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Kollege fordert Schmerzensgeld

Arbeitsgericht Kollege fordert Schmerzensgeld

Beim Streitschlichten hat ein Waldarbeiter eine irreparable Handverletzung erlitten. Deshalb zeigte er seinen Kollegen an.

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Marburg. Gießen. Vor dem Gießener Arbeitsgericht standen sich zwei Waldarbeiter gegenüber. In einem verschneiten Waldstück im Forst Katzenbach gingen der Beklagte und der Geschädigte Ende 2010 ihrer Arbeit nach. Nachdem sie einen letzten Baum gefällt hatten, kam der zuständige Revierförster dazu, um sich wie üblich den Fortschritt der Holzarbeiten anzusehen.

Während er auf den Beschuldigten zuging, machte dieser ungefragt einige Fotos von ihm. Nachdem der Förster ihn aufgefordert hatte, diese wieder zu löschen, nahm er den Apparat an sich. Daraufhin schlug der Angeklagte auf ihn ein und fing an, ihn mit einer Hand zu würgen. Der Förster wich nach hinten aus und fiel einen einige Meter hohen Hügel hinunter. „Es ging rasend schnell“, sagte der Förster als Zeuge vor Gericht aus.

Der Beschuldigte kniete sich auf den Brustkorb des am Boden liegenden Mannes und drückte ihm mit der Hand auf den Hals. Der durch dessen Hilferufe alarmierte Kollege zog den Beschuldigten schließlich von ihm herunter. Der Förster erlitt durch den Angriff unter anderem einen Rippenbruch. Bei dem Versuch, die beiden Männer zu trennen, verletzte sich auch der Kollege unglücklich an der Hand. Er brach sich einen Knochen und erlitt an einem Finger einen Strecksehnenausriss. Der Schaden ist irreparabel. Seitdem lässt sich die Hand nicht mehr komplett schließen und wird zu zehn Prozent dauerhaft beeinträchtigt sein. Er verklagte den Kollegen nun auf Schmerzensgeld, Haushaltseinbußen und weiteren Schadensersatz.

Vor Gericht betonte der Beschuldigte, dass er dagegen gewesen war, an diesem Tag im Wald zu arbeiten. Seiner Meinung nach war es durch den starken Schneefall zu gefährlich für Baumfällarbeiten. Daher wollte er auch mit seiner Kamera Fotos als Beweis machen.

Richter Hans Gottlob Rühle verurteilte den Beschuldigten zur Zahlung von 6000 Euro Schmerzensgeld. Die anderen Forderungen wies er zurück. Auslöser des Ganzen sei das unerlaubte Fotografieren gewesen. Die Verletzungen des Klägers seien durch Notwehr entstanden, er habe richtig gehandelt. Der Beschuldigte müsse für die irreparable Verletzung haften.von Ina Tannert

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