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Krankenstand im Landkreis sinkt

DAK-Gesundheitsreport Krankenstand im Landkreis sinkt

Die gute Nachricht, so Landrätin Kirsten Fründt (SPD): Der Krankenstand im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr gesunken – wenn auch nur leicht. Mit 4,5 Prozent gab es in der Region allerdings einen höheren Krankenstand als im Landesschnitt (4,1 Prozent).

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Rückenschmerzen: Das ist der häufigste Grund für Fehltage bei der Arbeit, so der DAK-Gesundheitsreport 2015.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der höchste Krankenstand in Hessen wurde mit 5,0 in den Landkreisen Gießen, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg gemessen. Laut Gesundheitsreport waren ihre Versicherten in Hessen im Schnitt insgesamt 15 Tage arbeitsunfähig. Für die Studie wurden Daten von Versicherten der DAK verwendet, die in Hessen rund 750.000 Kunden hat.

Erhard Gessner, Leiter der DAK in Marburg, stellte die regionalen Zahlen am Freitag in einem Pressegespräch vor. Der Report sei dienlich für die Entwicklung von Präventionsangeboten und benenne Gründe für Fehltage deutlich, so Landrätin Kirsten Fründt (SPD).

„Die meisten Ausfalltage erfolgten aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen“, sagte Gessner. Diese Diagnose verursachte fast jeden vierten Fehltag im Landkreis. Markus Heinzinger, Werksarzt des Unternehmens Pharmaserv und der Behring-Nachfolgefirmen, bestätigt diese Zahlen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestiegen

Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände kamen mit 14 Prozent Anteil an den Fehltagen auf den dritten Platz, wobei es in der Region entgegen dem Landestrend einen Rückgang um rund 15 Prozent gab. Gut sei, dass sich immer mehr Menschen trauen, über psychische Erkrankungen zu sprechen, erklärte Dr. Birgit Wollenberg, Leiterin des Gesundheitsamts Marburg.

„Die Erkrankung darf beim Namen genannt werden“, so Wollenberg. Das erkläre auch, dass in den vergangenen zwölf Jahren die Anzahl der psychischen Erkrankungen statistisch um ein Vielfaches zugenommen habe. Deutlich gestiegen sind innerhalb eines Jahres die Ausfalltage bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier gab es eine Steigerung um rund 18 Prozent.

Die DAK hat in ihrem aktuellen Gesundheitsreport das Thema Hirndoping stärker unter die Lupe genommen. Für die Studie hat die Krankenkasse die Daten ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 5000 erwerbstätige Männer und Frauen repräsentativ befragt.

Ein Fazit: In Hessen nutzen 56.000 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. Insgesamt gaben 6,9 Prozent der Berufstätigen an, wenigstens einmal im Leben ein Medikament gegen Stress oder für mehr Leistung genommen zu haben.

Betäubungsmittel und Betablocker

Die meisten greifen dabei zu Betablockern, Antidepressiva, so genannten Wachmachern oder ADHS-Pillen. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, so Gessner. Entgegen der landläufigen Meinung, dass primär Manager, Führungskräfte oder Menschen in kreativen Berufen ihre Leistungen durch Medikamente pushen wollen, sind laut DKA-Studie vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs gefährdet. „Beschäftigte, die sich um ihren Arbeitsplatz sorgen, sind betroffen“, sagt Gessner.

Das Thema Hirndoping sei am Behring-Standort ein Thema. Immer mehr Arbeitnehmer nehmen laut Heinzinger „Ritalin“, ein Amphetamin, das zum Beispiel Kindern mit dem sogenannten Zappelphilipp- Syndrom verschrieben wird. Die nächste Arbeitsschutz-Ausschusssitzung am Behring-Standort werde sich mit der Thematik befassen.

Apothekerin Dr. Claudia Baniahmad betont, dass solche Medikamente verschreibungspflichtig sind. Sie und Heinzinger vermuten, dass sich Betroffene diese Medikamente auf dem Schwarzmarkt besorgen. Während Männer meist zu leistungssteigernden Mitteln greifen, nehmen Frauen häufiger stimmungsaufhellende Medikamente, heißt es in dem Report.

von Anna Ntemiris

 
Zahlen aus 2014
2014 belief sich der Gesamtkrankenstand der erwerbstätigen Mitglieder der DAK in Hessen auf 4,1 Prozent. Der Bundesschnitt belief sich auf 3,9 Prozent. Im Kreis waren es 4,5 Prozent. Die DAK hat im Kreis 30.000 Versicherte.
 
 Landrätin Kirsten Fründt (von links), Werksarzt Markus Heinzinger, Gesundheitsamts-Leiterin Dr. Birgit Wollenberg, Marburgs DAK-Leiter Erhard Gessner und Apothekerin Dr. Claudia Baniahmad bewerteten im Pressegespräch den DAK-Gesundheitsreport 2015. Foto: Anna Ntemiris
 
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