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„Koalition läuft geräuschloser als erwartet“

OP-Gespräch mit heimischen Wirtschaftsvertretern „Koalition läuft geräuschloser als erwartet“

Zufrieden, aber nicht wunschlos glücklich: Heimische Betriebe müssten bei öffentlichen Ausschreibungen bessere Chancen erhalten, fordert die Handwerkerschaft. Die IHK pocht auf Investitionen in die Infrastruktur.

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Im vergangenen Jahr besuchte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen, Mitte) die Seidel-Tochter Carus in Fronhausen. Firmen-Chef Dr. Andreas Ritzenhoff (rechts) informierte den Minister und dessen Parteifreund, Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nächste Woche erwartet das Berufsbildungszentrum Marburg, eine gemeinnützige Einrichtung der IHK Kassel-Marburg, der Handwerkskammer Kassel und der Kreishandwerkerschaft Marburg, den Besuch des Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Mathias Wagner.

Der Fraktionschef wird sich ein Projekt für Migranten anschauen, an dem auch das Kreisjobcenter beteiligt ist. Der geplante Termin ist für Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ein aktuelles Beispiel für die Kommunikation zwischen den Grünen und dem Handwerk.

Noch vor zwei Jahren habe man skeptisch auf die damals neue schwarz-grüne Regierungskoalition geschaut, berichtet Moog (Archivfoto). Doch nun könne man sagen: „Die Zusammenarbeit mit der Landesregierung läuft gut.“ Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen und seine Partei stehen in Kommunikation mit den Interessensvertretern der Betriebe, erklärt der Vorstand der Kreishandwerkerschaft auf Anfrage der OP. 

Oberzentren rücken näher zusammen

Lob erteilt der Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher auch an die CDU. Dr. Thomas Schäfer, hessischer Finanzminister und Vorsitzender der CDU Marburg-Biedenkopf, sei sehr oft vor Ort, zum Beispiel Redner bei der Meisterfeier. Die Bilanz aus Sicht der Kreishandwerkerschaft: „Die Koalition läuft geräuschloser als erwartet“, sagt Moog.

Vieles drehe sich politisch um die Themen Flüchtlinge und A 49, aber wichtig sei auch ein ausgeglichener Haushalt. Der Weiterbau der A 49 sei positiv, die Oberzentren Kassel und Marburg rücken dadurch näher zusammen, so Moog und Limbacher (Archivfoto).

Auch wenn die „Bewertung“ positiv ausfällt, die Interessenvertreter der Handwerksbetriebe haben auch noch offene Wünsche an die Landesregierung. Öffentliche Aufträge bei Gebäudebauten oder Sanierungen sollten „mittelstandsfreundlicher“ ausgeschrieben werden. Statt einen Großauftrag zu vergeben, sollten mehrere Arbeiten einzeln ausgeschrieben werden, damit kleinere regionale Handwerksbetriebe mehr Chancen haben, Aufträge zu bekommen. Wer die Wirtschaftskraft in der Region stärken wolle, müsse dies in der Praxis zum Beispiel bei Stadthallensanierungen zeigen.

Oskar Edelmann (Privatfoto), stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, hat ebenfalls noch Wünsche an die Landesregierung. So etwa beim Thema Infrastruktur. „Eine funktionierende, gut ausgebaute Infrastruktur ist die zentrale Lebensader, die das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand unserer Region gewährleistet. Da wir derzeit dieses Kapital aufzehren, wie beispielsweise in Folge der Sperrung der Schiersteiner Brücke, sind umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur notwendig, um den Bestand zumindest zu sichern.“ 

Die Fingerzeige, dass es endlich vorangehe mit dem Weiterbau der A 49, seien sehr wichtig – „auch wenn der Wirtschaftsminister und der Ministerpräsident zeitweilig unterschiedliche Signale ausgesendet haben. Jetzt müssen den Ankündigungen Taten folgen, damit der Ausbau der A 49 möglichst zügig vorangeht“. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf zähle zu den wichtigsten Profiteuren eines A-49-Ausbaus. Durch diesen wird die Fahrzeit nach Nordhessen und Niedersachsen ganz entscheidend reduziert und die B 3 entlastet.

Edelmann wirbt für dreispurige, kreuzungsfreie Bundesstraße

Im Nordwesten des IHK-Bezirks kommt der Weiterbau der A 44 in kleinen Schritten voran. „Die andauernden Diskussionen um neue Trassenführungen in Teilbereichen des letzten großen Verkehrsprojekts der deutschen Einheit müssen ein Ende finden und eine klare Entscheidung für eine Variante getroffen werden“, sagt Edelmann.

Auch der Kreis Waldeck-Frankenberg müsse besser angebunden werden, zum Beispiel durch eine dreispurige, kreuzungsfreie Bundesstraße (B 508n) mit Anschluss an die A 49 Richtung Nordrhein-Westfalen, fordert der IHK-Geschäftsführer. Würde eine solche Variante realisiert, böten sich auch dem Altkreis Marburg neue Optionen, sagt er.

Beim Thema „Digitale Wirtschaft“ sei der Landkreis Marburg-Biedenkopf weiter als andere Regionen vorangeschritten. Dies sei dem sehr großen Engagement des Landkreises in der Breitbandversorgung zu verdanken. „Lobenswert ist, dass das Land EU-Gelder bereitgestellt hat, um die ländliche Versorgung zu verbessern. Die Politik muss hier weiter am Ball bleiben.“

Zum Kommunalen Finanzausgleich (KFA) äußert sich Edelmann vorsichtig: Die Debatte habe viele Städte und Gemeinden „verunsichert“. „Im Vor- und Umfeld dieser Debatte haben – trotz der landesweit sprudelnden Steuereinnahmen – Kommunen vielerorts die Gewerbesteuerhebesätze erhöht. Doch damit schwächen sie ihre Attraktivität als Wirtschaftsstandort.“ Hier sieht Edelmann die Gefahr, dass neue Firmenansiedlungen ausbleiben.

von Anna Ntemiris

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