederecht

Hauptversammlung der Rhön AG Kritische Aktionärin nutzt Rederecht

Eine Kleinaktionärin gibt nicht auf: Erneut will Cordula von Brandis-Stiehl auf der Konzern-Hauptversammlung einen Antrag stellen, um das Wohl der Klinik-Mitarbeiter in den Fokus zu rücken.

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Cordula von Brandis-Stiehl gibt nicht auf: Sie will wieder die Medizinethik auf der Aktionärsversammlung thematisieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie besitzt fünf von insgesamt 66.962.470 Rhön-Aktien. Cordula von Brandis-Stiehl geht es nicht um Gewinn, sondern sie möchte damit ihr Stimmrecht auf der Aktionärsversammlung geltend machen: Die Marburger ärztliche Psychotherapeutin sorgt sich um das Wohl der Klinik-Mitarbeiter und will dies denen mitteilen, die am Klinik-Betrieb verdienen.

In der Frankfurter Jahrhunderthalle versammeln sich diesen Mittwoch die Aktionäre des Bad Neustädter Rhön-Konzerns, der auch die Universitätskliniken Gießen und Marburg betreibt. Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns werden ebenfalls Cordula von Brandis-Stiehl zuhören, die einen Antrag zur Beschlussfassung vortragen wird.

Für die 64-jährige Marburgerin ist dieser Termin mit einem Aufwand verbunden: Sie muss an diesem Tag ihre Praxis schließen, ist als Sehbehinderte auf Begleitung angewiesen. Cordula von Brandis-Stiehl nimmt die Mühen gern auf sich. Der Grund: Unter ihren Patienten reiße der Strom derjenigen nicht ab, die sich als Mitarbeiter im Uni-Klinikum Marburg ausgebrannt und ständig überfordert fühlten.

Antrag: Untersuchung von Mitarbeiterzufriedenheit

Die Defizite seien nicht nicht nur in Marburg vorhanden, bemerkt die Kleinaktionärin. Auch der Deutsche Ethikrat stelle Defizite in der Kommunikation in Krankenhäusern fest. „Mitmenschlicher Kontakt läuft meistens über das Wort, über körperliche Zuwendung.

Doch wenn die sprechende Medizin schon in einem normalen Krankenhaus zu kurz kommt, wie viel mehr in einem Haus, das auch noch die Dividende für Menschen ausschütten soll, die nichts mit dem leidenden Menschen zu tun haben?, so die Marburgerin. 
Zugewandtes Sprechen brauche innere Ruhe, sagt sie.

Ihr aktueller Antrag lautet daher: „Der Vorstand möge einen angemessenen Betrag für die wissenschaftliche Erforschung des Unterschiedes zwischen einer stressgeführten Kommunikation und einem Miteinander in entspannter Atmosphäre zur Verfügung stellen. Insbesondere soll die Untersuchung die entsprechenden Folgen auf die Arbeitseffektivität, die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden und den Genesungsprozess des leidenden Menschen einbeziehen.“

In einer Studie könne vielleicht die Grenze festgestellt werden, ab welcher die Medizin im Klinikum versachlicht, auf reine Daten reduziert wird, und ab wann das Gespräch zwischen Arzt oder pflegender Person und leidendem Menschen dazu beitrage, dass die Krankheit geheilt, das Leiden gelindert und Prävention gefördert werden könne. Als Erfolg ihres Engagements sieht die Ärztin die bereits am UKGM durchgeführte Mitarbeiter-Befragung zur gesundheitlichen Lage. Nun fehle das Ergebnis und die Konsequenzen daraus.

Aktionärin spendete Dividende aus dem Vorjahr

Es ist davon auszugehen, dass die Aktionäre den Antrag der Marburgerin wie in den beiden Vorjahren abschmettern werden. Davon geht auch von Brandis-Stiehl aus und hat sich für diesen Fall überlegt, ihre eigene Dividende und ein wenig mehr den ehrenamtlich Tätigen des ambulanten Hospizdienstes der Malteser zu spenden.

Ihre Dividende vom vergangenen Jahr – „und etwas mehr“ – in Höhe von mehr als 1000 Euro spendete sie jüngst an die Johanniter-Unfall-Hilfe. Ihr reiche es bereits, wenn Rhön-Gründer Eugen Münch am Ende ihren Antrag noch einmal verlesen müsse, sagt sie. Darauf werde sie bestehen.

Vorstand und Aufsichtsrat werden diesen Mittwoch der Versammlung vorschlagen, den Aktionären eine Dividende von 80 Cent pro Aktie auszuschütten. Firmenpatriarch Münch wird als Aufsichtsratschef den Geschäftsbericht vortragen. In diesem Jahr rechnet die Rhön-Klinikum AG mit einem Umsatz von rund 1,17 bis 1,20 Milliarden Euro. Der Konzern hat noch fünf Kliniken mit mehr als 15.000 Mitarbeitern. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rechnet die Rhön AG mit 155 bis 165 Millionen Euro.

von Anna Ntemiris

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