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Kreisjobcenter als Erfolgsmodell

Zehnjähriges Bestehen Kreisjobcenter als Erfolgsmodell

Der Landkreis nahm das zehnjährige Bestehen des Kreisjobcenters zum Anlass, um einen Festakt und ein Bürgerfest zu veranstalten. Die Aktion war umstritten.

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KJC-Mitarbeiterin Ariana Jokar (links) half beim Bürgerfest  am Stand mit, an dem günstig gebrauchte Kleidung verkauft wurde.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Vor zehn Jahren wurde das Hartz-IV-Gesetz und die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe eingeführt. Seitdem setzt der Landkreis Marburg-Biedenkopf bei der Umsetzung der Bestimmungen des Sozialgesetzbuches II auf eine rein kommunale Verantwortung.

Das im Jahr 2005 neu gegründete Kreisjobcenter (KJC) kümmert sich seitdem um Langzeitarbeitslose und deren Vermittlung in den Arbeitsmarkt.

Diese Eigenregie ist für Landrätin Kirsten Fründt Grund, um das Jubiläum zu feiern. Zudem habe der Landkreis eine überdurchschnittlich gute Vermittlungsquote vorzuweisen, wie Markus Keller vom deutschen Landkreistag bestätigte. In Berlin, dort hat der Landkreistag seinen Sitz, sei das Marburger KJC längst als Erfolgsmodell bekannt. Marburg war zum Beispiel das erste Jobcenter mit Werkakademien wie etwa für Alleinerziehende.

Linken-Anhänger zeigen Protest

Professor Hermann Hill von der Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer sprach in seinem Fachvortrag über die Verwaltungsmodernisierung am Beispiel der Jobcenter. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) erklärte, dass vor zehn Jahren die Rivalität der Arbeitsagentur und des damals neuen KJC ähnlich wie die zwischen FC Schalke 04 und Borussia Dortmund war und heute wie zwischen dem FC Bayern und 1860 München.

Fründt räumte während der Begrüßung auch ein, dass es im Vorfeld Kritik gegeben habe, ob ein Festakt aus diesem Anlass nötig sei – auch aufgrund der Kosten. Rund 300 geladene Gäste, darunter Mitarbeiter der Behörde, waren zum Festakt am Vormittag in den Kreistagssitzungssaal gekommen.

Vor der Tür protestierten Anhänger der Linken gegen die Veranstaltung. Der aktuelle Armutsbericht, der seit 2005 eine Zunahme der Armut in Deutschland aufweist, zeige, dass das Hartz-IV-Gesetz kein Grund zum Feiern sei, so die Botschaft.

Nach dem offiziellen Festakt gab es beim Bürgerfest am KJC-Gebäude ein öffentliches Programm für Jung und Alt. Dabei standen Spiel und Spaß im Vordergrund.

von Anna Ntemiris

Kein Grund für Festakt und Feier

Es ist gut, dass Kommunen die Verantwortung für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen übernehmen. Das Marburger Kreisjobcenter hat zudem mehr Menschen in den Arbeitsmarkt vermittelt als andere Behörden in Deutschland.

Dennoch: Warum sollte man das Bestehen einer Einrichtung feiern, die unfreiwillig von Menschen in Not aufgesucht wird? Da ist von „Kunden“ die Rede, wenn es um Langzeitarbeitslose geht. Man hätte an das Zehnjährige auch anders erinnern können.

von Anna Ntemiris

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