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Kontaktscheu gegenüber Unternehmen

Studie Kontaktscheu gegenüber Unternehmen

Absolventen der Philipps-Universität Marburg suchen seltener in Mittelhessen nach einem Job als ihre Kommilitonen aus den beiden Gießener Hochschulen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Marburg. 50 von 1000 Einwohnern in Mittelhessen sind Studenten. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 24 je 1000 Einwohner. Doch die Gruppe der Studierenden zählt zu derjenigen, die zu früh die heimische Region verlässt - sprich nicht in der Statistik des Arbeitsmarkts in Marburg, Gießen, Dillenburg oder Wetzlar auftaucht. Das böse Wort Fachkräftemangel beschreibt die Situation, die das Regionalmanagement Mittelhessen verändern möchte, um die Wirtschaftskraft in der Region zu stärken. Im Auftrag des Vorgängers MitteHessen e.V. führte die Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie und Standortforschung im Fachbereich Geographie der Uni Marburg unter der Leitung von Professor Thomas Brenner (Priavtfoto) eine Studie durch, die nun erste Ergebnisse liefert. Fast 1400 Studierende der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen wurden dazu befragt.

Gießener Studenten bleiben Heimat treuer

n 66 Prozent der der Studierenden, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, geben an, dass sie bestimmte Gegenden für ihre Jobsuche favorisieren, ein Drittel von diesen Teilnehmern der Studie will am liebsten in Mittelhessen bleiben. Rund 42 Prozent erklären, dass sie räumlich offen sind. Für den Verbleib in der Region sprechen bei den meisten vor allem private Gründe. Vor allem diejenigen, die auch schon vor dem Studium in Mittelhessen gelebt haben, wollen den Wohnort nicht unbedingt wechseln.

n Mehr als zehn Prozent der Teilnehmer wollen nicht in der Region nach einem Job suchen, weil sie der Meinung sind, dass es dort keinen passenden Arbeitgeber sind. Etwa 5 bis 10 Prozent kennen die Region, so ein Ergebnis der Studie, nicht gut genug für eine Jobsuche.

Diese Angaben dürften für Arbeitgeber interessant sein, betonen die Wissenschaftler. Insbesondere bei der Bekanntheit der Jobangebote in der Region zeigen sich große Unterschiede abhängig von Studienfach und Hochschule. Studenten, die während der Studienzeit keinen Kontakt zu Unternehmen oder Arbeitgebern hatten, etwa durch Praktika, sind auch weniger über die Beschäftigungsmöglichkeiten informiert.

n Auffällig sei, dass Absolventen aus Marburg am häufigsten einen Ortswechsel wünschen und diejenigen der TH Mittelhessen am häufigsten vor Ort bleiben wollen. Sie sind auch am stärksten der Meinung, dass es hier passende Arbeitgeber gibt. Die Marburger Absolventen geben auch private Gründe sowie schlechte Rahmenbedingungen für ihren geplanten Wegzug an.

n Bei der Frage nach Vorschlägen an Arbeitgeber zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, Mittelhessen bei der Jobsuche mit einzubeziehen, gab es viele Angaben. „Die Fülle an Vorschlägen zeigt, dass es noch Verbesserungspotenzial für die Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Hochschulabsolventen gibt“, so ein Ergebnis der Wirtschaftsgeographen.

Uni-Absolventen meiden den ländlichen Raum

Praktika und Abschussarbeiten in Unternehmen werden als eine gute Möglichkeit betrachtet, Absolventen an die Region zu binden. Firmenkontaktmessen dagegen werden nicht so viel genutzt. Die Studie kommt zum Ergebnis: „Bei fast allen Studienfächern wird die Möglichkeit, Studierende durch Praktika, Abschlussarbeiten und Nebenjobs an die Unternehmen der Region zu binden, zu wenig genutzt.“ Vor allem bei Bachelor-Studenten gebe es Nachholbedarf.

Die Wirtschaftsgeographen schlagen zudem vor, mehr regionale Jobbörsen anzubieten.

n Die Studie nimmt auch eine Auswertung nach Herkunft der Studenten vor: Den Aussagen von 344 Teilnehmern, die in Mittelhessen aufgewachsen sind stehen die von 1001 Studenten gegenüber, die zum Studium zugezogen sind. „Der größte Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen ist die Präferenz für ländliche Räume, die sehr viel stärker ausgeprägt ist bei denen, die in Mittelhessen aufgewachsen sind.“ Mehr als 40 Prozent der „einheimischen“ Studienteilnehmer geben als Gründe für die Ortswahl nach dem Studium folgende Kriterien an : berufliche Möglichkeiten, das soziale Umfeld/Familie, Infrastruktur sowie Freizeit- und Kulturangebot. Diejenigen, die nicht aus Mittelhessen stammen, haben zu 40 Prozent keinen bevorzugten Arbeitsplatzort. Bei den Verbesserungsvorschlägen, um Absolventen in Mittelhessen zu halten, werden von diesen Studierenden häufiger als von Studierenden aus Mittelhessen Praktika und Abschlussarbeiten in Unternehmen genannt. Für Studenten, die aus der Region stammen, spielen Gehalt und Aufstiegschancen eine größere Rolle als für die Zugezogenen.von Anna Ntemiris

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