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Kritik am Übernahme-Stopp

UKGM Kritik am Übernahme-Stopp

Der Übernahmestopp für Pflege-Azubis am UKGM-Standort Marburg erregt die Gemüter. Nachdem bekannt geworden ist, dass fast alle Krankenpflege-Auszubildenden des jetzigen Abschluss-Kurses am UKGM in Marburg nicht übernommen werden, gibt es scharfe Kritik von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dies sei ein Verstoß gegen den Manteltarifvertrag, hieß es in einer Presseerklärung. Das sagt auch der Betriebsrat.

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Die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH wird am Standort Marburg in diesem Jahr dem Großteil der Pflege-Azubis keine Übernahmeangebote machen.

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Marburg. Der Marburger Geschäftsführer Dr. Gunther Weiß kann dies verstehen – auch er bedauere, dass in diesem Jahr der Großteil der Krankenpflegeschüler nicht übernommen werden kann. Doch er ist der Ansicht, dass die Betroffenen früh genug über die Lage informiert waren und widerspricht damit dem Jugend- und Auszubildendenvertreter Tobias Fischer sowie Mitgliedern des Betriebsrates.

Diese hatten gegenüber der OP erklärt, dass die Auszubildenden jetzt mitten in der Prüfungsphase erfahren haben, dass sie ab April nicht weiter im Unternehmen arbeiten können. Das sei nicht richtig, sagt Weiß. „Pflegedirektor Michael Reinecke und ich haben die Auszubildenden im Oktober frühzeitig über die Möglichkeit einer Nicht-Übernahme unterrichtet“, sagt er. Das sei auch Thema einer Betriebsversammlung gewesen.

OB: Fairer Arbeitgeber sollte rechtzeitig informieren

Der Betriebsrat hingegen betont, dass im Oktober keine endgültige Entscheidung bekannt gegeben worden sei. Damals habe die Leitung nur erklärt, dass sie keine allgemeine Übernahmegarantie abgeben könne. Die meisten Azubis hätten daher erwartet, dass sie – wie bisher am UKGM üblich – übernommen werden. Unterstützung erhält der Betriebsrat vom DGB, der erklärte: „Alle reden vom Fachkräftemangel und den hohen Belastungen der Beschäftigten in der Pflege. Nur beim UKGM scheint dies noch nicht angekommen zu sein. Es ist für den DGB völlig unverständlich, dass genau in dieser Situation jungen Menschen die Übernahme nach der Ausbildung verweigert wird.“

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sagte auf Anfrage der OP: „Als fairer Arbeitgeber sollte man eine Übergangszeit für die Auszubildenden schaffen. Wenn wir in der Stadtverwaltung zum Ende eines Ausbildungsjahres wissen, dass wir die jungen Menschen nicht übernehmen können, geben wir ihnen befristete Verträge für 18 Monate, damit sie die Möglichkeit haben, Erfahrungen zu sammeln und sich zu bewerben.“ Ihn verwundere zudem, dass das Klinikum in Gießen Auszubildende übernehme. „Ich hatte das UKGM als ein Unternehmen verstanden“, so Vaupel.

Das UKGM sei ein Unternehmen, habe aber zwei getrennte Personalplanungen, sagt Weiß im OP-Gespräch. Im vergangenen Jahr habe das Marburger Uni-Klinikum mehr als 70 neue Pflege-und Funktionsstellen aufgebaut. Ein Teil davon sind in neuen Stationen entstanden. Es seien aber durch Fluktuation nicht so viele Stellen wie erwartet frei geworden, um allen Auszubildenden ein Angebot machen zu können. Weiß erklärte, die 17 Auszubildenden, deren Bewerbung beim UKGM in Marburg keinen Erfolg hatte, könnten in anderen Pflege-Einrichtungen in der Region eine Anstellung finden. Dafür setze er sich in diesen Tagen ein.

Weiß sieht Rechtsstreit gelassen entgegen

Ende des vergangenen Jahres nahmen neun Mitarbeiter das Abfindungsangebot des UKGM an und schieden vorzeitig aus dem Unternehmen aus, berichtet Weiß weiter. Dadurch habe man wenigstens einen kleinen Teil der Auszubildenden übernehmen können – zwei „Härtefälle“ sowie die Jugendarbeitnehmervertreter werden weiter beschäftigt. Der Betriebsrat sieht dies nicht als besonderen Einsatz: Das Betriebsverfassungsgesetz schreibe für die JAV-Mitglieder eine Übernahme quasi vor. Auch argumentiert der Betriebsrat mit dem Manteltarifvertrag, der Übernahmestopp sei eine Verletzung des Vertrags.

Falls es zum Rechtsstreit kommen sollte, ist Weiß zuversichtlich, dass das UKGM betriebsbedingte Gründe vorweisen könne. Man verzeichne zwar einen leichten Anstieg bei den Patientenzahlen, aber nicht so stark, dass man jetzt neue Stellen schaffen könne. Die wirtschaftliche Lage des Marburger Uni-Klinikums werde zudem negativ durch neue äußere Rahmenbedingungen beeinflusst, sagt Weiß und nennt zwei Beispiele.

Der sogenannte Landesbasisfallwert werde in Hessen nur um 0,4 bis 0,5 Prozent steigen. In anderen Bundesländern steige er um über 2 Prozent. Das wisse man erst seit einigen Wochen. „Alle Krankenhäuser in Hessen haben 2015 damit ein echtes Problem.“ Der Fallwert dient als Abrechnungsgrundlage für stationäre Klinikleistungen und wird jährlich neu ausgehandelt. Außerdem werde es in diesem Jahr keinen Systemzuschlag für Universitätskliniken geben. „Das macht die Perspektiven für 2015 schwierig. Wir haben teilweise anders geplant.“ Man könne jetzt 18 Auszubildende nicht ab April übernehmen, sondern müsse Arbeitsplätze sichern.

von Anna Ntemiris

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